Donnerstag, 24. Mai 2012

Museum in neuem Glanz




Museumsleiterin Dr. Simone Stork und Hannes Schober (Mitte), Leiter des Ateliers Schober, Reinhardt und Partner stellten die renovierte Didaktik des Hochdorfer Keltenmuseums vor. Bürgermeister Peter Schäfer lobte die Umgestaltung. Foto: Sattler
Museumsleiterin Dr. Simone Stork und Hannes Schober (Mitte), Leiter des Ateliers Schober, Reinhardt und Partner stellten die renovierte Didaktik des Hochdorfer Keltenmuseums vor. Bürgermeister Peter Schäfer lobte die Umgestaltung. Foto: Sattler

Hochdorf (sv). Der Zahn der Zeit hat auch das Hochdorfer Keltenmuseum nicht verschont. 18 Jahre Museumsbetrieb haben Spuren an Informationstafeln und ausgestellten Bildern hinterlassen. Ab heute zeigt sich die Didaktik des Museums in neuem Glanz.
 Werkzeug, Absperrband und Trittleiter bestimmten noch gestern das Bild der Ausstellung im Hochdorfer Keltenmuseum. Ab heute kommen Besucher der historischen Sammlung zum ersten Mal in den Genuss der renovierten Didaktik. In moderner und ansprechender Form sollen die Informationen noch besucherfreundlicher präsentiert werden. „Wir haben Monate und Monate gearbeitet, weil wir weiterhin in der ersten Liga spielen wollen“, bringt Museumsleiterin Dr. Simone Stork die Gründe für die Renovierung auf den Punkt.
Peter Schäfer, Eberdingens Bürgermeister, ging in seinen Ausführungen auf die Besuchermengen ein, die Tag für Tag in den Ortsteil strömen, um dem Keltenmuseum einen Besuch abzustatten: „Wir haben etwa 500 Führungen jährlich.“ Da läge es, so der Bürgermeister weiter, in der Natur der Sache, dass „herumgepfriemelt wird und Bilder verblassen“. Stork ergänzte: „Wir freuen uns ja eigentlich über die Verschleißerscheinungen. Manchen Informationstafeln sieht man sogar an, dass die Besucher beim Anblick immer auf die gleiche Stelle gezeigt haben.“
Für den Gemeinderat, sagt Schäfer, sei die Finanzierung des „kulturellen Highlights“ nie ein Thema gewesen. „Das haben alle unisono mitgetragen“, berichtet er. Die Kosten des neuen Inventars belaufen sich auf insgesamt 150 000 Euro, die größtenteils von der Gemeinde kommen. Bemerkenswert ist aber auch die Geldmenge, die der Hochdorfer Keltenförderverein zur Deckung der Umbaukosten beigetragen hat. Da musste auch der Schultes loben: „10000 Euro – das ist ein stolzer Betrag für einen kleinen Verein.“
Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen. „Wir wollten das Museum ja nicht nur renovieren und ausbessern, sondern ihm eine richtige Verjüngungskur verpassen“, beschreibt Hannes Schober von der Werbeagentur Schober, Reinhardt und Partner den Auftrag.
Bereits das ursprüngliche didaktische Konzept, das seit der Museumseröffnung 1991 unverändert geblieben war, stammte aus der Feder von Schobers Agentur. „Die Darstellung und die Konzeption der Ausstellung haben sich als sinnvoll erwiesen“, sagt Schober. Die Leiterin beschreibt das Ziel der Renovierung: „Wir wollten nicht alles umwerfen. Aber als Pionier der Keltenmuseen wollten wir unseren Besuchern entgegenkommen.“ Von Anfang an sei es das Konzept des Keltenmuseums gewesen, „hinter die Exponate zu schauen und die Funde zum Sprechen zu bringen“.
Der Bereich, in dem es um die Siedlungsgrabungen in Hochdorf geht, wurde nach diesem Grundsatz völlig neu gestaltet. „Wesentlich verändert hat sich hier der Umgang mit den Exponaten, die bislang in einer Vitrine standen“, erklärt Archäologin Stork. Das, so die Museumsleiterin weiter, sei zwar schön und ästhetisch gewesen – der Kontext zum schriftlichen Informationsmaterial habe aber gefehlt.
Wie man es besser macht, zeigt beispielsweise das neue Schmuckstück des Museums, der begehbare Grabungsplan. Unter dickem Glas ist ein beleuchteter Plan, in dem die Siedlungsspuren eingezeichnet sind, angebracht. In versenkten, in den Plan eingearbeiteten Schächten finden sich die passenden archäologischen Funde zum Thema.
Ein letzter Punkt, der den Machern am Herz lag, war der Text der Ausstellung. Nicht nur am Inhalt und am Erscheinungsbild der Beschriftungen wurde gearbeitet. Alle Informationstexte wurden ins Englische übersetzt, so dass sich das Keltenmuseum nun durchgehend zweisprachig präsentiert.
Der Bedarf zur Internationalisierung ist zweifelsohne da: „Von 100 verkauften Broschüren waren 20 in englischer Sprache“, verdeutlicht Stork das Interesse aus dem Ausland. Übersetzt wurden die Texte ehrenamtlich vom Amerikaner William Schott, der im US-Bundesstaat Kansas wohnt. Als Reserveoffizier hatte er zwei Jahre in Oberriexingen verbracht und war vor kurzem auf die nur spärlich übersetzte Homepage des Museums gestoßen. Sein Angebot, den Internetauftritt ins Englische zu übertragen, weitete er auf die gesamte Ausstellung aus. Nach 500 E-Mails, die zwischen Kansas und Hochdorf hin und her gingen, stand die Übersetzung.
Unverändert geblieben ist derweil die Grabkammer im Untergeschoss. Stork erklärt: „Es ist ein Charakteristikum des Museums, dass der Besucher dort unten ganz alleine gelassen wird.“ Der Rest wird beim Keltenfest am morgigen Sonntag feierlich eingeweiht. Die Festwiese in der Keltenstraße ist bereits hergerichtet – interessierte Benutzer werden ab 11.30 Uhr erwartet.




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