Donnerstag, 24. Mai 2012

Waffen verschrottet




Von Vaihingen aus wurden gestern die Waffen zum Kampfmittelbeseitigungsdienst gebracht. Foto: Bögel
Von Vaihingen aus wurden gestern die Waffen zum Kampfmittelbeseitigungsdienst gebracht. Foto: Bögel

Vaihingen (ub). Nach dem Amoklauf von Winnenden sind beim Ordnungsamt der Stadt Vaihingen exakt 457 Waffen freiwillig von ihren Besitzern zurückgegeben worden. Gestern wurden mehr als 280 Lang- und 160 Kurzwaffen dem Kampfmittelbeseitigungsdienst in Böblingen übergeben. Unter Polizeischutz.
 Beinahe 1000 Waffenbesitzer aus Vaihingen, Eberdingen, Sersheim und Oberriexingen haben im Mai Post aus dem Vaihinger Rathaus bekommen. Oberbürgermeister Gerd Maisch hatte die Waffenbesitzer darin um eine Selbstauskunft gebeten, wie sie ihre Waffen aufbewahren und gleichzeitig den Denkanstoß gegeben, als Alternative zur Anschaffung neuer Waffenschränke über eine freiwillige Rückgabe nicht mehr benötigter Waffen nachzudenken.
Der Aufruf wurde zum vollen Erfolg: Täglich meldeten sich beim Vaihinger Ordnungsamt als zuständiger Waffenbehörde zahlreiche Waffenbesitzer, die ihre alten Waffen loswerden wollten. Am Ende waren es schließlich über 450 Waffen sowie einige Kilogramm Munition, die im Tresorraum der Stadt sicher verwahrt und gestern dem Kampfmittelbeseitigungsdienst in Böblingen übergeben wurden. Dieser ist für die Vernichtung von Waffen und Munition in Baden-Württemberg zuständig. Die Waffen werden in Öfen auf 800 Grad erhitzt. Dadurch verziehen sich die Läufe und Gehäuse. Die Überreste werden dann mit einem Schneidbrenner in 15 Zentimeter gesägt. Als Schrott gelangen sie wieder in den Kreislauf der Baustahlherstellung.
Der Waffentransport vom Marktplatz in Vaihingen zum Kampfmittelbeseitigungsdienst war bereits für Juli geplant. Doch bis zu diesem Zeitpunkt war die Überprüfung der Waffen durch die Polizei noch nicht abgeschlossen. „Wir müssen abgleichen, ob eine abgegebene Waffe eventuell zur Fahndung ausgeschrieben ist“, so ein Polizeisprecher.
Gestern konnte die Übergabe der gefährlichen Ware über die Bühne gehen. Um 8 Uhr wurden die Gewehre und Revolver auf einen Wagen des Bauhofs geladen und nach Stuttgart-Vaihingen beziehungsweise Böblingen transportiert – natürlich unter dem Schutz des Polizeireviers Vaihingen.
Erst in den vergangenen Tagen wurden beim Ordnungsamt noch eine alte Offizierspistole aus den Zweiten Weltkrieg und 200 Schuss Munition abgegeben. „Das Gros der Waffen sind irgendwelche Erbstücke, wahrscheinlich vom Opa aus dem Weltkrieg“, sagt Wilfried Gutjahr, bei der Stadtverwaltung für öffentliche Ordnung zuständig.
Dabei war der Job von Gutjahr und seinem Team nicht ungefährlich. „Ähnlich wie beim Landratsamt Ludwigsburg wurden uns durchgeladene Waffen im Einkaufskorb übergeben.“ Und das in etwa zehn Fällen. „Da merkt man, dass die Leute oft keine Ahnung im Umgang mit den Waffen haben“, so Gutjahr.
Eine besondere Waffe ist jetzt auch verschrottet worden: die Dienstpistole des früheren Vaihinger Oberbürgermeisters Gerhard Palm. Gutjahr: „Die hatte einer dabei, der mehrere Waffen abgegeben hat. Er hat uns auch über ihren früheren Besitzer aufgeklärt.“
 Waffenbesitzer müssen sich künftig auf verdachtsunabhängige Kontrollen zur Aufbewahrung von Gewehren, Flinten, Pistolen und Revolvern einstellen. Verstößt jemand gegen die Aufbewahrungs-Vorschriften, muss er jetzt mit härteren Strafen rechnen – im Zweifelsfall sogar mit einer Haftstrafe. Bis Jahresende gilt eine befristete Amnestieregelung, um Besitzer illegaler Waffen einen Anreiz zu geben, diese abzugeben.




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