Vaihingen (sv). Nicht nur die Bauarbeiten neigen sich am Vaihinger Friedrich-Abel-Gymnasium dem Ende zu. Auch dem Stundenplan für das kommende Schuljahr verpassen Rainer Geppert und Dieter Weckesser den letzten Feinschliff.
Wenn am Montag die Schulglocke zum ersten Mal im neuen Schuljahr wieder läutet, warten Schüler schul- und jahrgangsübergreifend erfahrungsgemäß gespannt auf ihre Stundenpläne. Welche Stunde ist wann anberaumt? Und welche Lehrer wurden den Klassen in welchem Fach zugeteilt?
Nur wenige Pennäler wissen hingegen um die Entstehungsgeschichte ihres Stundenplans. Die beginnt in aller Regel bereits lange, bevor die Schüler überhaupt an das neue Schuljahr denken. „Man kann sagen, dass wir mit den Plänen für das kommende Jahr anfangen, sobald das Abitur über die Bühne ist“, sagt Rainer Geppert. Er ist stellvertretender Schulleiter des Friedrich-Abel-Gymnasiums (FAG) und daher fast schon von Amts wegen für die Erstellung der Stunden- und Vertretungspläne zuständig. Zur Seite steht ihm Dieter Weckesser, der am FAG die Fächer Mathematik und Informatik unterrichtet und seit fast 15 Jahren bei der Anfertigung der Pläne mithilft.
Und ihre Arbeit ist durchaus anspruchsvoll. Immerhin gilt es, nicht nur 1200 Schüler, sondern auch noch 94 Lehrer zu versorgen. Eine Mammutarbeit, die in der Woche vor Schulbeginn vor allem an der riesigen Magnettafel im Büro des Konrektors stattfindet. „Da stecken jede Menge Zeit und Herzblut drin“, sind sich Geppert und Weckesser einig. Geppert ergänzt: „Es ist wie ein riesiges Sudoku, in dem man 20000 Fäden zieht.“
Der Computer merzt
große Denkfehler aus
Erleichtert wird die Arbeit des Duos, zu dem ab morgen mit Lehrerin Alexandra Scheich noch eine dritte Kraft hinzustößt, durch entsprechende Software. „Die Stundenpläne werden von Jahr zu Jahr komplexer, aber die Programme werden auch von Jahr zu Jahr besser“, erzählt der Konrektor. Außerdem nehme der Computer eine vorbeugende Funktion ein, da er grobe Denkfehler von Anfang an ausmerzt.
Die Komponente Mensch kann der Rechner aber auch nicht ersetzen. „Man braucht ja auch jemanden, der alle Daten in den Computer eingibt“, gibt Geppert zu denken. „Und die großen Klippen müssen wir ohnehin noch vor den Sommerferien von Hand umschiffen“, ergänzt Weckesser.
Eine dieser großen Klippen ist die Stundentafel für die Jahrgangsstufen 12 und 13, in denen der Klassenverband aufgelöst ist. Der Umstand, dass die Schüler dieser Stufen ihre Kurse selbst wählen, macht die Stundenplanerstellung nicht gerade einfacher. Außerdem kooperiert hier das FAG mit dem Stromberg-Gymnasium. Kurse, die zu selten gewählt werden, um sie einmal pro Schule anzubieten, werden zusammengelegt und schulübergreifend angeboten. FAG-Konrektor Geppert lobt die Zusammenarbeit: „Die Kooperation mit dem Stromberg-Gymnasium läuft wirklich gut.“
Ebenfalls für Komplikationen sorgen Religions- und Sportunterricht. Bei ersterem wird klassenübergreifend nach Konfessionen unterrichtet. Beim Sport sorgen neben teilweise nach Geschlecht getrennten Kursen auch die knappen Hallenzeiten für Kopfzerbrechen.
Die großen Hallen sind rar, aber auch die kleineren Klassenräume sind nicht im Übermaß vorhanden. „An unserer Schule sind fünf von 34 Klassen ohne festes Klassenzimmer“, weiß Geppert. Zusätzlich zu den Wanderklassen kommen auch die Schüler der Jahrgangsstufen 12 und 13 ohne feste Räumlichkeit aus.
Da ist bis Freitag noch ein bisschen Raumoptimierung gefragt. Wanderklassen seien zwar nicht zu vermeiden, aber man könne natürlich dafür sorgen, dass die Schüler nicht nach jeder Stunde das Klassenzimmer wechseln müssten, so Weckesser. Die Belegung der naturwissenschaftlichen Fachräume ist ebenfalls ein Großprojekt. „Die Lehrer haben natürlich spezielle Vorstellungen, welcher Unterricht in welchem Zimmer stattfinden soll – wer will schon Chemie im Kunstsaal?“, sagt der stellvertretende Schulleiter.
Dass Gepperts Vorgänger Bernd Knapper, der sich jahrelang für den Stundenplan verantwortlich zeichnete, zum ersten Mal nicht mehr an der Magnettafel werkelt, wird man dem Ergebnis kaum anmerken. Spätestens am Freitag sollen die vorläufigen Pläne dann auch im Internet abrufbar sein. „Es gilt aber nach wie vor nur die Pläne, die am ersten Schultag verteilt werden“, sagt der Konrektor. „Im Laufe des vergangenen Schuljahres haben wir den Plan wegen unvorhersehbaren Dingen zehnmal geändert. Etwas unvorhergesehenes kann auch zwischen Freitag und Montag passieren.“
Aus vielen Hohlstunden wird
eine vertretbare Tabelle
Bis dahin sind nur noch kleine Schönheitskorrekturen am Stundenplan notwendig, so dass aus dem vom Computer errechneten „hässlichen Stundenplan“ mit vielen Hohlstunden und fehlenden Räumen eine vertretbare Tabelle wird. Geppert spricht von drei Prioritäten: „Der Plan muss für die Schüler passen, die Räume müssen vorhanden sein und die Kollegen müssen für ihre Arbeit gute Rahmenbedingungen vorfinden.“ Ob ihnen das gelungen ist, erfahren die Planmacher spätestens am Montag, wenn die Glocke läutet.
