Donnerstag, 24. Mai 2012

Buntes Treiben beim Pferdemarktsumzug




Die Ochsenbacher Weiberzeche ist wieder dabei. Foto: Rücker
Die Ochsenbacher Weiberzeche ist wieder dabei. Foto: Rücker

Bietigheim-Bissingen (sr) – Beim 75. Bietigheimer Pferdemarkts-umzug drängten sich die Zuschauer wieder einmal am Straßenrand. Bei strahlendem Wetter zogen gestern über 70 Gruppen durch die Bietigheimer Innenstadt und ließen sich bestaunen und bejubeln.
 Das geht den zwei Herren in Orange runter wie Öl: Beim Bietigheimer Pferdemarktsumzug bekommen die „Bietigheimer Straßenkehrer“ von den Zuschauern am Straßenrand mindestens so viel Applaus wie Landesvater Günther Oettinger. Während der Ministerpräsident sich in der Ehrengastkutsche mit Oberbürgermeister Jürgen Kessing samt Nachwuchs feiern lässt, trotten die Straßenkehrer gut gelaunt hinterher. Sie machen den „Mischt von deene do vorne widder weg“. Das war nicht auf politische Gegebenheiten gemünzt, sondern handfest gemeint. Denn wo Pferde sind, da fallen Pferdeäpfel.
Über 70 Gruppen ziehen an diesem Montagnachmittag nacheinander im Schritttempo durch die historische Innenstadt Bietigheims. Die Zuschauer haben sich teilweise schon lange vor Beginn des Aufmarsches postiert, verteidigen wenn nötig verbal ihre Plätze und werden mit einem äußerst bunten Treiben belohnt.
 Pferdeliebhaber freuen sich an den Pferderassen, die liebevoll geschmückte Festwagen ziehen. Percheron-Schimmel und Schwarzwälder Füchse, Ponys und Pferde vom Friesengestüt gibt es zu bewundern. Historische Fahrzeuge lassen das Herz der Oldtimerfreunde lachen, beispielsweise die Sonderfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Bietigheim Bissingen.
Damit keiner Durst leiden muss, wird von einigen Festwagen aus ein Schlückchen Wein spendiert. So auch beim Gespann der Familie Schillinger aus Gündelbach. Als „Freunde der Schwarzwälder Füchse“ nehmen sie in einem Zigeunerwagen-Nachbau an dem Spektakel teil. Gerhard Schillinger, Vorsitzender der Weingärtnergenossenschaft Horrheim-Gündelbach, teilt mit seinem Team den Rebensaft im Gratisgläschen aus. Seine Schwarzwälder Füchse Roman und Robin stecken den Tumult mit einer Eselsgeduld weg. „Awa, des macht dene nix aus“, sagt Schillinger. Kurz zuvor bugsierte er sein Gespann vom Reitplatz über die Bundesstraße zum Start des Umzugs. Da brachten selbst die größten Laster die beiden Kaltblüter nicht aus der ihnen eigenen Ruhe.
Auch „Tante Helene“ alias Helene Schuhmacher und ihre Ochsenbacher Weiberzeche sind wieder dabei. Zum 24.-mal erinnern die flotten Weiber aus Ochsenbach in Bietigheim an die Eichbaumaffäre. Im Jahr 1799 erdreistete sich der Schultes, den verheirateten Frauen aus dem Dorf ihren von der Stadt spendierten Umtrunk zu streichen. Helene Schuhmacher: „Die Frauen sind mit Axt und Beil raus ins Eichwäldle und haben die schönste Eiche gefällt.“ Der Baum wurde in den Ort und vors Rathaus geschleppt.
 „Wir machen Spächtele und zünden alles an“, sollen die wilden Ochsenbacher Weiber gedroht haben. Derart eingeschüchtert soll der Schultes die Weiberzeche „bis in alle Ewigkeit“ zugesichert haben. Der Brauch geriet jedoch in Vergessenheit. Die Frauen wollten ihre Weiberzeche aber nicht ganz begraben und so ließ sich Schultes Horst Fiedler im Juni zu einer „gebührenden Weiberzeche“ breitschlagen. „Das war ganz toll“, schwärmt Helene Schuhmacher. Mit dem salzigen Hefegebäck Mitschele und Wein halten die Ochsenbacher Weiber das Publikum beim Umzug bei Laune.
Einige Gruppen schenkten ein Gratisschlückchen Wein aus, was manch einen aus dem Publikum zu spontanen Spurts in Richtung Freigetränk veranlasste. Die Übergabe musste schnell erfolgen, denn der bunte Zug war fast ständig in Bewegung.
Und damit die Musiker, die im Festzug zusätzlich für Stimmung sorgten, keine schrägen Töne produzierten, kam aus den Zuschauerreihen schon mal ein laut gerufenes: „Werner, sche im Takt bleiben!“




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