Vaihingen (ub). In drei Wochen sind zwar die Bundestagswahlen, doch die Aktion von Ministerpräsident Günther Oettinger war schon außergewöhnlich. Fast zweieinhalb Stunden besuchte er am Samstag das 35. Vaihinger Straßenfest. „Das nehmen wir gerne als Eigenwerbung mit“, freute sich Michael Eisinger, Vorsitzender des Straßenfestausschusses.
Trotz der frischen Brise am Samstagabend konnten die 58 Teilnehmer des Straßenfestes, davon 34 Vereine, gestern Abend eine positive Bilanz ziehen. Obwohl die Innenstadt nicht immer brechend voll war, gab es sowohl hinsichtlich des Umsatzes als auch des Verlaufs der Großhocketse zufriedene Gesichter. Von den kühleren Temperaturen profitierte beispielsweise das Weindörfle zwischen der „Hermann-Scheuer“ und der Firma Farben-Knapp: „Es war absolutes Weintrinker-Wetter“, so die Standbetreiber. Auch in der Kelter, die der Männergesangverein bewirtschaftete, war richtig was los. „Zu der Musik der Gruppe Smart ist sogar mal wieder getanzt worden“, lobte Vereinschef Manfred Schmalzried.
Bei der Eröffnung des Straßenfestes am Samstagnachmittag auf dem Marktplatz würdigte Ministerpräsident Günther Oettinger die Open-Air-Hocketse als „großartige Tradition“. Das Straßenfest zeige die Kraft der Vereine in der Stadt – „das ist schon fast eine Leistungsschau“. Oettinger ging in seiner Begrüßungsrede auch auf das Partnerschaftsjubiläum zwischen Vaihingen und Köszeg ein. „Die deutsche Einheit ist auch ein Verdienst des kleinen und stolzen Volkes der Ungarn.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg sei es richtig und wegweisend gewesen, Städtepartnerschaften mit Frankreich einzugehen. In den 80er-Jahren wären die Beziehungen zu Osteuropa der richtige Schritt gewesen. Oettinger: „Es ist zu spüren, dass die Partnerschaft zwischen Vaihingen und Köszeg tief in der Bevölkerung verankert ist.“
Der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch bemühte den Blick in den Himmel: „Das Vaihinger Straßenfest steht unter mehreren guten Sternen. Zum einen hat Kachelmann gesagt, dass es das ganze Wochenende nicht regnet, zum anderen ist der Ministerpräsident zu uns gekommen.“ Maisch würdigte das bürgerschaftliche Engagement beim Straßenfest und bedankte sich bei den Anwohnern, die akzeptieren würden, dass bis in die Nacht gefeiert werde.
Beim Fassanstich gewann Maisch unter dem Eindruck der guten Sternen noch eine Wette. Mit zwei Schlägen knackte er souverän das Bierfass. Martin Heidingsfelder, Organisator des Bühnenprogramms, tippte auf „mindestens“ drei Schläge. Jetzt hat der OB ein Bier gut.
Gestern zogen die Mitglieder des Straßenfestausschusses und Vereinsvertreter eine erste Bilanz des Straßenfestes: Die 35. Auflage dürfte dabei als positiv in den Annalen vermerkt werden. Durch die Reihe wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 1 Uhr Schluss gemacht. Probleme bereitete nur der türkische Imbiss am Marktplatz, der auch noch kurz vor 2 Uhr Getränke verkaufte. Eisinger: „So wird unsere Arbeit torpediert.“ Für die DRK-Helfer gab es außer einer kleinen Rangelei vor dem Klowagen in der Auricher Straße keinen Einsatz. Hier musste ein Schlag aufs Auge verarztet werden. Positiv wurde vermerkt, dass das Polizeirevier Vaihingen mit vier Mann Streife auf dem Straßenfest unterwegs war. Eisinger: „Da war unsere Security, die erstmals auch vor Ort war, arbeitslos.“ Lob gab es von den Straßenfest-Machern für den Bauhof der Stadt Vaihingen: „So sauber wie am Sonntagmorgen war der Marktplatz bei einem Straßenfest noch nie“, wurde verkündet.
Angesprochen wurde von den Vereinsvertretern die langen Warteschlangen vor den vier Toilettenwagen. Bei dem Ansturm ging sogar am Samstagabend das Klopapier aus – Nachschub musste in einem Supermarkt beschafft werden. Straßenfestausschuss-Vorsitzender Michael Eisinger: „Wir müssen für nächstes Jahr überlegen, ob wir einen fünften Toilettenwagen aufstellen. Das ist immer noch besser, als wenn die Hauswände bepinkelt werden.“ Angeregt wurde bei der Besprechung, ein einheitliches Pfand auf Flaschen und Gläser einzuführen. Damit sollen Scherben auf den Gassen vermieden werden. Es gibt aber auch andere Beobachtungen – Dietrich Schreek vom Turnverein Vaihingen: „Obwohl wir Pfand verlangen, lassen die Besucher die Gläser auf den Tischen stehen und gehen.“ Oder Michael Bährend vom VfB Vaihingen: „Wir haben Gläser und Flaschen zusammen auf einen Tisch gestellt. Da kam ein Passant vorbei und kippte den Tisch um. Der Mann war nicht einmal betrunken.“
