Donnerstag, 24. Mai 2012

Blockhaus der Superlative




Beim Vor-Ort-Termin am Blockhaus. Foto: Rücker
Beim Vor-Ort-Termin am Blockhaus. Foto: Rücker

Vaihingen (sr). Eine Motorsäge kreischt, der Geruch von Holz liegt in der Luft. Und das nicht etwa im Wald, sondern mitten im Vaihinger Gewerbegebiet Perfekter Standort. Dort entsteht zurzeit ein Blockhaus, das in diesen Dimensionen seinesgleichen sucht. Gestern informierten sich die Förster, aus deren Wald die Stämme kommen, über den Verbleib der hölzernen Schützlinge.
Das einzige, was Marcus Rehschuh theoretisch fürchten würde, wären Termiten. Rehschuh, einer der Geschäftsführer der Firma Gartengestaltung Berendt und Rehschuh mit Sitz in Großglattbach, hat gemeinsam mit seinen Partnern ein Projekt der besonderen Art in Angriff genommen.
 Im Vaihinger Gewerbegebiet Perfekter Standort bauen die Landschaftsgärtner ein Blockhaus, das es in sich hat. Rund 800 Festmeter Weißtanne aus dem Schwarzwald werden bald in dem Gebäude mit einer Grundfläche von 15 mal 25 Meter stecken. Kein Nagel und keine Schraube - außer beim Steinsockel – wird in dem Konstrukt aus runden Holzriesen stecken. 300 Stämme prächtiger Weißtannen werden verbaut sein, wenn im Oktober das Richtfest gefeiert wird. Mit maximal 14 Metern Höhe wird das Blockhaus am Perfekten Standort eines der größten in Deutschland und Umgebung sein.
Wie kommt man auf die Idee, ein derartig großes Blockhaus als Firmengebäude zu errichten? Günter Berendt habe den Traum aus Holz schon lange gehegt, sagt Kompagnon Rehschuh. „Und die Stadt Vaihingen war der Idee gegenüber, für mich überraschend, aufgeschlossen“, so Rehschuh weiter, „es war von Anfang an positive Stimmung.“ In der neuen Betriebshalle werden der Wirtschaftsbereich, Büros und eine Wohnung Platz finden.
Ganz wichtig sei, dass das Holz, sobald es verbaut ist, trocken bleibt, klärt Rehschuh auf: „Wenn man das im Griff hat, dann hält ein Holzhaus ewig.“ Das Holz der Weißtanne bleibt unbehandelt, höchstens mit Chlorbleiche kommen die Baumstämme noch in Berührung. Dann wird es vergrauen, wie manche Ski-Hütte oder Scheune, das sei der natürliche Prozess, erläutert der Landschaftsgärtner.
Ein Aspekt, der nicht unbeachtet bleiben darf, ist die Veränderung des Holzes. Rund sechs bis acht Prozent, bedingt durch die Austrocknung und das Eigengewicht, schrumpft das Holz in den ersten fünf Jahren. Über Türen und Fenstern wird daher mit Schafwolle und Quellband größeren Schäden vorgebeugt. Das Tolle an dem Bau sei, dass man, sobald die Stämme alle sitzen, „außen wie innen fertig ist“, schwärmt Rehschuh.
Die Blockhausbauer, die meist als „Einzelkämpfer“ schaffen, wurden für das Großprojekt aus ganz Deutschland, Österreich und Südtirol zusammengetrommelt. Statiker Professor Gustl Lachenmann aus Vaihingen und Architekt Eberhard Berg aus Kleinglattbach sahen sich bei dem Projekt vor außergewöhnliche Aufgaben gestellt. Lachenmann: „Ich bin begeistert.“
Mit Gesamtkosten von rund 600000 Euro kann das Blockhaus preislich wohl nicht mit einer Stahlkonstruktion konkurrieren. Doch die Liebe zum Blockhaus und der Werbeeffekt für die Firma lassen das verschmerzen. Nicht nur die Landschaftsgärtner, auch die Baumart Weißtanne soll durch das Projekt Aufmerksamkeit erlangen. In dem baden-württembergischen Verein Forum Weißtanne setzen sich beispielsweise Waldbesitzern, Vertretern von Wissenschaft, Forstverwaltung und Kommunalpolitik für die Weißtanne ein. Die Weißtanne sei ein unentbehrlicher, ökologischer Stabilisator unserer Wälder. Durch die zunehmende Globalisierung wurde diese nur regional verbreitete Baumart vom Markt verdrängt. Die Stämme fürs Blockhaus im Perfekten Standort kommen aus Dobel, Enzklösterle und Kaltenbronn. Mindestens 50 Jahre müssen die Tannen auf der Borke haben. 140 Jahre war eine der dicksten Weißtannen alt, die schwersten unter den Stämmen wiegen bis zu 3,3 Tonnen. Das Dach des Blockhauses wird mit 2000 Ballen Stroh isoliert werden. Vor Feuer hat der Landschaftsgärtner aber keine Angst. „Bis der Stamm richtig brennt“, da müsse schon einiges passieren.
Gestern machten sich Förster und Vertreter vom Landratsamt aus dem Enzkreis ein Bild davon, was aus ihren Schwarzwald-Stämmen geworden ist. Die Rinde der Tannen wird übrigens möglichst schnell und vollständig mit dem Hochdruckreiniger entfernt. Dann ist die halbe Miete im Kampf gegen Schädlinge gewonnen. Wie gesagt: Angst hätte Rehschuh lediglich vor hungrigen Termiten




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