Donnerstag, 24. Mai 2012

Nur wenige Hamsterkäufe nach Verbot




Leuchten sollen künftig nur noch Energiesparlampen – herkömmliche Glühbirnen werden nach dem Willen der EU verbannt. Foto: Küppers
Leuchten sollen künftig nur noch Energiesparlampen – herkömmliche Glühbirnen werden nach dem Willen der EU verbannt. Foto: Küppers

Vaihingen (rkü). Die Erfindung der Glühlampe hat im 19. Jahrhundert Industrie und Haushalte revolutioniert – jetzt wird sie abgeschafft. Die EU-Kommission verbannt die Energiefresser aus den Ladenregalen. Obwohl die Kompaktleuchtstofflampe als Nachfolger umstritten ist, gab es Hamsterkäufe nur in beschränktem Umfang.

Mehrere Vaihinger Geschäfte bestätigten gestern auf Nachfrage der VKZ, dass sie bereits auf die neue Ware umgestellt hätten. Beim Baumarkt Bergle hieß es, dass die wenigen alten Glühbirnen an den Hersteller zurückgesendet worden seien und im Geschäft jetzt durchweg moderne Leuchtmittel angeboten würden. Im Kaufhaus Sämann gab es gestern nur noch Restbestände an matten Glühbirnen mit geringer Wattzahl. „100-Watt-Birnen haben wir schon länger keine mehr“, hieß es. Dagegen waren beim Hela-Baumarkt Hamsterkäufe möglich, einige Kunden schoben einen Einkaufswagen voll Glühlampen zum Auto. Darin befand sich dann allerdings mitunter eine bunte Mischung aus Lampen, die es bald nicht mehr geben wird und solchen, die von den EU-Verboten erst in einigen Jahren betroffen sein werden. Zu kompliziert waren wohl die Bestimmungen – oder die Kunden waren zu sehr verunsichert.

Die EU-Richtlinien sehen vor, dass herkömmliche Glühlampen wegen ihres hohen Energieverbrauchs vom Markt verschwinden sollen. Im Gegensatz zu Kompaktleuchtstofflampen, den so genannten Energiesparlampen, wird der eingesetzte Strom in der Glühlampe zum größten Teil in Wärme umgewandelt und nur zu einem sehr geringen Prozentsatz in Licht. Dieses Verhältnis ist bei Halogenlampen schon deutlich besser und bei Kompaktleuchtstofflampen nach heutigem Stand der Technik beinahe optimal.

Die Stadt Vaihingen setzt darum schon längst aufs Energiesparen. „Vor mehr als zehn Jahren haben wir die Glühlampen durch Kompaktleuchtstofflampen ersetzt“, sagt Werner Knauß vom Hochbauamt. Es gebe in den städtischen Gebäuden nur noch ganz wenige dieser alten Leuchtmittel, beispielsweise in Installationsschächten oder an nur sporadisch genutzten stillen Örtchen. Nach den Sommerferien solle geklärt werden, wie viele Glühlampen überhaupt noch in Betrieb sind. In erster Linie werden moderne Leuchtmittel eingesetzt. So wurden beispielsweise bei Bauarbeiten während der Ferien im Lehrerzimmer der Enzweihinger Schule auch die Lampen ausgetauscht. „Alleine der Einsatz von aktueller Technik verringert den Energiebedarf von bisher rund 850 Watt auf nur noch 370 Watt“, sagt Knauß. Matthias Röser (Tiefbauamt) ergänzt, dass die Stadt bei der Weihnachtsbeleuchtung bereits voll auf energiesparende Leuchtmittel setze. „Energiefresser wurden ausgesondert, wir verwenden jetzt Sieben-Watt-Lampen.“

Wenn städtische Kompaktleuchtstofflampen nicht mehr leuchten, werden sie von den Fachbetrieben entsorgt, die sich auch um den Nachschub kümmern. Privathaushalte müssen beachten, dass Energiesparlampen nicht in den Hausmüll gehören. Viel zu hoch ist der Anteil des giftigen Schwermetalls Quecksilber. Fünf Milligramm pro Lampe sind erlaubt. Das ist nicht der einzige Nachteil, den die modernen Leuchtmittel haben. Ihr Licht hat eine andere Farbe als man man von der Glühbirne gewöhnt ist. Zwar hat sich die Technik gegenüber den ersten Energiesparlampen wesentlich geändert, aber die Unterschiede im Licht können große Einflüsse auf den menschlichen Körper haben.

Höhere Blauanteile, die das Lampenlicht dem Tageslicht ähnlich erscheinen lassen, sollen tagsüber die Konzentration bei der Arbeit fördern – im Wohn- oder Schlafzimmer ist dieser Effekt eher unerwünscht. Das Einsparpotenzial an Energie erscheint dagegen sehr verlockend: Eine Kompaktleuchtstofflampe mit einer Leistung von 15 Watt entspricht beinahe der Leuchtkraft einer Glühbirne, die 75 Watt verbraucht. Zwar soll die Leuchtkraft im Lauf der Jahre etwas nachlassen, aber auch eine 60-Watt-Birne zu ersetzen, klingt noch nach einem großen Fortschritt.

Wie lange die jetzt in Kraft getretenen Regelungen Bestand haben, will die EU im Jahr 2014 entscheiden. Dann soll der Plan noch einmal auf den Prüfstand. Zuvor treten jeweils im September noch drei Stufen in Kraft: Nach dem jetzigen Verbot von Glühlampen mit Mattierung oder einer Leistung über 75 Watt folgen Verbote von Glühlampen über 60 Watt (2010), über 40 Watt (2011) und über 10 Watt (2012).




Seitenanfang