Open-Air-Kino war ein voller Erfolg
Vaihingen (sr) - Zehnmal flimmerten bei Anbruch der Dunkelheit auf dem Platz zwischen Ferdinand-Steinbeis-Realschule und Stadthalle in Vaihingen Kinohits über die Leinwand. Nun ist der Zauber schon wieder vorbei. Ein gutes Händchen bei der Auswahl der Filme und optimales Wetter bescherte dem Veranstalter einen Besucherrekord.
Glücklich und etwas erschöpft sitzt Michael Eisinger, dessen Videothek Media-World Veranstalter des Open-Air-Kinos ist, auf einer Bank hinter der Stadthalle. Nur noch wenige Utensilien erinnern an die Besuchermassen, die dort vor kurzem noch Kinohits genießen konnten.
Optimales Wetter und ein glückliches Händchen bei der Filmauswahl brachten Eisinger, der das Freiluftkino in Zusammenarbeit mit dem Kino Bissingen organisierte, einen Besucherrekord ein. Zum dritten Mal in Folge konnten sich Kinofans über das Angebot unter freiem Himmel in Vaihingen freuen. Noch stehen die Besucherzahlen nicht sicher fest, doch Eisinger rechnet in diesem Jahr mit über 3000 Besuchern beim Vaihinger Open-Air-Kino. Damit haben deutlich mehr Cineasten den Weg zur aufblasbaren Leinwand zwischen Stadthalle und Ferdinand-Steinbeis-Realschule in Vaihingen angetreten als beispielsweise 2008. Da sorgte mittelmäßiges Wetter für viele leere Stühle zwischen den rund 1800 Besuchern.
In diesem Jahr dagegen brachten unter anderem drei ausverkaufte Veranstaltungen Freude unter die Organisatoren. „Slumdog Millionaire“, „Willkommen bei den Sch’tis“ und als Finale am Sonntag „Ice Age 3“ lockten jeweils über 500 Menschen zum Gucken unterm Sternenhimmel. Die „Sch’tis“ wurden für diejenigen, die keinen Platz mehr erhaschen konnten, sogar in einer Spätvorstellung nochmal gezeigt. Bei diesem Film sei der große Andrang absehbar gewesen, sagt Eisinger. „Harry Potter 6“ dagegen hätten sich nur 200 Leute angesehen, was für Eisinger nicht ganz nachvollziehbar ist: „Da haben wir mit wesentlich mehr gerechnet.“ Möglicherweise handle es sich bei der Zielgruppe nicht unbedingt um Kinogänger.
Einige der Streifen schafften es wiederum, dem Publikum Applaus zu entlocken. „Willkommen bei den Sch’tis“, „Benjamin Button“ und „Der Vorleser“ waren darunter. Das sind zumindest die beklatschten Filme, an die sich Eisinger erinnert. Mögliche Gedächtnislücken nicht ausgeschlossen, denn der 37-Jährige verbrachte die letzten Tagen im Dauerstress. Trotzdem sagt der Media-World-Chef: „Das sind die schönsten zehn Arbeitstage des Jahres.“ Nach den Vorstellungen war für die Macher noch lange nicht Feierabend. Aufräumen und Organisatorisches erledigen standen auf dem Plan. Auch die aufblasbare Leinwand musste Tag für Tag neu auf- und abgebaut werden. Eisinger: „Ich bin um drei Uhr ins Bett.“ Wenige Stunden später musste wieder eingekauft und -geräumt werden. Bestandslisten erstellen, den Platz aufräumen und Stühle ausrichten, dieses und jenes füllten die Stunden, dann kamen auch schon wieder die ersten Kinogäste.
Die persönliche Nähe zum Publikum, die tolle Atmosphäre, das macht für Eisinger das Besondere beim Vaihinger Sommerkino aus. Lohn der Arbeit und der Mühe ist nicht zuletzt, „wenn die Leute rausgehen und sagen, dass sie morgen wiederkommen oder wie schön es war“. Die eine oder andere Beschwerde über einen zu lauten Ton oder zu warmen Prosecco kann der Kino-Macher verschmerzen: „Das gibt’s, glaube ich, immer.“
Insgesamt seien er und sein Team stetig um Verbesserung bemüht. Und so zerbrach man sich im Vorfeld den Kopf darüber, wie mehr Männer ins Kino zu locken wären und was für den weiblichen Großteil des Publikums als kulinarische Besonderheit angeboten werden könnte. Mit dem Kino-Streifen „Grand Torino“ wurden dann tatsächlich die Herren der Schöpfung aus der Deckung gelockt. Und der Gemüse-Spieß entwickelte sich zum Renner an den Theken.
Da die Bewirtung der Gäste in Eigenregie erfolgte, wurstelte ein Heer von Verwandten und Freunden im Hintergrund des Open-Air-Kinos. Rund dreieinhalb Stunden pro Kinoabend schnippelte und portionierte Brigitte Hüeber aus Enzweihingen Gemüse. Die Mutter von Eisingers Lebensgefährtin bescheiden: „Das war kein Problem.“ Geschwister schwitzten am Grill, Mama Eisinger zauberte Bowle und Käseteller. „Sie haben mich alle in einer wahnsinnigen Weise unterstützt“, freut sich Michael Eisinger. Und auch etliche Sponsoren hätten sich nicht lumpen lassen. Die Palmen für das gute Flair auf dem Platz wurden kostenlos zur Verfügung gestellt, ein Schwung Gemüse gesponsert...
Bei dieser positiven Endbilanz wundert es nicht, wenn Eisinger sagt, dass es im nächsten Jahr von ihm aus wieder ein Open-Air-Kino geben wird. Einer der Filme, die dann das Publikum entzücken sollen, steht auch schon fest: „Zweiohrküken“, der Nachfolger von „Keinohrhasen“ mit Til Schweiger.
Damit es Michael Eisinger bis dahin nicht langweilig wird, geht der Stress gleich weiter: Eisinger ist Vorsitzender des Vaihinger Straßenfestausschusses. Und das findet bekanntermaßen am kommenden Wochenende statt.
