Horrheim (aa) – Darf’s ein Gläschen Sekt sein? Diese Frage bekommt man auf einer Mülldeponie normalerweise nicht gestellt. Da wird bei den Besuchern allenfalls nach der Abfallkarte gefragt. Doch zur 30-Jahr-Feier des Horrheimer Burghofs wurde von den Gästen dann schon mal angestoßen und an eine Erfolgsgeschichte erinnert. Und oben am „Feldherrenhügel“ ließen die Kinder Drachen steigen.
Landrats-Vize Dr. Utz Remlinger – er ist auch Geschäftsführer der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises (AVL) drückte sich vorsichtig aus: „Vor 30 Jahren sind nicht alle in Begeisterungsstürme ausgebrochen, als die Deponie in Betrieb ging.“ Es gab in der Tat eine heftige Gegenwehr im Mettertal. Der Deponiebetrieb konnte 1978 erst zweieinhalb Jahr nach der Genehmigung aufgenommen werden. Längst herrsche allerdings ein gutes Einvernehmen, unterstrich der AVL-Geschäftsführer, man tausche sich mit dem „Kommunalen Müllausschuss“ der Stadt Vaihingen „unaufgeregt“ aus. Man arbeite konstruktiv und in der Regel einvernehmlich zusammen. Von den Ortsvorstehern aus Horrheim und Gündelbach, Stefan Wasserbäch und Thomas Fritzlar, kam da kein Protest. Der „Burghof“ gehört inzwischen dazu; er ist auch ein Arbeitsplatz für Bürger aus den Stadtteilen. Und seitdem kein Restmüll mehr abgelagert werden darf, hat sich die Zahl der Lkw-Fahrten deutlich reduziert. Auch über die Geruchsbelästigung kann inzwischen nicht mehr geklagt werden.
Etliche Kreisräte aus der Geburtsphase der Deponie wollten am Samstag sehen, was aus dem „Burghof“ geworden ist. Etwa „Altmeister“ Manfred Läpple, Ex-Bürgermeister von Oberstenfeld oder Peter Huber aus Hemmingen. Für Adolf Allmendinger (Eberdingen) oder Rainer Gessler (Markgröningen) war es selbstverständlich, dass sie dabei waren. Sie haben in Sachen Abfall in ihren Fraktionen, CDU und Freie Wähler, den Sachverstand und viele Entwicklungen mitgemacht. Selbst Enzkreis-Umweltdezernent Karl-Heinz Zeller schaute über die Grenze. Und Ministerpräsident Günther Oettinger hatte eine Grußbotschaft geschickt.
„Wir müssen bei der AVL weiterdenken, vorausdenken, offen sein für neue Ideen“, unterstrich Utz Remlinger. Und man sei jederzeit auch offen für Ratschläge. In Horrheim sei man von Anfang an neue Wege gegangen, habe zum Beispiel europaweit die erste Großumschlagstation gebaut.
Die Dimensionen des Betriebsgeländes sind enorm: 56 Hektar sind eingezäunt, die Ablagerungsfläche ist 43 Hektar groß, zurzeit sind rund 25 Hektar erschlossen, die nach dem jetzigen Stand der Dinge von etwa zwölf Jahre ausreichen. Die Straßen und Wege auf der Deponie sind sieben Kilometer lang. „Da haben wir lieber Busse bestellt“, meinte Remlinger, „doch wer gut zu Fuß ist, darf gerne wandern.“ Es gebe auf dem „Burghof“ nichts zu verstecken. Vor allem auch keinen Hausmüll aus Italien. Man nehme allenfalls zum Beispiel Eternit-Platten oder asbestbelasteten Bodenaushub an – gegen einen guten Preis.
Die Angebote beim Tag der offenen Tür hatten fast den Charakter einer Messe. Der AVL-Technik-Abteilungsleiter Albrecht Tschackert und seine Mannschaft wollten etwas bieten, zeigen, dass sie mit dem „Burghof“ in der ersten Deponieliga des Landes mitspielen. Da war der Häckselzug der AVL im Einsatz, es wurde über Biomasse-Brennstoffe und Grünflächenpflege informiert, die Deponiegasverwertung war ein Thema oder die Kanalreinigung und TV-Befahrung. Die Besucher erfuhren, was aktuell gebaut wird, welche Sicherungsmaßnahmen nötig sind oder wie das Sickerwasser gereinigt wird.
Und wohl niemand wollte sich den Besuch des „Feldherrenhügels“ ganz oben am Waldrand entgehen lassen – mit den Shuttle-Bussen, die sogar bei der Haltestelle Seewaldseen Besucher einsammelten - ging das ganz komfortabel. Und oben wehte dann auch ein leichter Wind für die Drachen, die unten an die Kinder verschenkt worden waren.
Waren die AVL-Veranstalter zufrieden mit der Resonanz? Deponieleiter Peter Maier und sein Chef Albrecht Tschackert sprechen von 1200 bis 1500 Gästen. Im Vorfeld hatte man zwar mit bis zu 3000
Menschen gerechnet und die Landfrauen sowie den Orchesterverein Horrheim vorgewarnt. „Die Mühen haben sich durchaus gelohnt“, meint Tschackert, „die Besucher waren überrascht, wie komplex die Deponie ist und zeigten sich sehr interessiert.“ Dass es jetzt nicht nach einem Massenansturm aussah, hat natürlich auch eine Begründung in der Weitläufigkeit des Geländes.
