Vaihingen (sr) – Eine der bundesweit rund 500 Veranstaltungen zum Deutschen Weiterbildungstag fand gestern auf Schloss Kaltenstein statt. Auszubildende des CJD Jugenddorfes Schloss Kaltenstein präsentierten zum Motto „Die Zukunft im Blick“ ihre Berufe und schickten Luftballons mit Praktikumswünschen in den Vaihinger Himmel.
Ein bisschen Bammel hatte Ausbildungsmeister Horst Friedrich gestern schon. Seine Schützlinge sollten ihren Beruf, Elektroniker im Fachbereich Energie- und Gebäudetechnik, auf der Bühne der Aula im CJD Jugenddorf Schloss Kaltenstein vorstellen. „Ich hab’ ja nicht gewusst was kommt“, gesteht Friedrich, mittlerweile erleichtert. Denn die zwei Lehrlinge, die erst seit wenigen Tagen beim Jugenddorf sind, haben die Präsentation mit Bravour hinter sich gebracht.
Zirka 300 Auszubildende und Teilnehmer an berufsvorbereitenden Maßnahmen des Jugenddorfs sowie rund 80 Mitarbeiter des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschland (CJD) lauschten gestern 50 Schloss-Neulingen, die erst seit kurzem eine Berufsausbildung beim CJD absolvieren. Sieben Berufsfelder wurden dabei von den „Kaltenstein-Küken“ präsentiert. Friseure, Azubis aus dem Gastro-Bereich, Maler und Lackierer sowie Lehrlinge des Metallbereichs, die angehenden Schreiner, Bürokaufleute und Elektroniker profilierten sich auf der Bühne. Das Berufsbild sowie die Fortbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten wurden dem Publikum vorgestellt.
Das Motto im Schloss lautete gestern „Die Zukunft im Blick“ und Jugenddorfleiter Klaus-Dieter Drensek betonte, dass alle Zuhörer davon angesprochen seien. Die Lehrlinge, die ihre Ausbildung noch vor sich haben, diejenigen, die bald eine Arbeitsstelle suchen, „aber auch die Mitarbeiter, die sich qualifizieren, um eine gute Ausbildung anzubieten“. Persönlich bedeute das Motto für Drensek, eine gute Planung für die Mitarbeiter und Auszubildenden zu leisten und eine Zukunft zu schaffen, in der Maßnahmen Bestand haben.
Beim zweiten bundesweiten Deutschen Weiterbildungstag fanden gestern an 350 Orten mehr als 500 Veranstaltungen statt. Der Deutsche Weiterbildungstag ist eine Initiative des Bundesverbandes der Träger Beruflicher Bildung und des deutschen Volkshochschul-Verbandes in Kooperation mit vielen weiteren Partnern der Branche. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels und nach wie vor sinkender Ausgaben für Aus- und Weiterbildung soll er auf die Bedeutung von Weiterbildung und lebenslangem Lernen hinweisen.
Mit Kärtchen, die an den Luftballons in die Weite des Vaihinger Luftraums entlassen wurden, wollen die Auszubildenden des Jugenddorfs Praktikumsplätze an Land ziehen. „300 Auszubildende suchen einen Praktikumsplatz“ steht auf den Karten und die Firmen animieren sollen, sich bei den Absendern zu melden. „Erfahrungen in der freien Wirtschaft zu sammeln ist wichtig“, sagt Sozialpädagoge Dominik Weber, Mit-Koordinator der Aktion. „Oft werden die jungen Leute nach einem Praktikum später von dem Betrieb übernommen“, erläutert Weber.
Oberbürgermeister Gerd Maisch setzte den Startschuss für die Reise der ballonförmigen Hoffnungsträger in Weiß und hatte vorher noch einige Worte an das Auditorium gerichtet. „Individuen bedürfen individueller Förderung“, so Maisch, „die Verdienste des CJD kann man in diesem Zusammenhang gar nicht genug herausstellen.“ Baden-Württemberg biete als modernstes Bildungsland eine hervorragende Ausgangsposition in Sachen Arbeit und Beschäftigung von Jugendlichen. Allerdings dürfe man sich darauf nicht ausruhen, sondern solle Kraft schöpfen und aktiv werden, wo Probleme und Schwachstellen bestehen. Mit einem Zitat von Benjamin Franklin beendete der OB seine Ansprache an die Jugend: „Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen – diese Wahrheit trifft in unserer heutigen Gesellschaft noch stärker zu als früher.“
Lust auf Wissen und Lernen scheinen die jungen Leute im Jugenddorf zu haben: Norman Schleicher, der gerade seine Lehre als Elektroniker angetreten und die Super-Präsentation hinter sich gebracht hat, heischt von Ausbildungsmeister Friedrich ein dickes Lob ein. Der Teenager findet es „hier toll, man lernt hier mehr als im normalen Ausbildungsbetrieb“. Der 15-Jährige, der schon als Knilch im Kinderheim dem Hauselektriker zur Hand ging, schwärmt vor allem für die sogenannte EIB-Technik. Schleicher: „Da kann man von einem Punkt aus ein komplettes Haus steuern“ , und seine Augen glänzen bei dem Thema Gebäudeautomation.
Auch bei den Einsteigern in den Friseurberuf herrscht gute Stimmung. Maria Luchter und Patrick Falk freuen sich, dass sie schon in den ersten paar Tagen auf dem Schloss einiges selbstständig machen durften. Die 19-jährige Luchter war schon ein Jahr lang bei einem Friseur, dort sei aber wenig Zeit zum Lernen gewesen. Sharon Krasniqi, mit 22 Jahren die „Klassenoma“ der Friseurneulinge, hat sich für die Präsentation mit einer Zeichnung ins Zeug gelegt. „La belle poule – Das schöne Huhn“ heißt die abgebildete Frisur, die Marie Antionette im 18. Jahrhundert getragen haben soll. Man lernt eben nie aus.
