Donnerstag, 24. Mai 2012

Bürgerversammlung in Ensingen


Bürgerversammlung im Kleintierzüchterheim in Ensingen. Foto: Bögel
Bürgerversammlung im Kleintierzüchterheim in Ensingen. Foto: Bögel

Ensingen (ub) – Am Mittwochabend wird es für Ensingen spannend: Hebt der Gemeinderat die Veränderungssperre für das Gebiet „Herrenwiesen“ auf? Vor der Sommerpause, als es um die Beibehaltung dieses Verwaltungsinstruments ging, gab es eine Patt-Situation. Ein Bauantrag über einen Netto-Markt an der Ecke Herrenwiesen/Kleinglattbacher Straße mit einer Fläche von 700 Quadratmetern liegt bei den Behörden bereits auf dem Tisch.
Die leidenschaftliche Kontroverse um die künftige Versorgung von Ensingen war auch Thema bei der Bürgerversammlung am Freitagabend im Kleintierzüchterheim. Vor rund 100 Besuchern – einen freien Stuhl gab es bereits fünf Minuten vor Beginn nicht mehr – warb Oberbürgermeister Gerd Maisch noch einmal für die Linie der Verwaltung: „Wir halten einen Netto-Markt in den Herrenwiesen für den falschen Weg. Unser Ziel ist es, die Ortskerne zu stärken und die Kaufkraft an die richtige Stelle zu lenken.“ Demgegenüber stehen der Beschluss des Ortschaftsrates für einen Verbrauchermarkt am Ortseingang und eine Bürgerinitiative, die sich gegen die Ansiedlung eines kleineren Marktes in der Kelter aussprach. Maisch: „Klar ist, dass eine Einkaufsgelegenheit in der Kelter in absehbarer Zeit nicht durchsetzbar ist.“ Der Verwaltungschef brachte den alten Friedhof ins Gespräch, der bereits im Entwicklungskonzept 2005 als möglicher Standort für einen Verbrauchermarkt vorgesehen war.
Bei der Bürgerversammlung wurde in der zweieinhalbstündigen Debatte moniert, dass die Ortsmitte in Ensingen sowieso nicht mehr lebe und die Kaufkraft zum großen Teil nach Illingen abfließe. „Wenn man um 17 Uhr nach Vaihingen reinkommt, ist dies auch eine tote Stadt, weil alle beim Einkaufen in den Supermärkten draußen sind“, sagte ein Bürger. Maisch: „Das ist ja gerade die Fehlentwicklung, die wir korrigieren wollen.“ Als positives Beispiel für die Stärkung des Ortskernes wurde der CAP-Markt in Hessigheim (wie Ensingen knapp über 2500 Einwohner) genannt – „das funktioniert dort prächtig“. Maisch: „Wenn der Netto-Markt kommt, befürchte ich eine Schließung der vorhandenen Einzelhandelsgeschäfte im Ortskern.“
Auf Nachfrage auch eine klare Ansage des Oberbürgermeisters zur Entwicklung des Gewerbegebiets „Perfekter Standort“. Ein dritter Logistiker scheint immer wahrscheinlicher zu werden, wenn es um die Großfläche von rund elf Hektar im nördlichen Bereich des Gewerbegebiets geht – Maisch: „Wir verkaufen nur an einen Betrieb, der den Gleisanschluss auch nutzt.“ Und nur ein Logistiker oder der Stahlgroßhandel hätten die nötigen Umschläge, damit ein Schienenanschluss auch wirtschaftlich geführt werden kann.
Bei der Bürgerversammlung betonten OB Maisch und Bürgermeister Wilfried Nestle, dass man beim „Perfekten Standort“ bewusst auf große Flächen gesetzt habe. Zehn Firmen sind mittlerweile auf dem Gewerbegebiet auf Ensinger Markung. Maisch zog dabei auch den Vergleich zum Gewerbepark Eichwald: Hier biete Porsche auf 26 Hektar nur 300 Arbeitsplätze an. „Aber hier scheint Logistik etwas anderes zu sein, nur weil Porsche auf dem Schild steht.“
Das Verkehrsaufkommen bezeichnete die Verwaltungsspitze bei der Bürgerversammlung durch Logistiker auch nicht höher als durch gut gehende Firmen aus anderen Branchen. Maisch: „Der Lkw-Anteil ist bei anderen Firmen vielleicht geringer, aber das absolute Verkehrsaufkommen ist gleich.“ Man könne sich als regional bedeutsames Gewerbegebiet nicht den Entwicklungen des Marktes verschließen.
Jürgen Liegmann, Stadtkämmerer und zusammen mit Wirtschaftsförderer Thorsten Leupold Geschäftsführer der Interkommunalen Grundstücks- und Projektgesellschaft „Perfekter Standort“ mbH, sagte am Freitagabend, dass man nach wie vor auf der Suche nach mittelständischen Unternehmen sei. „Wir lassen da nicht locker, wenn es auch ganz klar Abwerbung bei anderen Kommunen ist.“ Durch die Neuansiedlungen der Betriebe – seit Mitte 2007 wurden 13,3 Hektar Fläche verkauft (siehe auch VKZ vom 6. September) – sei der wirtschaftliche Druck zum Verkaufen gewaltig zurückgegangen.

 

Ensingen (ub) – Vor acht Jahren fand die letzte Bürgerversammlung in Ensingen statt. Kein Wunder, dass es am Freitagabend im Kleintierzüchterheim ein volles Haus gab. Ortsvorsteher Werner Rohloff skizzierte die Wünsche des Ortschaftsrates.So soll 2009 die Fassade des Ensinger Rathauses gründlich saniert werden. „Eine Maßnahme, die schon seit Jahren auf der Liste des Ortschaftsrates steht“, so Rohloff. Bei der Bürgerversammlung forderte der Ortsvorsteher eine Neuordnung des Häckselplatzes an der Straße nach Horrheim. „Auch sollte der Parkplatz für Wanderer und Besucher der Eselsburg neu gestaltet werden. In diesem Zustand ist er kein Aushängeschild für eine Stadt, die für Touristen attraktiv sein will.“Auf der Liste des Ortschaftsrates stehe seit längerem auch die Umgestaltung der Kreuzung Herrenwiesen/Kleinglattbacher Straße/Mergenthalerstraße. So müsse die Straße Herrenwiesen in Richtung Kleinglattbach Vorfahrtsstraße werden, damit der überörtliche Verkehr so gelenkt wird, dass Ensingen umfahren werde. „Leider hat das Regierungspräsidium einen Umbau abgelehnt, da die Kreuzung kein Unfallschwerpunkt und das Verkehrsaufkommen zu gering sei.“Rohloff weiter: „Für Unmut sorgt häufig das Verhalten von Verkehrsteilnehmern in der Illinger Straße und der Kleinglattbacher Straße. Hier gilt Tempo 50. Leider wird häufig schneller gefahren.“ Zudem seien es die Zufahrtsstraßen für das Illinger Gewerbegebiet Schweichling, aber auch Abkürzungen für Lastwagen in und aus Richtung Pforzheim. Auch werde vom Ortschaftsrat gefordert, auf den beiden Straßen die Tonnage auf 7,5 Tonnen zu beschränken. Diese Forderung, die auch bei der Aussprache noch einmal bekräftigt wurde, musste der Vaihinger Bürgermeister Wilfried Nestle abwinken. „Wir haben das schon mehrfach versucht, aber das Regierungspräsidium sagt nein.“ Bei klassifizierten Straßen seien für eine Durchfahrtsbeschränkung für Lastwagen eine Umfahrung, das nötige Verkehrsaufkommen und der Lärm klare Bedingungen.Stellung nahm Rohloff in seiner Rede auch zur geplanten Einrichtung eines Verbrauchermarktes in der Kelter und die Ansiedlung eines Netto-Marktes in den Herrenwiesen: „Der Ensinger Ortschaftsrat hatte einstimmig gegen die Einrichtung eines solchen Marktes in der Kelter votiert und sich ebenfalls einstimmig für die Ansiedlung eines Netto-Marktes in den Herrenwiesen ausgesprochen. Inzwischen hat der Gemeinderat beschlossen, die Einrichtung eines Verbrauchermarktes in der Kelter nicht weiter zu verfolgen. Beim Netto-Markt ist die Entscheidung noch offen.“ Der Ensinger Ortschaftsrat sei nach wie vor der Ansicht, dass ein Netto-Markt mit seinen 700 Quadratmetern Verkaufsfläche in den Herrenwiesen die Nahversorgung in Ensingen auch für die Zukunft sichern würde. Er wäre nur 400 Meter vom Zentrum entfernt und das Wohngebiet „Kleines Feldle“ läge genau gegenüber. Rohloff: „Der Netto-Markt in den Herrenwiesen würde dazu führen, dass wieder mehr in Ensingen und weniger auswärts eingekauft wird.“ Die Stadtverwaltung berufe sich bei ihrer ablehnenden Haltung auf das vom Gemeinderat vor zwei Jahren beschlossene Einzelhandelsgutachten. Nach Meinung des Ortschaftsrates lasse das Einzelhandelsgutachten jedoch die Ansiedlung eines Netto-Marktes in den Herrenwiesen zu.


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