Sersheim (ub) – Die Ansage in Richtung Vaihingen als Untere Verkehrsbehörde ist deutlich: Die Gemeinde Sersheim will eine Durchfahrtsbeschränkung für den Lastwagen-Verkehr in der Oberriexinger Straße. „Das müssen wir auf jeden Fall weiter verfolgen“, sagte am Donnerstagabend bei der Gemeinderatssitzung Bürgermeister Jürgen Scholz. Argumente liefert eine aktuelle Verkehrsuntersuchung.
Trotz der Umgehungsstraße Sachsenheim/Sersheim tuckern immer noch Lastwagen durch den Ort. „Es kann nicht sein, dass sich Brummis durch die Bahnhofstraße quälen“, klagte Scholz. Ähnliche Stimmen auch von den Gemeinderäten. Bastian Zeeb (UBS): „Es ist ein klares Signal, dass wir die Lastwagen rausbekommen müssen.“ Fraktionskollege Reinhard Gantenbein: „Der Verkehrsdruck auf Sersheim wird zunehmen. Innerörtlich müssen wir da etwas machen.“ Als störend werden vor allem die Verkehre auf der Oberriexinger und Horrheimer Straße empfunden. In Richtung Horrheim hat die Umgehungsstraße nach den aktuellen Erhebungen gar keine Entlastung gebracht.
In der Sitzung des Gemeinderats stellte Professor Dr. Dieter Maurmaier vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Kornwestheim die Verkehrsuntersuchung vor. Die Auftragsvorgabe: Wie hat sich die Freigabe der Umgehungsstraße vor zwei Jahren auf den innerörtlichen Verkehr in Sersheim ausgewirkt? Von den Experten wurden im Juni 6400 Fahrzeuge in 24 Stunden in der Vaihinger Straße (West) gezählt, davon 5,7 Prozent Schwerlastverkehr. In der Vaihinger Straße (Ost) waren es 4550 Fahrzeuge, davon 4,4 Prozent Brummis. In der Horrheimer Straße ermittelten die Fachleute mit Hilfe von Kleinglattbacher Schülern 4600 Fahrzeuge, davon 4,3 Prozent Lastwagen; in der Sedanstraße waren es 3550 Fahrzeuge mit 2,3 Prozent Schwerlastverkehr.
Klar ist, dass durch die Umgehungsstraße der Verkehr in Sersheim deutlich zurückgegangen ist. In der Ortsdurchfahrt im Zuge der L 1125 bewegt sich dieser Rückgang bezogen auf das Jahr 1996 bei 40 bis 50 Prozent, bezogen auf die Prognose 2010 sogar 50 bis 60 Prozent. Auch im Straßenzug Oberriexinger Straße – Bahnhofstraße – Sedanstraße werden deutliche Rückgänge beobachtet, bezogen auf 1996 15 bis 25 Prozent und bezogen auf 2010 rund 40 bis 50 Prozent. Nur in der Horrheimer Straße gab es gegenüber 1996 keinen Verkehrsrückgang, dort wurden knapp zehn Prozent mehr Fahrzeuge ermittelt und die Belastung entspricht recht genau derjenigen von 2000. Der Straßenzug Großsachsenheimer Straße – Vaihinger Straße (Ost) – Horrheimer Straße weist deutlich höhere Verkehrsmengen auf als berechnet. Maurmaiers Fazit: „Offenbar ist es nicht gelungen, die Verkehrsströme der Beziehung Sachsenheim – Horrheim in großem Umfang auf die Umgehungsstraße und auf die Kreisstraße 1682 von Kleinglattbach nach Horrheim zu verlagern.“
Die Auswertungen der Kennzeichenerfassung und der Knotenstromzählungen ergaben für die Relation Sachsenheim nach Vaihingen auf der Landesstraße 1125 1700 Fahrten in vier Stunden, wobei 1350 oder 80 Prozent die Umgehung und 350 Fahrten oder 20 Prozent die alte Ortsdurchfahrt von Sersheim benutzen. Maurmaier: „Wir werden wohl nicht schaffen, den letzten auf die Umgehung zu bringen.“ Das maximale Potenzial, das noch auf die Umgehung verlagert werden könnte, sieht der Planer bei 170 Fahrten.
Auf der Landesstraße 1131 zwischen Sachsenheim und Horrheim wurden 610 Fahrten registriert, aber nur 33 Prozent nutzen die Umgehung und 67 Prozent fahren durch den Ort. Maurmaier: „Das Ziel wäre hier 50:50, was 100 Fahrten Verlagerung bedeuten würde. Das wird aber nur gehen, wenn die Kreisstraße von Kleinglattbach nach Horrheim aufgewertet wird.“
Zu dem geplanten Durchfahrtsverbot für den Schwerverkehr ermittelte das Kornwestheimer Büro, dass zwischen 6 und 22 Uhr 250 Lastwagen unterwegs sind. Aufgrund unterschiedlicher Gesamtbelastungen bedeutet dies ein Anteil von 5,7 Prozent auf der Vaihinger Straße (West) und etwa 4,4 Prozent auf der Vaihinger Straße (Ost). Dieser Schwerverkehr sei nur teilweise auf die Umgehung verlagerbar, da er auch Ziele in Sersheim ansteuere. Maurmaier rechnet mit Verlagerungspotenzialen von 40 Prozent bei Lastwagen und 60 Prozent bei Lastzügen. In der Summe entspreche dies 100 Fahrzeuge in 24 Stunden. „Bezogen auf die Gesamtbelastung ist dies nur 1,5 bis 2 Prozent der Fahrzeuge. Dies ist zwar nur ein kleiner Anteil, allerdings sind es besonders belastende Fahrzeuge.“
