Region: Flächenbedarf falsch kalkuliert
Vaihingen – Der regionale Planungsausschuss hat der Fortschreibung des Flächennutzungsplans der Verwaltungsgemeinschaft Vaihingen eine Absage erteilt. Über die Entscheidung ist man in Vaihingen verblüfft. Zur Berechnung des Flächenbedarfs wurden unterschiedliche Zahlen als Grundlagen verwendet.
Der Flächennutzungsplan (FNP) der Verwaltungsgemeinschaft Vaihingen, Oberriexingen, Eberdingen und Sersheim wurde in dieser Woche vom Verband Region Stuttgart in Augenschein genommen. Der Planungsausschuss kam zu einem Ergebnis, über das man sich in Vaihingen wundert: „Wir können dem Flächennutzungsplan in der jetzigen Form nicht zustimmen“, sagt Thomas Kiwitt, der Technische Direktor des Regionalverbands.
Der Flächenbedarf, den die vier Kommunen bis zum Jahr 2020 kalkuliert haben, sei bei weitem zu hoch. Die Verwaltungsgemeinschaft geht davon aus, dass 71 Hektar Wohnbaufläche benötigt werden. Die Region meint, dass 33 Hektar vollkommen ausreichen.
Ebenfalls zu hoch sei die Zuwanderungsquote für die kommenden zwölf Jahre bemessen. Die Stadt Vaihingen rechnet damit, dass pro Jahr 120 Bewohner zuziehen. Die Region setzt unterdessen auf die Zahlen des Statistischen Landesamtes: Dort geht man von 70 Zuzügen jährlich aus. Die Zahl aus Vaihingen sei zu optimistisch und nicht ausreichend begründet, heißt es bei der Region Stuttgart.
„Das ist beinahe eine Verdopplung unserer Zahlen und keine gültige Größe für die Bestimmung des Flächenbedarfs“, so Kiwitt. Mit der Verdopplung der Zahl der Zuzüge werde schließlich auch der Flächenbedarf fast verdoppelt – und das müsse dann nachvollziehbar begründet werden.
Fakt ist, dass Verwaltungsgemeinschaft und Region zwei unterschiedliche Rechnungen aufgestellt haben: Die Kommunen gehen nach der Einwohnerzahl, die Region rechnet mit Wohneinheiten. Die unterschiedlichen Rechenvarianten wurden im Gemeinderat bereits im Vorfeld thematisiert. Die statistische Faustregel besagt, dass in einer Wohneinheit 2,1 Bewohner leben. Für Vaihingen gilt jedoch eine andere Zahl: hier wohnen im Schnitt 2,3 Personen in einer Einheit. Geht man – wie der Planungsausschuss – davon aus, dass zu den 12260 Vaihinger Wohneinheiten, die im Jahr 2005 gezählt wurden, 600 hinzu kommen, dann ergibt sich für das Jahr 2020 eine Bevölkerungszahl von 27006. „Das kann nicht stimmen, denn das würde bedeuten, dass wir 1900 Bewohner weniger als jetzt hätten“, sagt Vaihingens Stadtplaner Ernst Loos. Er geht davon aus, dass die Einwohnerzahl auf mehr als 30000 ansteigt.
„Mir ist nicht ganz klar, wie der Planungsausschuss gerechnet hat“, sagt Loos. Nur eines ist ihm klar: „Wir brauchen die zusätzlichen Wohnbauflächen, wenn die Stadt weiter wachsen soll.“ Dass im Jahr 120 Menschen zuziehen, hält er für realistisch. Und selbst das Statistische Landesamt ging vor knapp sieben Jahren noch davon aus, dass sich die Anzahl der jährlichen Zuzüge in Vaihingen auf 220 beläuft. Diese Zahl wurde damals auf Empfehlung der Stadt nach unten korrigiert. „Die jetzige Zahl ist völlig realitätsfern“, sagt Loos. In den vergangenen 10 bis 20 Jahren seien im Durchschnitt pro Jahr 160 Menschen zugezogen.
Vorgeworfen wird der Verwaltungsgemeinschaft Vaihingen auch, dass vorhandene Flächen zu wenig bebaut werden. Die Gemeinschaft ist der Meinung, dass nur 50 Prozent der Flächen bebaut werden können. Doch diese Zahl ist dem Chefplaner der Region zu gering. „Das ist eine pessimistische Planung.“ Außerdem würde der neue Flächennutzungsplan zum Teil in den Naturschutz eingreifen. Der Naturschutzproblematik ist man sich in Vaihingen jedoch durchaus bewusst. „Wir müssen in Landschaftsschutzgebiete vordringen, viele andere Flächen gibt es nicht mehr“, sagt Loos gegenüber der Vaihinger Kreiszeitung.
Wie es mit dem Flächennutzungsplan jetzt weitergeht, weiß niemand so genau. Der Verband Region Stuttgart will mit den vier Kommunen das Gespräch suchen. Es soll nach Lösungsansätzen gesucht werden. Allerdings nicht auf der Grundlage des aktuellen Flächennutzungsplanentwurfs. Setzt sich die Region beim Regierungspräsidium, das die Fortschreibung genehmigen muss, mit ihrer Kalkulation über 33 Hektar durch, sieht Loos sich einem Problem ausgesetzt: „Wir bekommen dann keine neuen Flächen, weil diese Hektarzahl bereits in den alten Flächennutzungsplan eingerechnet ist.“
Philipp-Marc Schmid
