Diefenbach – Unzählige Kinder und Jugendliche verbringen jährlich einen Teil ihrer Freizeit in den Jugendhäusern des Füllmenbacher Hofs. Jetzt wird das 40-jährige Bestehen der Freizeitanlage gefeiert. Nicht weit davon entfernt lebten bereits im 12. Jahrhundert die ersten Menschen.
Tief im Wald zwischen Zaisersweiher und Diefenbach fernab von Verkehr und Großstadtlärm liegt eine kleine verfallene Siedlung. Vor etwa 900 Jahren haben dort die ersten Menschen gelebt und gearbeitet. Die Bauernhöfe gehörten einem gewissen Vilemo. So ist es in den Archiven und den Chroniken, die die Geschichte des Füllmenbacher Hofs bei Diefenbach dokumentieren, verzeichnet.
Übersetzt wird der Name Vilemo oft mit vielmutig. Seinen Namen hat dieser Mann wörtlich genommen: „Es war schon mutig, zu dieser Zeit mitten in der Wildnis den Wald zu roden und eine Siedlung anzulegen“, sagt Michael Gutekunst vom evangelischen Jugendwerk in Mühlacker.
Heute ziehen die vier Häuser unweit der ehemaligen Siedlung Jahr für Jahr hauptsächlich in den Sommermonaten unzählige Kinder- und Jugendgruppen an: Seit 40 Jahren gehört jeweils eines der Häuser des Füllmenbacher Hofs der Wanderjugend des Schwäbischen Albvereins, der katholischen Jugend Mühlacker, dem evangelischen Jugendwerk Mühlacker und der Sportkreisjugend Ludwigsburg. Am Sonntag wird das 40-jährige Bestehen der vier Jugendhäuser gefeiert.
Siedlung war im Besitz des Klosters Maulbronn
Wann genau im 12. Jahrhundert Vilemo die Siedlung errichtete, ist nicht überliefert. Dafür aber, wann sie wieder verlassen wurde: Nur bis ins Jahr 1152 waren die Höfe bewohnt. Danach suchten die Menschen das Weite. Die Siedlung wurde sich selbst überlassen, der Zahn der Zeit nagte an ihr – wenige Jahre später war sie komplett zerfallen. Später ging die kleine Siedlung in den Besitz des Klosters Maulbronn über. Wegen des guten Ackerlandes wurden die Höfe wieder aufgebaut und von den Mönchen bewirtschaftet. Danach wurden verschiedene Privatleute als Besitzer der Anlage geführt. Die Siedlung überstand Kriege und Brände und ist heute ein idyllisches Fleckchen Erde.
Ganz in der Nähe von der Stelle, wo einst Vilemo die Siedlung gründete, ließ das Forstamt Lienzingen im Jahr 1949 vier kleine Häuser erbauen. Überall in der Bundesrepublik waren die Menschen mit dem Wiederaufbau von Städten und Gemeinden beschäftigt und auch der Wald sollte wieder aufgeforstet werden. Die unmittelbare Nähe der ehemaligen Hofanlage Füllmenbacher Hof gab den Häusern den Namen. Mehr als 20 Jahre lebten dort Waldarbeiterfamilien.
In den 60er Jahren wurden die Arbeiter versetzt und die Forstverwaltung wollte die Häuser abreißen lassen. Dem damaligen Vaihinger Landrat Erich Fuchslocher sei es zu verdanken, dass die Häuser heute noch stehen und erhalten werden, heißt es in der Festschrift zum 40-jährigen Bestehen der Jugendanlage. Er handelte mit der Forstverwaltung und dem alten Landkreis Vaihingen einen Pachtvertrag aus und stellte die Anlage mit den vier Häusern, dem dazugehörenden Gartenland von 50 Ar, einer Waldwiese von 1,5 Hektar, einem Backhaus und einem Brunnen den vier Jugendorganisationen zur Verfügung. Der Füllmenbacher Hof, in dem heute jährlich etwa 7900 Übernachtungen gezählt werden, war geboren.
Im Jahr 1973 nach der Kreisreform übernahm das Landratsamt Enzkreis die Rolle des Mieters und konnte 1978 eine Verlängerung der Verträge mit dem Land erreichen. Zwischen 1982 und 1983 wurden von der Gemeinde Sternenfels und den beiden Landkreisen Enzkreis und Ludwigsburg 700000 Mark für die Wasserversorgung ausgegeben. Elf Jahre später wurde das ganze Gebiet vom Land Baden-Württemberg zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet erklärt und obliegt seitdem besonderen Bestimmungen – wer dort zum Beispiel Zelten möchte, benötigt eine Genehmigung des Enzkreises.
Landrat Karl Röckinger war als Kind bei Freizeiten dabei
„Über die Jahre wurde in den vier Häusern gemauert und gesägt, eingestürztes neu aufgebaut, morsches saniert und altes modernisiert, es wurde gepflanzt, gesät und gemäht.“ Der Enzkreis Landrat Karl Röckinger ist begeistert vom Engagement der ehrenamtlichen Helfer. „Ich selbst habe dort die eine oder andere Freizeit verbracht – und bei Umbaumaßnahmen Staub geschluckt“, schreibt er in einer Broschüre, die am Sonntag bei den Feierlichkeiten verteilt wird. Manchmal staune er darüber, was dort in 40 Jahren alles passiert sei.
In den vier Häusern ist Platz für mehr als 100 Personen. In den Sommermonaten finden auf dem Gelände im Wald auch Zeltlager statt.
Philipp-Marc Schmid
