Donnerstag, 24. Mai 2012

Lärmkontingente im Gewerbegebiet


In die B 10 gibt es eine Rechtsabbiegespur. Foto: Bögel
In die B 10 gibt es eine Rechtsabbiegespur. Foto: Bögel

Vaihingen (ub) – Erstmals gibt es in Vaihingen in einem Bebauungsplan eine Lärmkontingentierung. Konkret: Wenn ein Betrieb geringfügig mehr Krach macht als zulässig, muss im angrenzenden Bereich weniger Lärm gemacht werden. So kann der Greenfield-Logistikpark im Gewerbegebiet „Perfekter Standort“ auf Gemarkung Ensingen in der genehmigten Form und den gewünschten Betriebsabläufen starten.
Nach den kommunalen Gremien in Vaihingen und Illingen hat jetzt auch der Zweckverband „Zentrales Gewerbegebiet Ensingen-Süd“ der Änderung des Rechtsplanentwurfs für den Bebauungsplan „Ensingen Süd 1, 2. Änderung“ zugestimmt. Ein formaler Akt, denn die Hälfte des Logistikbetriebs ist bereits in Betrieb (siehe auch VKZ vom 6. September).
Bei der Beteiligung der Öffentlichkeit im Februar und März wurden durch die „Interessengemeinschaft Wohngebiet Altes Bahnhöfle“ grundsätzliche Bedenken gegen die Bebauungsplanänderung vorgetragen. Zwei Anwohner der Panoramastraße reichten Klage gegen die Baugenehmigung für den Logistikbetrieb auf dem knapp 300 mal 300 Meter großen Grundstück im nordwestlichen Bereich ein. Die Klage ist in der Hauptsache noch nicht entschieden, allerdings wurde im Vorverfahren der Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung des Widerspruchs zurückgewiesen. In der Sitzungsvorlage heißt es: Von besonderer Bedeutung war das Lärmgutachten. Das Gericht stellte fest, dass für den einen Betroffenen die zulässigen Lärmwerte eingehalten werden. Für die anderen Betroffenen wurde festgestellt, dass die Lärmwerte geringfügig überschritten werden. Dies kann aber durch bauliche und organisatorische Maßnahmen geregelt werden, so dass die Baugenehmigung grundsätzlich vollzogen werden kann.
Aufgrund des Gerichtsurteils wird von der Verwaltung vorsorglich vorgeschlagen, die Lärmregelungen von der Baugenehmigungsebene auf die Bebauungsplanebene zu heben. Für einen Bereich östlich der Otto-Hahn-Straße, wo noch ein elf Hektar großes Grundstück zur Verfügung steht, wird nun ein geringeres Lärmkontingent im Bebauungsplan festgesetzt, als dies in einem unbeschränkten Gewerbegebiet üblicherweise zulässig ist. Stadtplaner Ernst Loos spricht dabei von fünf Dezibel. Damit kann die bisherige Lärmprognose für den Logistiker des nordwestlichen Bereichs, welche zur Lärmberechnung für die angrenzenden Gewerbegebiete normale Lärmkontingente angesetzt hatte, modifiziert werden (ein Dezibel Lärm mehr). Der Logistiker kann somit wie gewünscht arbeiten.
Die Greenfield development GmbH aus Düsseldorf hat in einem Joint-Venture mit der Deutschen Lagerhaus GmbH und Co KG in Mühlheim/Ruhr auf dem 8,1 Hektar großen Grundstück auf 45000 Quadratmetern Logistik- und Serviceflächen geschaffen. Der „Logistikpark“ besteht aus zwei Hallenkomplexen, jeder Hallenkomplex hat eine Gesamtlänge von 254 Metern. Die Gesamthöhe der Hallen beträgt 12,8 Meter. Insgesamt gibt es 60 Rampentore für Lastwagen. Der südliche Hallenkomplex ist an die Firma DSV vermietet, die die Logistik für die süddeutschen dm-Märkte betreibt. Für die Hallen 4 bis 6 gibt es Mietoptionen, die bis jetzt aber noch nicht ergriffen wurden.
Für den südwestlichen Bereich des Gewerbegebiets, wo sich der Logistiker GLS ansiedelt, wird ebenfalls ein Lärmkontingent in gleicher Höhe eingeführt. Aufgrund der relativ nahen Wohngebäude der Aussiedlerhöfe, die den Schutzstatus eines Mischgebiets genießen, kann hier sowieso nur eine eingeschränkte gewerbliche Nutzung zugelassen werden. Eine Überschreitung der festgesetzten Lärmkontingente kann im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens zugelassen werden, wenn dies durch entsprechende Lärmschutzmaßnahmen kompensiert wird.
GLS plant eine Umschlagfläche von knapp 5000 Quadratmetern. Die Halle – Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein – wird mit Dreistrang-Fördertechnik ausgestattet; dies entspricht einer Tageskapazität von rund 55000 Paketen. Die General Logistic Systems, Amsterdam (GLS), realisiert Paketdienstleistungen sowie Express-Sendungen und logistische Mehrwertleistungen. Europaweit stehen der GLS 32 zentrale Umschlagplätze und 680 Depots zur Verfügung. 13000 Mitarbeiter und 19700 Fahrzeuge sind täglich für 220000 Kunden im Einsatz. Im Geschäftsjahr 2007/2008 wurden 335 Millionen Pakete abgewickelt, der Umsatz betrug 1,75 Milliarden Euro.
Bei der Sitzung des Zweckverbandes am Montagabend beklagte sich die Kleinglattbacher Ortsvorsteherin Sieglinde Kühnle nach der Inbetriebnahme des dm-Logistikers über zunehmenden Lastwagen-Verkehr in der Bahnhofstraße. Dazu Oberbürgermeister Gerd Maisch: „Wir sind bis jetzt mit der Verkehrsprognose voll im grünen Bereich.“ In einem Gutachten wird pro Hektar Gewerbegebiet mit 80 Fahrten pro Tag gerechnet.
Doch wie kann der Schwerlastverkehr vom Gewerbegebiet an- beziehungsweise abfahren? Ein Nadelöhr ist hier die Einmündung der Landesstraße 1125 in die Bundesstraße 10 (Vaihingen-West). Hier gibt es schon seit langem Planungen, dass eine komplette Rechtsabbiegespur in Richtung Illingen gebaut wird. Jetzt kommt Bewegung in die Sache. „Mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe als Planungsträger gab es Gespräche, dass nach den Sommerferien mit den Bauarbeiten begonnen werden soll“, sagt Vaihingens Bürgermeister Wilfried Nestle. Das Regierungspräsidium sieht diese Maßnahme allerdings in Zusammenhang mit einem Radweg von Illingen entlang der B 10 zur Seemühle.
Auch der Ausbau des bestehenden Kreisverkehrs am Ortseingang von Kleinglattbach (L 1125/L 1106/K 1697) gehört zur westlichen Umfahrung von Vaihingen und dem besseren Rangieren der Lastwagen über 7,5 Tonnen, die vom Gewerbegebiet „Perfekter Standort“ kommen. Nestle: „Auch hier sind die Planungen fix und fertig. Stadt und Landkreis stehen bereit, nur das Land winkt ab: kein Geld“, klagt Nestle. Es sei unwahrscheinlich, dass hier noch in diesem Jahr gebaut werde. Ähnlich sieht es mit dem projektierten Kreisverkehr unterhalb des Bahnhofs (kurz vor dem Tunnel) aus. Auch hier fehlen dem Land derzeit die Finanzierungsmöglichkeiten, obwohl diese Einmündung als Unfallschwerpunkt ausgewiesen ist.


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