Donnerstag, 24. Mai 2012

Tag des offnen Denkmals rund um Vaihingen


Handwerk in der Stadtkirche: Orgelbauer Klaus Kopetzky. Fotos: Schmid
In Hohenhaslach konnten Fresken bestaunt werden.

Vaihingen (phs) – Am Sonntag hat zum 18. Mal der europaweite Tag des offenen Denkmals stattgefunden. Rund um Vaihingen gab es deshalb zahlreiche Veranstaltungen – zum Beispiel in Illingen, Hohenhaslach, Kleinglattbach und in Enzweihingen.

Wie sähe Illingen aus, wenn Hundertwasser nicht in Wien, sondern in Illingen gelebt hätte? Diese Frage haben sich im vergangenen Schuljahr die Viertklässler der Illinger Schule gestellt und dazu Bilder gemalt. Es gäbe wohl keinen rechten Winkel im ganzen Ort, denn die empfand der Künstler als unnatürlich. Die Bilder der Schüler zeigen Gebäude aus dem Illinger Ortskern in allen möglichen Farben und ergänzt um alle möglichen Formen.

Die Schüler haben sich mit der Architektur im Illinger Ortskern und mit der von Hundertwasser beschäftigt, weil das Motto des diesjährigen Tages des offenen Denkmals „Vergangenheit aufgedeckt – Archäologie und Bauforschung“ lautete. Miriam Landgraf und Ramona Lehner haben zum Beispiel die Illinger Kirche in bunten Farben gemalt. Ob der Kirchengemeinderat die Entwürfe bei der nächsten Renovierung wohl berücksichtigen wird? Die Bilder sind seit gestern in der Illinger Kelter ausgestellt.

Durch die gegenüber gelegene Cyriakus-Kirche führten im Rahmen des Denkmaltages Gabriele von Khuon, Lore Denschle und Hans Jürgen Stolze. Die Besucher konnten unter anderem erfahren, dass die Kirche vor 520 Jahren geweiht wurde und dass die Kirchenfenster im Chor das Alte Testament, das Neue Testament und die Apostelgeschichte darstellen. Unter der Holzdecke der Illinger Kirche verbirgt sich ein neugotisches Dach. „Die neue Decke wurde eingebaut, dass weniger geheizt werden muss“, war bei der Führung zu erfahren. Und: Das Auferstehungsfenster rechts vom Altar befand sich früher im Chorraum.

In der Hohenhaslacher Georgskirche konnten die Besucher Fresken bestaunen, die im Jahr 1957 bei Renovierungsarbeiten freigelegt wurden. „Vermutlich wurden die Fresken im Jahr 1240 von einem Mönch an die Wand gemalt“, sagt Waltraud Stalder, die zusammen mit Gerlinde von Au interessierte Besucher durch die Kirche führte. Im selben Jahr sei vermutlich auch die Kirche gebaut worden, „oder eben ein bisschen früher“.

Viele Besucher konnte auch die Vaihinger KZ-Gedenkstätte zählen. „Wir waren ganz zufrieden“, sagt Brigitta Isermeyer. Es wurden Führungen zu den Fundamentresten der Dusch- und Entlausungsbaracke und zum KZ-Friedhof angeboten. Das Konzentrationslager (KZ) Vaihingen wurde 1944 als Außenlager des KZ Natzweiler errichtet. Es war zunächst ein Arbeitslager für jüdische Häftlinge aus Auschwitz, später wurde es in ein so genanntes Kranken- und Erholungslager für Menschen aus mehr als 20 Nationen umgewandelt. Im Jahr 1945 wurden die gehfähigen Lagerinsassen nach Dachau gebracht. Kurz darauf setzten die Franzosen zum Befreiungsschlag an. Über die Jahre hinweg waren 13 Massengräber angelegt worden. Im Jahr 1956 wurde schließlich ein KZ-Friedhof errichtet. Die Umstände, die in dem KZ herrschten, hat ein französischer Kriegsberichterstatter mit seiner Kamera festgehalten. Etwa 20 Bilder aus seiner Sammlung sind in einer Bilderschau zu sehen.

Auch die Kleinglattbacher Peterskirche hatte geöffnet. Die Kirche ist seit 1929 im Landesverzeichnis der Baudenkmale eingetragen und wird heute nur noch gelegentlich für Gottesdienste und Trauungen genutzt. Anlässlich des Tags des offenen Denkmals führten Architekt Eberhard Berg und Otto-Heinrich Elias durch die einschiffige gotische Chorturmkirche aus dem 14. Jahrhundert. Das Fachwerk-Glockengeschoss der Kirche stammt aus dem 18./19. Jahrhundert. Auch in der Vaihinger Stadtkirche wurden einige Führungen angeboten: Zum Beispiel eine Orgelführung für Kinder.

In Enzweihingen konnten die Besucher erfahren, dass die Martinskirche im siebten Jahrhundert gebaut wurde. Zunächst als Holzkirche, bevor man sie später in Stein baute. Bis zur Reformation im Jahr 1534 war die Kirche katholisch – dann entschied sich der damalige Pfarrer für den evangelischen Glauben. Baulich hat sich an der Kirche im Laufe der Zeit viel verändert. Sie wurde mehrmals durch Feuer teilweise oder ganz zerstört und ab und an erweitert. Im Jahr 1951 wurden alle Emporen abgerissen und nur zwei neue wieder gebaut.


Philipp-Marc Schmid


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