Vaihingen (ub) – Absolute Dunkelheit im Sitzungssaal des Vaihinger Rathauses. Nur wenige Meter von Oberbürgermeister Gerd Maisch zischt und sprüht es. Die selbst gebastelte Influenz-Maschine der Jugendwerkstatt im Schülercafé erzeugt bildgewaltig Elektrizität.
Die Vorführung der vier Jungs und Werkstattbetreuer Uli Stempel, einem freien Garten- und Landschaftsarchitekten, illustrierte den Jahresbericht der städtischen Jugendarbeit bei der Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses am Mittwochabend. Und die Bilanz von Ingeborg Welz, Leiterin der Jugendarbeit, wurde im Gremium bestätigt: „Wir sind mit der Jugendarbeit und der Schulsozialarbeit sehr gut aufgestellt.“
In Vaihingen gibt es rund 3300 Jugendliche, die von den Angeboten der Jugendarbeit natürlich nicht alle erreicht werden können. Aber mit den Konzerten im Jugendhaus, die auch wieder von Gymnasiasten und Waldorfschülern besucht werden, sowie den Großveranstaltungen wie das Fußballturnier vor den Schulferien werden Hunderte von Heranwachsenden angesprochen. Auch gibt es immer wieder neue Ideen: So stieg Welz und ihr Team beim Schülercafé in der Heilbronner Straße 12 – es soll künftig teilweise auch in den Ferien geöffnet sein – in die Kinderarbeit ein. In der nächsten Woche steht ein Termin zwischen den Machern des Bürger-Treffs und der Schulsozialarbeit an. Welz: „Vielleicht entsteht hier etwas Neues, denn es sind Ressourcen da, die nur abgerufen werden müssen.“
Im Schülercafé liegt die durchschnittliche Besucherzahl täglich bei 30 bis 35 Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 bis 14 Jahren. Vor allem der Mädchentreff mittwochs sei für einige türkische Mädchen die einzige Möglichkeit, sich im Café aufzuhalten. Welz: „Viele Eltern schicken ihre Kinder zu uns, um mit unserer Hilfe ihre Hausaufgaben zu machen, weil sie selbst überfordert sind und, das ist sehr bedenklich, sich Nachhilfestunden für ihre Kinder nicht leisten können. Hier sehen wir großen Handlungsbedarf.“ Welz sagte auch, dass die Jungenarbeit immer mehr in den Blickpunkt rücke, „denn sie sind nicht so stark wie es den Anschein hat“.
Die Besucher im Jugendhaus „Abseits“ kommen aus allen Schularten, die größte Gruppe sind Haupt- und Realschüler vorwiegend aus der Kernstadt, aber auch Jugendliche aus Kleinglattbach und Enzweihingen. Welz in ihrem Bericht: „Durch die von uns beaufsichtigten Konzerte gelingt es uns, das Jugendhaus wieder attraktiv zu machen für andere Jugendgruppen.“ Das Verhältnis zwischen Deutschen und Migranten sei entspannt und von gegenseitigem Respekt geprägt.
Mikayil Toy betreut bei der offenen Jugendarbeit zwei Gruppen, männliche Migranten, die in der Stadt durch Lärmbelästigungen und Sachbeschädigungen auffallen. Plätze, die Toy aufsucht, sind der Kirchplatz in Enzweihingen, die Brücke in Horrheim, die Friedhofsmauer in Ensingen und die Grabenstraße in Vaihingen.
Einstimmig hat der Sozial- und Kulturausschuss des Gemeinderats beschlossen, das „jes-Programm“ (Jugend engagiert sich) der Landesstiftung fortzusetzen und bewilligte dafür 2500 Euro. Mit diesen Mitteln wird ermöglicht, dass erforderliche Arbeitsgeräte besorgt, dass die Jugendlichen verköstigt werden können, eine Entschädigung am Schluss von rund 15 Euro bekommen, eine Abschlussveranstaltung mit Übergabe der Zertifikate organisiert und eine kleine Entschädigung an die Mentorin (Gerda Zitzmann aus Aurich) geleistet werden kann. Aus dem letztmalig in dieser Form von der Landesstiftung aufgelegten Programm 2008 wurden drei Projekte gefördert: die Renovierung des Jugendhauses „Abseits“ mit 1190 Euro, die Sicherung einer nachhaltigen Nutzung von Jugendhaus und Spielplätzen in Aurich mit 742 Euro und die aktiven Jungs im Bürger-Treff mit 512 Euro.
Das Paritätische Bildungswerk Baden-Württemberg hat seit 2001 in Zusammenwirken mit der Landesstiftung das Jugendprojekt „jes“ aufgelegt. Es wurden zahlreiche Projekte für junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren gefördert, in denen sich Jugendliche zeitlich befristet in gemeinnützigen Aktionen über jeweils mindestens 40 Stunden eingebracht haben.
