Vaihingen (sr) – Mit einem bunten Mix der Gefühle starteten gestern die Neulinge der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule Vaihingen in ihre Schulkarriere: Freude und Aufregung, Erschöpfung und hier und da ein wenig Furcht war in den Gesichtern zu sehen. Mit einem pfiffigen Programm in der Stadthalle verscheuchten Zweitklässler kullernde Tränen bei einigen der Kleinen.
„Ich bin gestresst“, ächzt Schulanfängerin Cora aus der 1a beim Eintritt in ihr Klassenzimmer. Kein Wunder: Eine schöne, aber anstrengende Schulaufnahmefeier in der Stadthalle liegt hinter ihr und, sagt sie bedeutungsschwanger: „...um zehn vor Siebene aufstehen“ – das war nicht nur dieser Erstklässlerin zu viel.
Nach einem flotten Gottesdienst in der Stadtkirche saß die vor Aufregung brummende Menschenmenge in diesem Jahr schon früher als sonst in der Stadthalle bereit. Kathrin Lang, Rektorin der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule (GHWRS), konnte 89 Erstklässler sowie 19 Kinder der Grundschulförderklasse an ihrer Schule begrüßen. Zu Beginn der Feier blickten einige der Kleinen noch mit verheulten Augen hinter dem neuen Schulranzen hervor. Doch das fetzige Mitmach-Programm, das von den Zweitklässlern und dem Löwen-Chor präsentiert wurde, fesselte die Schulanfänger und gab Tränen keine Chance mehr.
„Für Reden interessiert sich heute kein Mensch“, erkannte Schulleiterin Lang, fasste sich daher kurz und entließ die Neulinge recht schnell in die Obhut ihrer Klassenlehrer. Nach bewährtem Muster führten Schülerlotsen aus den höheren Klassen – Lang: „Toll, dass wir die haben!“ – die drei Grundschul- und eine Grundschulförderklasse in ihre Klassenräume. Mit 30 und 29 Kindern handelt es sich bei den drei Grundschulklassen um große Klassen, räumt Kathrin Lang ein. In der 1a nimmt außerdem ein Kind aus der Vorbereitungsklasse am Unterricht in den Nebenfächern teil. Auch sie selbst sei nach den Ferien von der Klassenstärke überrumpelt worden, so die Schulleiterin. Lang: „Wir versuchen, diese schwierige Situation zu verbessern und bitten um Geduld.“ Die Rektorin hätte gerne „aus den großen Klassen kleinere gemacht, kann aber die Lehrerstunden nicht herbeizaubern“.
Insgesamt könne aber auch in großen Klassen toll gearbeitet werden, fügt die Schulleiterin an. Die gelungene und disziplinierte Aufführung der Zweitklässler, die mit ähnlichen Schülerzahlen aufwarten können, sei der beste Beweis dafür. Es sei nicht generell so, dass in großen Klassen alles schlecht und in kleinen alles gut sei.
Und so ist auch Claudia Hampp, Lehrerin der 1a mit insgesamt 31 Schülern, guter Dinge: „Das ist heftig, aber das kriegen wir hin. Die Eingewöhnungsphase ist dann einfach ein bissle länger.“ Nachdem ihre Schäflein alle im Klassenzimmer ihren Platz gefunden hatten, wird als erstes das Begrüßungslied geübt. Doch da plagen den frisch gebackenen Schüler Felix erste Sorgen. Er streckt artig und fragt: „Malen wir auch?“ Vielleicht befürchtet der Erstklässler, fortan im Unterricht singen zu müssen. Lehrerin Hampp klärt die Dinge und mit dem Begrüßungslied „Guten Morgen, wir sind alle munter“ starten die Kleinen in ihren ersten Schulunterricht.
Während sich ihre Tochter Samantha unter den Fittichen der Lehrerin befindet, wartet Stephanie Gathemann auf dem Schulgelände. Sie trägt die Zuckertüte des Töchterchens im Arm: ein echter Hingucker aus Filz im Dornröschenstil. Als Stabilisator steckt in dem gefilzten Schmuckstück die rund 24 Jahre alte Originaltüte der Mutter. Allerhand Schnickschnack, aber keine Süßigkeiten schlummern darin für die Erstklässlerin, die vieles selbst aussuchen durfte. Gathemann sieht die Klassengröße „mit gemischten Gefühlen“, wobei sie den Lehrern zutraut, damit zurecht zu kommen.
Kurz nach 12 Uhr trudeln schließlich die ersten Schulanfänger mit ihren Familien am Marktplatz ein, darunter auch die sechsjährige Cora aus der 1a. Guter Dinge ist sie, der erste Tag ist geschafft – Cora auch.
