Donnerstag, 24. Mai 2012

Ein Orgelbauer zeigt sein Handwerk


Dekan Leins zeigt das Christusfenster. Foto: Schmid

Vaihingen – Am kommenden Sonntag findet zum 18. Mal der europaweite Tag des offenen Denkmals statt. Allein in Baden-Württemberg haben 800 Kulturdenkmale geöffnet, die sonst der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Auch die Vaihinger Stadtkirche ist mit von der Partie – es werden spezielle Führungen angeboten.

Der Tag des offenen Denkmals wurde erstmals 1984 in Frankreich veranstaltet. Die Idee hatte Erfolg, wurde 1991 vom Europarat aufgegriffen und in Form der „European Heritage Days“ in ganz Europa eingeführt – auch Länder außerhalb des Staatenverbunds übernahmen den Ansatz. Deutschland ist eine von 49 beteiligten Nationen. Allein in der Bundesrepublik nutzten im Vorjahr fünfeinhalb Millionen Besucher die Angebote. In diesem Jahr lautet das Motto „Vergangenheit aufgedeckt – Archäologie und Bauforschung“. Im Zentrum stehen also die Arbeitsbereiche der Archäologen und Bauforscher.

Auch in Vaihingen gibt es zum Tag des offenen Denkmals ein breit gefächertes Programm. Zum Beispiel in der Stadtkirche. Am Programm beteiligen sich nicht nur hauptberufliche Denkmalpfleger, auch private Eigentümer, ehrenamtliche Helfer und engagierte Vereine, die sich der Erhaltung historischer Stätten und Bauten widmen, sind gefragt.

In der Stadtkirche werden in diesem Jahr drei Schwerpunkte gesetzt. Im Fokus stehen die Stadtkirchenorgel, die vor 40 Jahren rundum erneuert wurde, die Chorwand, die im Jahr 1968 neu entstand, und das Christusfenster, das seit 125 Jahren im Besitz der Kirche ist. Das Team um Dekan Hartmut Leins bietet Führungen, kurze Orgelkonzerte und drei kleine Ausstellungen an. „Ich denke, wir haben eine gute Mischung auf die Beine gestellt“, sagt Leins überzeugt. Dekan Leins beteiligt sich zum 13. Mal am Tag des offenen Denkmals. Zum Auftakt findet um 10 Uhr ein Gottesdienst mit Orgelmusik und um 11.15 Uhr eine Gedenkfeier für den Künstler Wolf-Dieter Kohler statt.

Eine Orgel in der Vaihinger Stadtkirche wurde im Jahr 1521 zum ersten Mal erwähnt. „Seitdem gab es mehrere Orgeln“, sagt Organist Hansjörg Fröschle. Manche wurden bei Bränden beschädigt, andere verkauft oder sie fielen dem Zahn der Zeit zum Opfer. Das Innenleben der heutigen Stadtkirchenorgel ist 40 Jahre alt. Das Gehäuse der alten Orgel blieb beim Umbau im Jahr 1968 stehen. Im Inneren des großen Instruments befinden sich etwa 2600 Orgelpfeifen – sie sind zwischen fünf Millimeter und fünf Meter groß.

Wie eine Orgel funktioniert, mit welchen Werkzeugen ein Orgelbauer arbeitet und welche Besonderheiten dieses Instrument noch bietet, erklären Fröschle und ein Orgelbauer am Sonntag. Fröschle bietet um 14.15 und um 16.15 Uhr eine Orgelführung für Erwachsene und um 15.15 Uhr eine Führung für Kinder an. Orgelbauer Klaus Kopetzky ist von 14 bis 17 Uhr da und um 15, 16 und 17 Uhr gibt es jeweils ein achtminütiges Orgelkonzert von Dorothee Proske, Stefanie Mangold und Hans-Ulrich Lauer.

Bis 1967 war das Innere der Stadtkirche geprägt von der im Jahr 1892 durchgeführten großen Kirchenrenovierung. Dafür zeichnete damals Baurat Heinrich Dolmetsch verantwortlich. Im Jahr 1967 wurden dann die Seitenemporen entfernt. „Das hat der Kirche erst die Weite im inneren Raum gegeben“, sagt Leins. Außerdem wurde damals die Chorwand komplett neu gestaltet. Die Arbeiten übernahm der Stuttgarter Künstler Wolf-Dieter Kohler. Er arbeitete bis 1968 an dieser Wand der Kirche. Es entstanden das Chorkreuz, ein Fenster und die Wandbemalungen hinter dem Kreuz.

Wer mehr über die Chorwand erfahren möchte, sollte an der Führung von Dekan Hartmut Leins teilnehmen. Los geht‘s um 15.15 Uhr. Eine Stunde früher und um 16.15 Uhr wird eine Führung für Kinder angeboten. Um 14.15 Uhr, um 15.15 und um 16.15 Uhr besteht jeweils die Möglichkeit, den Kirchturm und die Glockenstube zu besichtigen.

Ein Höhepunkt dürfte jedoch die Ausstellung rund um das 125 Jahre alte Christusfenster sein. Es wurde zum 300. Geburtstag von Martin Luther (1583 – 1883) von der Bürgerschaft gespendet und im nord-westlich gelegenen Fenster der Stadtkirche eingebaut. Es zeigt eine segnende Christusgestalt. Im Zuge der Kirchenrenovierung im Jahr 1967 wurde es zusammen mit allen anderen Bleifenstern jedoch entfernt. „Die wenigen noch vorhandenen Fragmente haben wir im Jahr 1999 wieder zusammengesetzt“, sagt Leins. Das kleine Stück des Fensters ist am Sonntag ebenfalls in der Stadtkirche ausgestellt.

Philipp-Marc Schmid


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