Hochdorf (ub) – Mit Samthandschuhen gingen Prof. Dubravka Balen-Letunic und Dr. Ivan Mirknik vom Archäologischen Museum in Zagreb ans Werk. Behutsam sortierten sie die wertvollen Stücke von den gesicherten Transportkisten in die vorgesehenen Plätze in den Vitrinen. Das Idol von Dalj, die schönste vorgeschichtliche Keramik Europas – die Gefäße der Vucedol-Kultur, der Goldarmreif von Bilje, das Silberteil von Stari Jankovci, Halsketten aus Bernstein, Münzen von Ribnjacka – archäologische Schätze, die jetzt erstmals in Westeuropa gezeigt werden.
Seit heute kann im Keltenmuseum Hochdorf eine Sonderausstellung mit Originalfunden besucht werden. Bis zum 8. März 2009 werden „Dreitausend Jahre Vorgeschichte – Meisterwerke der Metallzeit im kontinentalen Kroatien“ gezeigt. Namhafte National- und Landesmuseen, wie das Archäologische Museum Zagreb, das Ungarische Nationalmuseum Budapest, die Prähistorische Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien, das Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin, das Römisch-Germanische Zentralmuseum Berlin und die Regionalmuseen aus Kroatien liehen dafür ihre Schätze aus.
„Es ist schon eine prickelnde Angelegenheit, hier alle Funde zusammengeführt zu sehen“, freute sich die Hochdorfer Museumsleiterin Dr. Simone Stork. „Damit wird die Kulturlandschaft in Baden-Württemberg um eine weiteres Highlight bereichert.“
Das heutige Kroatien besteht aus zwei geographischen Einheiten, dem adriatischen Küstengebiet und dem noch wenig entdeckten Kontinentalkroatien, ein Land, das in seiner Geschichte Einflüsse des Ostens und des Westens, des Südens und des Nordens aufzunehmen und in ganz eigener Art zu verarbeiten wusste. Generationen von Archäologen waren unterwegs, dieses Land, seine vorgeschichtliche Vergangenheit und seine Sonderstellung zwischen den Kulturen zu erforschen – und sie brachten Erstaunliches zutage. Die Sonderausstellung im Keltenmuseum, die gestern Abend in der Gemeindehalle in Hochdorf eröffnet wurde, möchte diese Spur aufnehmen und den Weg nachzeichnen, den Kontinentalkroatien durch drei Jahrtausende Metallzeit genommen hat – vom ersten Gebrauch des Kupfers über die Epoche der Bronzezeit bis in die Eisenzeit, die auch von den Kelten beeinflusst wurde.
Eines der wichtigsten Ausstellungstücke ist das berühmte Vogelgefäß, das 1938 vom deutschen Archäologen Robert Rudolf Schmidt in Vucedol bei Vukovar ausgegraben wurde. Dieses Kultgefäß, die Darstellung einer Taube oder, wie es in neuerer Zeit interpretiert wird, eines Rebhuhns, ist ein einmaliger Fund aus äneolithischer Zeit. „Sie ist untrennbar mit der Identität des Archäologischen Museums in Zagreb verbunden und kann gleichzeitig auch als Symbol des gesamten kroatischen Kulturerbes betrachte werden“, sagt der Zagreber Museumsdirektor Prof. Ante Rendic-Miocevic. Insgesamt werden in Hochdorf 397 ausgewählte Objekte gezeigt.
Und die aktuelle Sonderausstellung hat einen besonderen Hintergrund, denn exakt 30 Jahre ist es her, als ein junger Archäologe in Hochdorf eine Grabung leitete, die eine der wichtigsten vorgeschichtlichen Entdeckungen in Baden-Württemberg ans Tageslicht bringen sollte: das frühkeltische Fürstengrab von Hochdorf. Dr. Jörg Biel, Leiter der Landesarchäologie, ging jetzt in den Ruhestand. Dieses besondere Jahr nehmen nun das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und die Gemeinde Eberdingen zum Anlass, diese ungewöhnliche Ausstellung zu präsentieren, die den Blick der Fachwelt nach Hochdorf lenkt. Durch die Ostkontakte des früheren Hochdorfer Museumleiters Dr. Tiberius Bader konnten die Zagreber für die Leihgaben, die immerhin über ein halbes Jahr im Ländle sind, überzeugt werden.
Damit setzen die Meisterwerke der Metallzeit nahtlos die hochkarätigen Sonderschauen fort, die seit 1993 in dem Eberdinger Teilort gezeigt werden: die Ausstattungen der Fürstengräber von Vix (Frankreich), Reinheim (Deutschland), Clemency (Luxemburg) und Klein-Klein (Österreich), die Hinterlassenschaften der Lepontier (Schweiz) sowie die wertvollsten Funde aus den Ostgebieten der Kelten in Ungarn, Rumänien, aus dem Balkan, Slowenien und Serbien. Nun gibt es Spitzenfunde der prähistorischen Archäologie in Kroatien zu sehen.
