Vaihingen (elf) – „Einen solch verregneten Samstag habe ich in 34 Jahren Straßenfest noch nicht erlebt“, sagte Walter Sämann vom Schützenverein Enzweihingen. Dennoch lamentierte er genauso wenig über die Umsatzeinbrüche beim 34. Vaihinger Straßenfest, wie die anderen Vereinsvertreter. Ein vorwiegend sonniger Sonntag war Trost für einen mageren Samstag.
Besonders hart traf es in diesem Jahr das DRK Vaihingen. Mit dem Standort direkt neben der Bühne auf dem Marktplatz ist der Bierstand der Rot-Kreuzler an einem normalen Straßenfest-Samstag ein Selbstläufer. 20 Fässer Bier gehen da schon mal weg. Ganz anders in diesem Jahr: Gerade mal sechs bis sieben Fässer wurden ans Bier trinkende Volk verkauft, berichtete Holger Hanke vom DRK Vaihingen, der allerdings nicht jammerte: „Wir können uns trotzdem nicht beklagen.“ Schließlich sei es auch in Sachen Einsätze ruhig geblieben. Ein paar Alkoholisierte, ein Kreislaufproblem und eine Scherbe in einem Fuß – so ruhig war es selten.
Deutlich weniger Umsatz machten auch die anderen Vereine – vor allem diejenigen, die von der Laufkundschaft leben. Deutlich besser lief es dagegen bei den Vereinen, die ihre Plätze unter dem Dach anbieten konnten. Allen voran der Männergesangverein Vaihingen, der in der Kelter „volles Haus“ vermelden konnte. Auch die Tenne der Freiwilligen Feuerwehr Vaihingen war wie in alten Zeiten brechend voll. So auch die Tiefgarage der Sparkasse, wo der Gesangverein Kleinglattbach bewirtete.
„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, resümierte folglich auch Michael Eisinger, Vorsitzender des Straßenfestausschusses. Trotz beinahe ununterbrochenem, oftmals strömenden Regen sei viel los gewesen auf dem Straßenfest. „Ich habe mir die Besucherzahlen bei dem Wetter wesentlich katastrophaler vorgestellt“, sagte Eisinger und erntete zustimmendes Kopfnicken von den Vereinsvertretern, die sich traditionsgemäß am Sonntagvormittag zum Pressegespräch trafen.
Einen Missstand sprach Dietrich Schreek, Vorsitzender des TV Vaihingen, an. Von den zahlreichen Jugendlichen, die gegen 23 Uhr die Mehrheit der Festlesbesucher ausmachten, hätten einige mitgebrachte Getränke zu sich genommen und dann die leeren Flaschen durch die Gegend geworfen. Ganz extrem sei es beim Stand der Jungen Union in der Heilbronner Straße gewesen, wo bis in den frühen Morgen Lärm geherrscht hätte. „Bis 6.30 Uhr wurde dort ausgeschenkt“, wusste auch Franz Hönekop vom Bezirksfischerverein zu berichten. Das habe wohl daran gelegen, dass einige Gäste mit Gewalt gedroht hätten, wenn sie nichts mehr zu trinken bekommen würden. Kein Wunder, dass bei den Vereinsvertretern der Wunsch nach einer regelmäßigen Polizeistreife auf dem Straßenfest laut wurde.
Ziemlich ruhig verlief es auch beim Weindörfle im Bereich der Keltergasse beim Hofgut Hermann und in der Grezgasse. Der Grund: das Zielpublikum – das eher „gesetztere“ Alter – blieb beim Regen lieber daheim. „Doch es ist einigermaßen gut gelaufen“, berichtete Mario Cafaro. Der überraschte mit einer besonderen Aktion: Er verkaufte Original-Trikots von Fußballstars wie Figo, Beckham oder Messi für einen guten Zweck. So kamen am Samstag 400 Euro zusammen, die auf leukämiekranke Kinder in Magdeburg sowie auf die Indienhilfe Kaiserslautern verteilt werden.
Seinen ersten offiziellen Auftritt im Rahmen des Straßenfestes hatte übrigens Michael Eisinger, der neuer Vorsitzender des Straßenfestausschusses ist. Seit 8 Uhr war er am Samstagmorgen auf dem Fest und hatte bis Sonntagabend alle Hände voll zu tun. Hier ein kaputtes Licht, dort eine defekte Sicherung und ein Anhänger, der rückwärts auf ein Auto fuhr. „Die üblichen Dinge“, wie Eisinger sagte. Für seine Begrüßung bei der Eröffnung des Straßenfestes bekam er übrigens Lob von höchster Stelle: „Er hat seine Sache sehr gut gemacht“, bekannte Oberbürgermeister Gerd Maisch. Das Stadtoberhaupt begrüßte wieder zahlreiche Gäste aus der Partnerstadt Köszeg, darunter auch den stellvertretenden Bürgermeister Béla Básthy, eine Tanzgruppe und gleich zwei Weinköniginnen.
Und da war noch der große Sonnenschirm der Feuerwehr, den Unbekannte als Regenschutz verwendeten und mitnahmen. Doch das gute Stück konnte wieder aufgefunden werden…
