Donnerstag, 24. Mai 2012

Tempo-30-Zone – (k)ein Grund zum Langsamfahren


Anwohner der Flößerstraße in Roßwag beschweren sich über schnelle und rücksichtslose Fahrer
Indra Olpp zeigt die Stelle, an der ihr Hund überfahren wurde. Viele seien hier zu schnell unterwegs. Foto: Wirth

Roßwag (ev) – Tempo-30-Zone: Runter vom Gaspedal. Auch in Roßwag, in der Flößerstraße, sollte dies so sein. Anwohner bemängeln jedoch, dass sich nur wenige Autofahrer an die vorgegebene Geschwindigkeit halten und machen sich Sorgen um ihre Sicherheit.

Hinterm Damm plätschert die Enz vor sich hin, eine alte Scheune steht an der Kurve. Auf den ersten Blick scheint die Flößerstraße in Roßwag, die vom Parkplatz an der Enzbrücke bis zum Wohngebiet Weinring führt, idyllisch zu sein. Indra Olpp, eine Anwohnerin, lässt ihre Kinder aber trotzdem nicht auf der Straße spielen, obwohl es sich um eine Tempo-30-Zone handelt. „Das wäre viel zu gefährlich“, betont sie. Vor allem die Autos, die aus dem Wohngebiet kämen, würden sich kaum an die Geschwindigkeitsvorschriften halten.

Wie schnell etwas passieren kann, hat die 37-Jährige bereits erlebt. Ihr Hund wurde überfahren. Als Olpp mit ihren beiden Tieren sowie einer Freundin und deren Hund unterwegs war und gerade die Straße betrat, um sie zu überqueren, näherte sich ein Auto. Das Fahrzeug war laut Olpp noch weit entfernt, also setzte sie ihren Weg fort. „Doch der Fahrer war zu schnell unterwegs. Ich dachte noch, der müsste jetzt langsam aber bremsen“, als die Leine ruckte und Tarzan, einer der beiden Hunde, auf dem Asphalt liegen blieb. „Es hätte nicht viel gefehlt und der Fahrer hätte auch mich erwischt“, berichtet Olpp. Das Tier lebte zwar noch, seine Verletzungen waren aber so schwer, dass es eingeschläfert werden musste.

Zu schnelle Autos in der Flößerstraße sind laut der Roßwagerin keine Seltenheit, die Voraussetzungen seien auch geradezu ideal. „Für die Leute, die aus dem Wohngebiet kommen, ist es quasi eine Einflugschneise“, so Indra Olpp, die dieses Verhalten immer wieder von ihrem Balkon, der direkt zur Straße geht, beobachtet.
Auch Ortsvorsteher Hans-Dieter Eisinger weiß um die Problematik in der Flößerstraße. „Die Straße verleitet zum Schnellfahren“, meint auch er. Sorgen macht er sich auch um die Radler, weil der Radweg genau an dieser Stelle auf die Straße trifft. Auch bei Rundgängen mit der Polizei hat er schon auf die Stelle hingewiesen.
Vor einer Woche hatte die Stadt Vaihingen an der gefährlichen Stelle ihren mobilen Geschwindigkeitsmesser aufgebaut. Der ergab, dass durchschnittlich 3,8 Autos pro Stunde zu schnell durch die Flößerstraße fahren. Insgesamt waren in der Woche, in der gemessen wurde, 5360 Fahrzeuge in beiden Richtungen unterwegs. 10,4 Prozent waren zu schnell. Die Messungen zeigten auch, dass 40 Verkehrsteilnehmer schneller als 50 Stundenkilometer fuhren. Zwei schafften es sogar, doppelt so schnell als erlaubt durch Roßwag zu brettern.

Genau vor diesen Rasern will sich Indra Olpp schützen. Ihre Kinder dürfen zum Beispiel nur noch in der Sankt-Martin-Straße spielen und haben eine Grenze zur Flößerstraße, die sie nicht übertreten dürfen. Außerdem stellt ihre Mutter ihren Wagen nun immer sehr provokant an der Straße ab. „So bremse ich schon einen Teil der Raser ab“, erklärt sie. Dass sie so parken dürfe, habe sie sich extra von der Polizei bestätigen lassen, damit es keinen Ärger gibt. „Ich dürfte sogar noch provokanter parken, aber dann hätte ich Angst um mein Auto. Einmal wäre ihr bereits der Spiegel abgefahren worden.

Ihr Wunsch: „Eine Bodenschwelle oder ein Pflanzenkübel.“ Bezahlen würde sie die Maßnahmen sogar selbst. „So etwas wäre schon ausreichend. Die Autos müssten bremsen und langsamer fahren“, erklärt sie. „Ich fahre ja selbst gerne Auto, auch mal schneller, aber das ist abhängig von Situation und Ort. Hier schnell zu fahren ist einfach zu gefährlich.“

Ortsvorsteher Eisinger glaubt nicht daran, dass die Flößerstraße eine Schwelle oder einen Blumenkübel bekommen wird. „Vielleicht würde es helfen, wenn noch öfter scharf kontrolliert wird oder wenn wir vor der kritischen Stelle noch ein zusätzliches Verkehrsschild aufbauen“, meint er. Gegen einen künstlich erzeugten Trichter hätte er allerdings auch nichts einzuwenden.

Eugen Weiß, Abteilungsleiter Bürgerdienste, Ausländer- und Verkehrswesen bei der Stadt Vaihingen, sieht für solche Vorkehrungen keine Notwendigkeit. „Das ist keine besondere Gefahrenstelle“, sagt er. Mit einem Pflanzenkübel sei es auch nicht getan. Da würden die Fahrer kurz abbremsen, um dann noch mehr Gas zu geben, um die verlorene Zeit aufzuholen. „Die meisten, die in der Flößerstraße unterwegs sind, kommen aus dem Wohngebiet und haben selbst Kinder“, erklärt er und appelliert an die Fahrer, die Geschwindigkeit einzuhalten. Mehr als Zone 30 könne man nicht tun.


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