Lebenshilfe arbeitet im Spitalhof
Vaihingen (elf) – Es bohrt und hämmert, es staubt und dreckelt: Seit einigen Samstagen sind ehrenamtliche Bauhelfer dabei, den Innenbereich des Hauses Spitalhof 4 zu entkernen. In dem Gebäude will die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker acht Wohnplätze für Menschen mit Behinderung einrichten. Für den Einzug haben die Verantwortlichen den Herbst 2009 ins Visier genommen.
Christian schnappt sich ein Stemmeisen, steigt die Leiter hoch und macht sich daran, Gipskartonplatten von der Wand zu lösen. „Warte, so geht das nicht“, greift Fridolin Bernhart, Vorsitzender des Lebenshilfe-Vereins, ein und steht mit wertvollen Tipps zur Seite. Kurze Zeit später hat Christian die Sache im Griff und arbeitet fast wie ein Profi. Christian wird hier einmal selbst einziehen und hat daher besondere Motivation, ehrenamtlich bei der Entkernung des Spitalhofs 4 mitzuarbeiten.
Rund 15 Bauhelfer der Lebenshilfe sind seit insgesamt vier Samstagen aktiv und erbringen wertvolle Eigenleistung. Den ersten Arbeitseinsatz hatten sie am 12. Juli. Damals ging es im Dachgeschoss los mit der staubigen Entkernungsarbeit: Trennwände ausbauen, Fußböden herausreißen, Elektroinstallation entfernen und vieles mehr. Als die Helfer den Kniestock aufmachten, jagte eine Überraschung die andere. Neben Russ und Schmutz kam plötzlich eine alte Schwanenbrauerei-Flasche zum Vorschein. Auch ein altes Schild der Frauenarbeitsschule, die in dem Gebäude untergebracht war, fanden die freiwilligen Bauarbeiter.
Parallel zu den Arbeiten im Dachgeschoss ging es im Obergeschoss weiter. Metallständerwände zuhauf waren hier zu entfernen und darüber hinaus die umfangreiche Netzwerkverkabelung der Sozialstation Vaihingen, die hier einst untergebracht war. „Das waren kilometerweise Kabel“, erinnert sich Fridolin Bernhart. Zu schaffen machte den Helfern auch das Dämmmaterial, denn Berge von Mineralwolle waren zu entfernen. Schwierigkeiten machte auch eine denkmalgeschützte Holzvertäfelung, die nun neu aufgearbeitet werden und wieder eingebaut werden muss. „Die hätte ich am liebsten weggeworfen“, gibt Fridolin Bernhart zu. Mittlerweile ist das Erdgeschoss dran. Auch hier sind die Wände voller Gipskartonplatten, die entfernt werden müssen.
Mit der ehrenamtlichen Eigenleistung spart die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker viel Geld. 10000 Euro wurden ursprünglich als Eigenleistung eingeplant. „Doch inzwischen haben wir schon rund 300 Stunden gearbeitet und erzielen einen deutlich höheren Spareffekt“, weiß Sandra Sailer, Geschäftsführerin der Lebenshilfe.
Doch ohne professionelle Hilfe geht es nicht. So stammen die Pläne von dem Vaihinger Architekten Eberhard Lämmle, der auch die Bauleitung übernommen hat. Dessen Bruder Glaser Reinhard Lämmle arbeitet auf der Baustelle ehrenamtlich als Capo mit.
In zwei Wochen wird das Haus eingerüstet, denn dann kommen die Zimmerleute und Dachdecker und werden dem Haus eine neue Isolation sowie ein neues Dach verpassen. Anschließend kommen die Flaschner und Elektroinstallateure. Die Ausschreibungen für Heizungs-, Sanitär- und Elektroarbeiten werden derzeit vorgenommen.
Rund 730000 Euro inklusive Grunderwerb, Sanierungsmaßnahmen und Ausstattung wird das Gesamtprojekt kosten. 250000 Euro werden über ein Darlehen finanziert, den gleichen Betrag hat Sandra Sailer bei der „Aktion Mensch“ an Zuschüssen beantragt. Der Rest muss über Spenden, Eigenmittel und Eigenleistung finanziert werden. Im Herbst/Winter 2009 soll das neue Wohnheim der Lebenshilfe in Betrieb gehen. Anschließend soll das Haus auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein, denn zu gewissen Zeiten soll hier Kaffee und Kuchen angeboten werden. Fridolin Bernhart: „Wir wollen integrieren und die Stadt beleben.“
Wer sich als ehrenamtlicher Helfer an den Bauarbeiten beteiligen will, meldet sich bei Sandra Sailer unter Telefon (07041) 954230.
