Hochdorf (sr). Im Januar hatte die Familie Klein/Sennert durch einen Brand ihr Zuhause verloren. Nun kommt die Zukunftsperspektive durch ein Fernsehteam von RTL 2, das acht Tage lang das Haus auf Vordermann bringt.
Das Haus in der Goethestraße 1 sollte der Platz für die Großfamilie sein. Vor fünf Jahren kaufte Gundula Klein und ihr Mann sowie Tochter Britta Sennert mit Familie das Gebäude. Es wurde gewerkelt und aufwendig renoviert, erzählt Gundula Klein. Am 23. Januar steht das Haus in Flammen. Die Polizei ging davon aus, dass der Familienvater in zwei Wohnungen Feuer gelegt hatte. Er hatte sich anschließend in der Dachgeschosswohnung erhängt. In der VKZ stand zu lesen: „M. S. lebte in Scheidung und bewohnte zusammen mit seinem 18-jährigen Sohn die Wohnung unter dem Dach. Im ersten Stock lebte seine Frau mit der gemeinsamen Tochter (11).“ Im Erdgeschoss wohnten die Großeltern.
Kleins und Britta Sennert mit Tochter Antje kommen zunächst bei den beiden anderen Söhnen unter. Dann leben sie in einer Mietwohnung in Nussdorf, schließlich im vorher vermieteten Reihenhaus, das sie noch ihr Eigen nennen. Dort wohnen sie nun zu fünft, auch der Stiefsohn von Britta Sennert ist wieder da. „Manche denken, wir wären nicht bedürftig, weil wir ein Haus haben“, weiß Gundula Klein, „aber das hatten wir vermietet, um das Haus in der Goethestraße zu finanzieren.“Auf Geld von der Versicherung kann die Familie ebenfalls nicht bauen. „Die Versicherung hat gesagt, wir zahlen nicht, weil einer der Besitzer der Brandstifter war“, sagt Gundula Klein. Wie dieser Streitfall ausgeht sei noch nicht geklärt, es sei Klage eingereicht.
Die rettende Idee hatte vor einigen Monaten eine Kollegin von Britta Sennert. Nach Rücksprache mit Sennert stellte sie den Kontakt zur RTL 2 Fernsehserie „Zuhause im Glück“ her.
Kurz vor Ostern meldete sich der Sender bei der Familie. Und schließlich kam die Zusage, dass sie bei „Zuhause im Glück“ mit dabei sind. „Das hat einen umgehauen“, sagt Klein, „wie ein Sechser im Lotto!“ Das Haus wird auf Kosten des Senders saniert, eine Wohnung wird bezugsfertig werden, der Rest so gut es geht gerichtet.
In acht Tagen werden 28 Leute beschäftigt sein, darunter zwölf Handwerker, sagt Alexander Schläger, Aufnahmeleiter vor Ort. Aus dem gesamten Bundesgebiet reisen die Mitarbeiter an, Schlägers Berliner Schnauze verrät seine Herkunft.
In der Goethestraße in Hochdorf ist momentan kein Durchkommen mehr. Container und die rollende Kantine des Filmteams versperren den Weg. Seit Mittwoch residieren die RTL-Leute in einem Hotel in Niefern. „Wunderhübsch“ sei die Gegend hier, sagt der 36-Jährige. Wobei fast ganz Deutschland schön sei. Die Fernsehleute kommen rum. Allrounder Matti, Schreiner Sven, Kameramann Jens – alle sind sie „eine Familie, eigentlich“, sagt Schläger.
Seit sechs Jahren wird bei der Serie „Zuhause im Glück“ bedürftigen Familien geholfen. „Der Name ist Programm – seit der ersten Folge haben Einrichtungsexpertin Eva Brenner, Architekt John Kosmalla und ihre Kollegen über 100 Familien in ganz Deutschland glücklich gemacht“, schreibt der Sender im Internet. Immer dienstags um 20.15 Uhr kann der Zuschauer mitfiebern. Denn am achten Tag dürfen die Besitzer zum ersten Mal ihr frisch renoviertes Heim wieder betreten. Das wird in Hochdorf am kommenden Donnerstag, voraussichtlich um 15 Uhr der Fall sein. „Bis jetzt läuft alles nach Plan“, zeigt sich Schläger zufrieden. Auch die Besitzer des Hauses in der Goethestraße dürfen sich ihrem Haus erst mal nicht nähern. Gundula Klein: „Wir haben unsere Schlüssel abgegeben und sollen nicht mehr erscheinen. Wir halten uns dran.“
Sie ist voll des Lobes für die Medienmenschen: „Das sind sehr nette, einfühlsame Leute, wir haben uns ganz wohlgefühlt.“ Und überhaupt müssen Klein und ihre Tochter jede Menge Lob und Dank loswerden: an die Feuerwehr, das DRK, Notfallseelsorger Hartmut Nitsche, an alle Spender von Geld, Kleidung und Gegenständen. Und auch jetzt, bei der Hauruck-Aktion von RTL 2, helfen Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder tatkräftig im Haus mit.
Gestern Mittag müssen die drei weiblichen Vertreter von Klein und Sennert ebenfalls Einsatz zeigen. Eine „Verwöhnstunde“ hat der Sender Oma, Mutter und Tochter verpasst. „Den Friseur kann man nicht mit dem Zahnarzt vergleichen“, sinniert Gundula Klein im Salon Ute in Hochdorf. Keiner weiß so richtig, was geschehen soll, auch Chefin Ute Hagdorn ist noch ahnungslos. Doch mit wenigen Minuten Verspätung bricht das Kamerateam mit fröhlichem Hallo über den Salon herein. Mehr wird nicht verraten. Im Dezember, oder erst im kommenden Jahr, kann jeder selbst gucken, was im Salon Ute noch geschehen ist.
