Mittwoch, 22. Februar 2012

Rettungsübung im Marksteintunnel






DRK-Leute bauen Rettungslager.
DRK-Leute bauen ein Rettungslager. Foto: Arning

Vaihingen (aa). Schreckensmeldung für die Feuerwehr: Im Schnellbahntunnel brennt ein Zug! Für die Vaihinger Wehr und das Deutsche Rote Kreuz war es in der Nacht zum Sonntag nur eine Übung. Doch dabei hat es sich wieder einmal bewiesen, dass es sehr mühsam und zeitaufwendig sein kann, Verletzte aus der verrauchten Röhre zu bergen. Die Gleisbauarbeiten zwischen Vaihingen und dem Glemsübergang zwischen Schwieberdingen und Markgröningen haben es möglich gemacht: Die Vaihinger Feuerwehr kann im Marksteintunnel gefahrlos üben. „Es war mal wieder notwendig“, sagt Abteilungskommandant Thomas Korz, der 21.07 Uhr den Einsatz startet. Unmittelbar nach dem Bahnhof soll es im Tunnel zu einem Schwelbrand an einem Zug gekommen sein. Es wird Großalarm ausgelöst. Uwe Geiger, Bezirksleiter im Arbeitsgebiet Betrieb und DB-Notfallmanager rast von seinem Wohnort Sersheim nach Vaihingen. Bevor die Wehrmänner auf die Gleise dürfen, muss er die Oberleitung erden. Um 21.16 Uhr ist Geiger vor Ort, lässt sich von Bernd Schubert in die Lage einweisen. Es dauert einige Minuten, bis die Stangen an der richtigen Position sitzen und , Geiger das Freizeichen für die Wehrleute geben kann. Elf Verletzte sollen sich im Tunnel befinden. „Wir brauchen Verstärkung“, wird über Funk durchgegeben. Die Abteilungen Enzweihingen und Kleinglattbach werden in Marsch gesetzt. Das Deutsche Rote Kreuz ist alarmiert, macht sich mit der Schnelleinsatzgruppe (SEG) Erstversorgung und der SEG Betreuung/Logistik auf den Weg. Seit dem 1. Juli gibt es beim DRK eine neue Struktur für die SEGs mit fünf Einsatzgebieten. Hier ist die Gruppe West gefragt: Neben DRK-Experten aus Vaihingen sind Einsatzkräfte aus Bönnigheim, Kirchheim und Hochdorf vor Ort. Auch Kreisbereitschaftsführer Dietmar Müller und sein Stellvertreter Sven Metzger verschaffen sich ein Bild der Lage. „Do dren steht a Bagger, des isch die Lok“, weist Henrik Bürkert, Abteilungskommandant aus Enzweihingen, die mit Atemschutz anrückenden Kollegen an. Es muss gelöscht werden. Bis zum Feuerwehrmagazin werden die Schläuche ausgelegt. Das ist gut ein Kilometer. „Im Ernstfall würde jetzt auch ein Rettungszug alarmiert“, berichtet Uwe Geiger. Eigentlich habe man ihn auch heute gewollt, doch das habe sich nicht realisieren lassen. Die Rettungszüge sind mit Berufsfeuerwehrmänner besetzt, die auch über Langzeitatmungsgeräte verfügen. Das ist bei der Vaihinger Wehr nicht der Fall. Rund 2700 Meter lang ist der Marksteintunnel. Man kann es sich unschwer vorstellen, welche mühevolle Arbeit es wäre, einen Brand mitten im Tunnel bekämpfen zu müssen und die Verletzten zu bergen. Bei der Übung liegt der Einsatzort gerade mal 50 Meter hinter dem Portal. Und die Lichter im Tunnel sorgen nur für sehr diffuses Licht – wenn sie im Ernstfall überhaupt brennen und der Rauch nicht alles einhüllen würde. Bei den Kollegen in Kornwestheim hat sich die Feuerwehr einen Schienenwagen besorgt. „Er ist für solche Einsätze ideal als Transportmöglichkeit zu gebrauchen“, sagt Thomas Korz, „wir müssen immer alles über die Gleise schleppen.“ Vielleicht hören die Verantwortlichen die Bitte des Kommandanten aus den Worten heraus. Zu Einsätzen auf den Gleisen müssen die Vaihinger Wehrleute immer wieder ausrücken; alleine in diesem Jahr gab es schon zwei Selbsttötungen. Im Einsatzbereich von Notfallmanager Uwe Geiger, der maximal 30 Minuten nach einem Unfall am Ort des Geschehens sein muss, waren es bereits vier. Die Verletzten, dargestellt von Angehörigen der Feuerwehr, werden auf Tragen aus dem Tunnel gebracht. „Alles wird gut“, spricht ihnen Henrik Bürkert Mut zu. Eigentlich sollten sie am Portal an das DRK übergeben werden. Doch hier gibt es keinen Platz zur Lagerung. Am Abhang ist es viel zu eng und zu verwinkelt. Und dann müssen die Personen über 50 Treppenstufen auf den über dem Tunnel eingerichteten Rettungsplatz geschleppt werden. In der Zwischenzeit sind dort Zelte aufgebaut worden. Sieben Leicht- und drei Schwerverletzte werden verarztet. „Es müssen aber elf sein“, wundert sich Thomas Korz. Der Platz bei der Trafostation ist überfüllt. Rund 100 Personen schaffen jetzt hier mit ihren Geräten. Die Experten sehen das Treiben mit Falten auf der Stirn. „Brutal eng hier“, sagt DRK-Mann Metzger, der an diverse Rettungsrichtlinien erinnert. „Am Pulverdinger Tunnel haben wir noch viel weniger Platz“, erzählt ein Feuerwehrmann. Erst vor wenigen Wochen hat es dort ja einen Vorfall mit einem steckengebliebenen ICE gegeben, bei dem das DRK stark gefordert war. Übungsende um 22.30 Uhr. Inzwischen stimmt auch die Zahl der Geretteten: „Elf Personen versorgt“, meldet ein DRK-Mann an den Einsatzleiter.Jetzt muss noch stundenlang aufgeräumt werden. Und am Montag um 5.50 Uhr wird wieder der erste Zug über die sanierten Gleise rauschen – hoffentlich immer unfallfrei.


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