Riet (ub). „Das ist mehr als ein Achtungserfolg“, freut sich Gerhard Köbele, Sprecher der Bürgerinitiative „Angemessener Hochwasserschutz im Strudelbachtal“. Auch die Rieter Ortsvorsteherin Roswitha Haid lehnt sich zufrieden zurück: „Wenn alles klappt, wird im Strudelbachtal nur das wirklich Notwendige für den Hochwasserschutz gemacht.“
Die teilweise heftig geführte Diskussion um einen effizienten Hochwasserschutz im Strudelbachtal wird schon seit geraumer Zeit nicht mehr nur im Ortschaftsrat, den Gemeinderäten in Eberdingen und Vaihingen sowie im Zweckverband Strudelbachtal geführt. Mitgemischt wird hier auch an höherer Stelle: Entscheidend war eine Denkschrift des Rechnungshofes Baden-Württemberg, in der entgegen den bisherigen Planungen der Strudelbach nicht mehr isoliert betrachtet, sondern auch die Seitenretention mit einbezogen werden soll. Die gesamte Hochwasserschutzkonzeption solle auch unter Einbeziehung des Kreuzbachs erfolgen und unter einer ganzheitlichen Betrachtung optimiert werden. Weiterhin solle die Wirtschaftlichkeit der geplanten Maßnahmen zum Hochwasserschutz nach den geltenden Regeln für Kosten-Nutzen-Betrachtungen untersucht werden, damit diese vergleichbar werden und eine Priorisierung möglich werde. Vor zwei Wochen beschäftigte sich der Finanzausschuss des baden-württembergischen Landtags mit den geplanten Maßnahmen zum Hochwasserschutz für das Strudelbachtal.
Nach den Planungen des Pforzheimer Büros Hutarew sollen im Strudelbachtal zwischen Weissach und Enzweihingen 13 Rückhaltebecken entstehen, die die Gemeinden bei einem Hochwasser schützen sollen. Kosten des Mammutprojekts: rund 12,5 Millionen Euro. Diese Planung sieht die Bürgerinitiative auf der Kippe – Köbele: „Diese 13 Becken stehen ganz klar zur Disposition.“ Es gebe eine neues Konzept, das auch auf mehr Akzeptanz bei der Bevölkerung stoßen werde. Ortsvorsteherin Haid: „Bis jetzt wurde nur Geld für einen falschen Hochwasserschutz ausgegeben.“
Ende des Jahres gibt
es die Ergebnisse aus Karlsruhe
Hoffnungen setzen die Bürgerinitiative und der Ortschaftsrat in Riet auf die Berechnungen der Uni Karlsruhe. Im Mai wurden die Badener mit der Neuberechnung der Hochwasserverhältnisse im Strudelbachtal vom Zweckverband beauftragt. Bereits im Herbst 2008 machte sich der von der Bürgerinitiative zugezogene Experte Professor Hans Helmut Bernhart für eine Neuberechnung stark: Man müsse ein verbessertes Berechnungsprogramm anwenden, das auf die hiesige Topografie abgestimmt sei und man müsse die Flutwellen entzerren, was eine Reduzierung der Hochwasser-Abflussspitzen nach sich ziehe. Ende des Jahres werden die Ergebnisse der Uni Karlsruhe dem Zweckverband präsentiert.
Ganz wichtig ist für die Bürgerinitiative „Angemessener Hochwasserschutz im Strudelbachtal“ die vom Rechnungshof geforderte ganzheitliche Betrachtung des Strudelbach-Einzugsgebiets, also einschließlich des Kreuzbachs, von dem die größere Gefahr für Enzweihingen ausgehe. Initiativen-Sprecher Köbele: „Es ist aus unserer Sicht nur logisch und gerecht, wenn der Hochwasserabfluss des Kreuzbachs im gleichen Verhältnis gedrosselt wird wie der des Strudelbachs.“ In einem Brief an den Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch und den Eberdinger Bürgermeister Peter Schäfer schreibt Köbele: „Niemand käme auf die Idee, die Hochwasserprobleme im Neckartal nur durch Rückhaltemaßnahmen im Enztal zu lösen. Wir sind davon überzeugt, dass eine gemeinsame Hochwasserschutz-Strategie für Strudelbach und Kreuzbach die Akzeptanz der notwendigen Schutzmaßnahmen durch die betroffenen Bürger ganz entscheidend verbessert.“
Ein anderer Punkt, der schon seit Jahren von der Bürgerinitiative kritisiert wird und jetzt auch vom Rechnungshof bestätigt wurde, ist die „falsche“ Kosten-Nutzen-Rechnung, die auf einer mangelhaften Schadensberechnung basiere. Um den minimal notwendigen Kosten-Nutzen-Faktor von eins zu erreichen, müsse man nach den Hutarew-Berechnungen von einer Schadenssumme von 12,5 Millionen Euro ausgehen. Nach Berechnungen der Bürgerinitiative belaufe sich die tatsächliche Schadenssumme in den letzten 50 Jahren auf weniger als 100000 Euro. Ortsvorsteherin Haid: „Nach den neuen Berechnungen der Uni Karlsruhe hoffen wir nun, dass etwas Objektives herauskommt.“ Bei der Bürgerinitiative wird man noch etwas deutlicher: „Die 12,5 Millionen Euro an Schäden sind einfach nicht darstellbar. Für einen Hochwasserschutz von Riet genügen kleinere Sachen.“
„In die Kompetenz der
Uni Karlsruhe haben
wir Vertrauen“
Gerhard Köbele, Sprecher der
Bürgerinitiative „Angemessener
Hochwasserschutz im Strudelbachtal“
Trotz dem vorläufigen Stopp der großen Hochwasserschutz-Lösung im Strudelbachtal bleibt das weitere Vorgehen spannend. Köbele: „In die Kompetenz der Uni Karlsruhe und deren Arbeit haben wir Vertrauen. Es ist uns allerdings auch bewusst, dass die Neuberechnung der Hochwasserabflüsse nur die eine Seite der Medaille ist, die andere aber die Umsetzung der Rechenergebnisse in konkrete Hochwasserschutzmaßnahmen. Hier haben wir die Erwartung, dass auch die Vorstellungen des Landtagsabgeordneten der Grünen, Dr. Bernd Murschel, bezüglich eines umweltschonenden Hochwasserschutzes Berücksichtigung finden.“ Der Leonberger Abgeordnete hatte erst kürzlich neben den technischen auch die ökologischen Aspekte des Hochwasserschutzes angesprochen. „Durch die Einbeziehung des gesamten Wassereinzugsgebiets in die Schutzmaßnahmen können massive Einschnitte in das Landschaftsbild vermieden werden. Damit wäre eine typische win-win-Situation erreicht, wo Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit in die gleiche Richtung gehen“, so Murschel.
