Mühlacker (aa). Das war’s für Arno Schütterle! Acht Jahre sollten genug sein, fanden am Sonntag die Wähler in der Großen Kreisstadt unterm Sender. Frank Schneider ist der neue Oberbürgermeister, der im Duell mit Schütterle klar dominiert hat (siehe VKZ von gestern).
Gerade mal in einem Wahllokal (Gaststätte Klotzberg in Enzberg) lag der amtierende OB vor seinem Herausforderer – und das mit einer Stimme Unterschied (72:71). Ansonsten hängte der FDP-Stadtrat, der schon vor acht Jahren der Gegenkandidat von Schütterle (Grüne) war, damals allerdings in der Stichwahl nur 42,6 Prozent erreicht hatte, den „Titelverteidiger“ mühelos ab, schraubte seine Quote in Lienzingen und Lomersheim sogar auf über 65 Prozent hoch (siehe Tabelle). Das schlechteste Ergebnis kam für den Rechtsanwalt in der Kernstadt zusammen (59,41 Prozent). Schütterle erzielte seine besten Resultate in Enzberg (42,16 Prozent, vor acht Jahren waren es 55,6!) und in der Kernstadt von Mühlacker (40,03 Prozent/2001: 56,15 Prozent). Auch die Großglattbacher, 2001 noch eine feste Bank für den 51-jährigen Diplom-Agraringenieur (damals 60,91 Prozent), ließen den OB diesmal hängen, bescherten ihm gerade mal eine Quote von 39,91 Prozent.
Insgesamt enttäuschend war die Wahlbeteiligung von gerade mal 46,85 Prozent (drei Prozentpunkte weniger als 2001).
Auf die Rubrik „Sonstige“ sind insgesamt 45 Stimmen entfallen. Davon erhielt Harald Pfrommer alleine 15, sieben gingen an Thomas Knapp, den Sohn des ehemaligen Oberbürgermeisters Gerhard Knapp und SPD-Landtagsabgeordneten. Johanna Bächle (Leiterin der Volkshochschule) und Bürgermeister Winfried Abicht wurden mit je drei Stimmen beglückt.
Der neue OB, der sein Amt am 1. Januar antreten wird, gab sich „zutiefst gerührt“. Es sei für ihn schon etwas Besonderes, in Mühlacker Oberbürgermeister geworden zu sein. Er werde das Amt führen, „dass sie zufrieden mit mir sein können“, versprach er am Wahlabend.
Arno Schütterle zeigte sich überrascht vom Wahlergebnis. Aber die Stadt habe gewählt, das Ergebnis sei klar. Zu bedauern sei die schlechte Wahlbeteiligung, was er als sein Manko ansieht. Was die Dauerkritik aus dem Gemeinderat an seiner Person bewirkt habe, mochte er nicht einschätzen. Schuldzuweisungen wollte er keine machen.
Und wie sieht seine Zukunft aus? Diese Frage wurde gestern mit Sicherheit oft an Schütterle gestellt. Die Antwort über den städtischen Pressesprecher Gerhard Maresch: „Er will sich dazu zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern.“
Der neue Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Mühlacker ist 47 Jahre alt, seit 1990 verheiratet mit Patrizia und Vater von zwei Söhnen (14 und 16 Jahre alt). Schneider war bisher als Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht tätig. Die Arbeit in der Kanzlei wird er seinen Partnern übertragen. Schneider ist Stadtrat für die FDP und deren Fraktionsvorsitzender. Der ehemalige Vorsitzende des Gewerbevereins hatte sich im Wahlkampf mit dem Slogan „Mühlacker einen“ für ein stärkeres Wir-Gefühl stark gemacht.
