Donnerstag, 24. Mai 2012

Quelle-Shops müssen umsatteln




Ausverkauf in Gündelbach: Ursula Hallmannsecker stellt von Quelle auf Neckermann und andere Lieferanten um. In der Auslage ihre letzten Geräte der Quelle-Hausmarke Privileg. Foto: Küppers
Ausverkauf in Gündelbach: Ursula Hallmannsecker stellt von Quelle auf Neckermann und andere Lieferanten um. In der Auslage ihre letzten Geräte der Quelle-Hausmarke Privileg. Foto: Küppers

Vaihingen (rkü). Die Insolvenz des Versandhauses Quelle bringt nicht nur tausenden Beschäftigten an den Quelle-Standorten die Arbeitslosigkeit, auch in Vaihingen sind die Auswirkungen zu spüren. Bei den Betreibern von Quelle-Shops und ähnlichen Geschäften herrscht große Verunsicherung, wie es weitergeht.

Ursula Hallmannsecker gehörte in der Region zu den Ersten, die ein Geschäft eröffneten, in dem die Waren aus dem Quelle-Katalog angeboten wurden. „Am 17. Februar 1984 habe ich mit der Quelle-Agentur in Gündelbach begonnen“, erinnert sich die 65-Jährige. Dort betrieb sie das Geschäft unter wechselnden Namen: Anfangs als Quelle-Agentur, dann etwa zehn Jahre lang als Quelle-Shop und in den letzten Monaten als Quelle Bestellannahme plus. Die Kunden blieben die gleichen. Jetzt ist der Quelle-Konzern Geschichte.

Kurz nach Ursula Hallmannsecker eröffneten Paul Kühnle in Kleinglattbach und Gerd Grambow in Vaihingen ebenfalls Quelle-Shops. Wie es nach der Quelle-Insolvenz weitergeht? „Wir wissen es noch nicht“, bekennt Paul Kühnle. „Auf jeden Fall sind wir nach wie vor jeden Tag da“, ergänzt seine Frau Sieglinde. Denn auch wenn das „90-Prozent-Standbein Quelle“ wegbricht, wie sie es bezeichnet, scheint das Geschäft der Kühnles dennoch zukunftsfähig zu sein. Künftig sollen alternativ die Waren aus den Katalogen von Neckermann und Schwab/Otto-Versand angeboten werden. Außerdem werden Annahmestellen für Reinigung und Schuhreparaturen unterhalten.

Ähnlich liegt der Fall in Gündelbach, wo Ursula Hallmannsecker ebenfalls auf Neckermann und Schwab/Otto-Versand umgestellt hat. Außerdem bietet sie schon längst Schreibwaren in ihrem kleinen Geschäft an, das auch als Umschlagstelle für den Dorfklatsch dient. Auch in der Vaihinger Grabenstraße, wo der Quelle-Shop von Gerd Grambow angesiedelt ist, könnte der Fortbestand durch ein Umschwenken auf andere Anbieter gewährleistet sein.

Noch herrscht bei den Betreibern, aber auch ihren Kunden, die große Verunsicherung. Sieglinde Kühnle sagt: „Wir sind sehr enttäuscht.“ Über viele Jahre hinweg sei sie von dem Unternehmen und der Qualität seiner Waren voll überzeugt gewesen und habe dies auch nach außen hin vertreten. „Am Donnerstag haben wir aus der Zentrale eine E-Mail bekommen, dass das gesamte Unternehmen liquidiert wird. Wir haben nicht einmal mehr einen Ansprechpartner, der unsere dringendsten Fragen beantworten würde“, klagt Kühnle. Noch Mitte September hätten sie die Nachricht bekommen, zu den tausend Shop-Betreibern zu gehören, mit denen Quelle noch einmal durchstarten wolle. Dass das Unternehmen am Ende ist, mussten die treuen Shop-Betreiber aus der Presse erfahren. Die Umstände, wie die Insolvenz abgewickelt wird, stimmen die Geschäftsleute aus Kleinglattbach traurig und wütend zugleich. „Unsere Provision für den Zeitraum von Januar bis jetzt und eine Prämie, die uns für den guten Umsatz zustehen würde, müssen wir jetzt beim Insolvenzverwalter anmelden.“ Große Chancen, ihr Geld zu erhalten, sehen sie nicht.
Ursula Hallmannsecker sieht die Sache pragmatisch. „Alles, was bei mir im Geschäft noch steht, habe ich schon bezahlt und kann es jetzt abverkaufen. Auch in den vergangenen Tagen sind noch Pakete mit Lieferungen gekommen.“ Ob neue Bestellungen in den Logistikzentren noch bearbeitet werden, sei aber offen.

Im Rückblick auf beinahe 26 Jahre mit Quelle sagt sie: „Früher war vieles anders, aber die Kunden haben mir immer die Treue gehalten.“ So kämen auch im Internet-Zeitalter immer wieder Leute zu ihr, die sich im Internet informiert und sogar die Bestellung zusammengestellt haben, die Ware dann aber über die Betreiberin des Geschäfts ordern. Auch Sieglinde Kühnle sagt: „Das Internet hat sich zwar bei unseren jungen Kunden ausgewirkt. Aber viele schätzen es, dass bei uns keine Versandkosten anfallen und sie nicht zu einer bestimmten Zeit auf den Postboten warten müssen.“ Probleme mit der Abwicklung von etwaigen Garantiefällen sieht Kühnle nicht auf sich zukommen: „Wir hatten in fast 25 Jahren nur ein einziges Mal Ärger mit einer defekten Waschmaschine – und die war nicht von der Quelle-Marke Privileg, sondern von einem anderen Hersteller.“




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