Lärmschutz auch für die andere Seite?
Illingen (elf) – Im Rahmen der Bebauung des Luig-Areals in Illingen wird es erforderlich sein, entlang der benachbarten Bahnlinie eine Lärmschutzwand zu errichten. Anwohner auf der anderen Seite befürchten dadurch eine Reflexion des Schalls und damit mehr Zuglärm. In einer langen Diskussion mit der Verwaltung forderte der Gemeinderat am Mittwoch einen Vor-Ort-Termin.
Bauamtsleiterin Ottilie Läkemäker berichtete, dass die Bahn am Samstag (31. Oktober) mit der Sanierung der Bahnsteige des Illinger Bahnhofs beginnen will. Die Arbeiten hierfür würden bis Weihnachten immer samstags und sonntags stattfinden. Da sich dadurch eventuell der Standort für die geplante Lärmschutzwand verändern könne, müsse das erstellte Lärmgutachten nochmals überarbeitet werden.
Bereits in der Bürgerfragestunde zu Beginn der Sitzung wurde das Thema Lärmschutzwand angesprochen. Anwohner wunderten sich, warum die Gemeinderäte offenbar nichts von einem Brief an die Verwaltung mit 113 Unterschriften wussten, in dem sie auf ihre Sorgen bezüglich der Lärmschutzwand aufmerksam machten.
Dies war später auch das die Diskussion beherrschende Thema. Ingeborg Beller (UBL) leitete ein: „Wir haben doch die Besichtigung einer Lärmschutzwand vorgehabt. Warum machen wir so etwas nicht?“ Bauamtsleiterin Ottilie Läkemäker antwortete, dass man dort mit dem Gehör nicht genau orten könne, wie sich der Zuglärm mit oder ohne Lärmschutzwand verhält. Susi Rapp (Grüne) wies darauf hin, dass die Bewohner nördlich der Bahnlinie befürchten, durch die Wand schlechter gestellt zu werden. „Wir sollten deren Sorgen und Nöte auch berücksichtigen.“ Außerdem verstehe sie es nicht, wie mehr als 100 Unterschriften unter den Tisch fallen können. Ihr Fraktionkollege Armin Pauli betonte, dass man doch sagen können müsse, „ob es mit Lärmschutzwand auf der Nordseite schlimmer wird oder nicht“. Ottilie Läkemäker wies darauf hin, dass solche Lärmschutzwände hochabsorbierend seien und sich in puncto Bahnlärm nichts verändere: „Die Bewohner der Nordseite werden keine Nachteile haben.“
Heidi Bopp (CDU) forderte ebenfalls eine Besichtigung, die darüber hinaus messtechnisch begleitet werden soll. „Damit kann man Ängste abbauen“, so Bopp. Edgar Mantai (SPD) ergänzte, dass man die Anwohner zu dem Termin mitnehmen sollte. Im Übrigen liege ihm das Schreiben der Anwohner auch nicht vor. „Ein großes Versäumnis“, rügte sein Fraktionskollege Klaus Kluge. Winfried Scheuermann (CDU) forderte einen Vor-Ort-Termin, bei dem Manfred Spinner vom Ingenieurbüro für Schallimmissionsschutz, der das Lärmschutzgutachten anfertigte, informiert. Bürgermeister Harald Eiberger fand diesen Vorschlag gut, wies allerdings darauf hin, dass nicht im ganzen Land solche Lärmschutzwände stehen würden, wenn sie nicht zulässig und wirksam wären. „Wir sollten das nicht so formal sehen“, warf Peter Pförsich (Grüne) ein. „Den Menschen sollte vermittelt werden, dass man ihr Problem ernst nimmt.
Bürgermeister Eiberger sagte den gewünschten Vor-Ort-Termin zu, drückte aber aufs Tempo und wollte wenigstens den Segen des Gemeinderats, das Ingenieurbüro I.S.T.W. Ludwigsburg schon mal mit der Ausführung der Planung und Ausführung der Lärmschutzwand beauftragen zu können. „Das eine kann man ohne das andere machen“, befand der Schultes. „Außerdem sind wir im Gespräch mit Investoren. Jeder Tag, den wir verlieren, kostet den Steuerzahler Geld.“ Doch letztlich fand ein Antrag von Klaus Kluge (SPD), den Tagesordnungspunkt komplett zu vertagen, eine Mehrheit im Gremium. Das heißt: Erst wenn ein Vor-Ort-Termin stattgefunden hat, wird erneut debattiert.
Aus dem Lärmschutzgutachten für den Geltungsbereich des Luig-Areals geht hervor, dass bis 2015 „eine gravierende Zunahme des Güterverkehrs erwartet wird“, was zu entsprechendem Lärm führe. Die schalltechnische Orientierungswerte für allgemeine Wohngebiete werde tags und nachts „deutlich überschritten“. Lärmschutzmaßnahmen in Form einer zweieinhalb Meter hohen Lärmschutzwand seien erforderlich. Hinweis für die Bewohner der nördlichen Bahnseite: „Zur Vermeidung störender Schallreflexionen ist die Lärmschutzwand auf der zur Bahnlinie gewandten Seite hochabsorbierend auszubilden“, heißt es in der Zusammenfassung des Gutachtens.
