Ziehen FSR-Schüler in Container um?
Vaihingen (elf) – Nach dem Brand in einer Mädchentoilette in der Vaihinger Ferdinand-Steinbeis-Realschule vor einer Woche zeichnet sich nun ab, dass ein großer Teil der Schüler nach den Herbstferien in Containern unterrichtet werden muss. Da sich Rußpartikel im gesamten Schulgebäude verteilt haben, sind Reinigungsarbeiten in großem Umfang notwendig geworden.
„Eigentlich können wir uns jetzt auch als Brennpunktschule bezeichnen.“ Olaf Büscher, Rektor der Ferdinand-Steinbeis-Realschule (FSR) in Vaihingen, hat seinen Humor noch nicht verloren. Und das, obwohl bis auf Weiteres an einen geordneten Tagesablauf an der Realschule nicht zu denken ist. Vier Klassenzimmer und der Chemieraum im Neubau sowie drei Technikräume, zwei Räume für Hauswirtschaft und Textil, ein Kunstraum und die Mensa – mehr Zimmer stehen der Schule derzeit nicht für den Unterricht zur Verfügung. „60 Prozent des Unterrichts findet statt“, freut Büscher dennoch. Direkt nach dem Brand habe es noch danach ausgesehen, als seien für jede Klasse mangels Räumlichkeiten gerade mal zehn Wochenstunden Unterricht möglich. Inzwischen gibt es jedoch keine Klasse mit weniger als 17 Stunden, manche haben sogar bis zu 22 Stunden Unterricht. Sonst sind es 32 im Schnitt. „Wir sind angenehm überrascht“, sagt der Schulleiter. Der Ganztagesunterricht könne im Übrigen wie gewohnt stattfinden.
Viel Arbeit war es, bis der Notfall-Stundenplan für alle Klassen stand. In der Nacht von Samstag auf Sonntag – genauer um 0.33 Uhr – wurde der Plan ins Internet gestellt. „Von da an war Ruhe“, so Büscher. Offenbar sei es für Schüler und Eltern mittlerweile selbstverständlich, sich über die Internetseite www.fsr-vai.de über Aktuelles zu informieren. In diesem Zusammenhang lobt Büscher alle vom Brand Betroffenen, dass sie für die schwierige Situation an der Schule Verständnis aufbringen. „Dass es keine Beschwerden gibt, ist ein Zeichen für das Wir-Gefühl an unserer Schule.“
Und das, obwohl die Bedingungen an der FSR derzeit alles andere als optimal sind und Flexibilität von Lehrern und Schülern verlangen. So findet der Unterricht mitunter bis 16.45 Uhr statt. Es kommt unweigerlich zu Doppelbelegungen von Räumen. In Fachräumen, wo sonst 14 Schüler unterrichtet werden, drängen sich derzeit bis zu 30 Schüler. Auch in die Mensa wurde ausgewichen. Dort müssen die Schüler allerdings um 11 Uhr draußen sein, damit die Vorbereitungen fürs Mittagessen um 12 Uhr getroffen werden können. Da kann es schon mal vorkommen, dass das Essen bereits vor der Tür steht und drinnen noch unterrichtet wird.
Soweit zum Status Quo an der Realschule. Doch wie soll es weitergehen? Gestern Vormittag war immer noch ein von der Württembergischen Gemeindeversicherung beauftragter Chemiker damit beschäftigt, die Schadstoffbelastung in der Luft zu messen. Nach erstem Zögern gegenüber der Presse („Ich darf Ihnen nichts sagen“), gibt es immerhin eine Tendenz: „Ich bin überrascht, wie sauber die Luft im Gebäude ist“, ist zu erfahren.
Doch was Bürgermeister Wilfried Nestle gestern Nachmittag gegenüber unserer Zeitung und am Abend im Gemeinderat berichtete, machte jede Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zum normalen Schulalltag zunichte. „Uns steht eine verhältnismäßig groß angelegte Sanierung mit allen Konsequenzen bevor“, sagte der Erste Beigeordnete. In sämtlichen Etagen müssten 60 bis 75 Prozent der Decken demontiert werden. Eine für diesen Zweck zertifizierte Firma müsse dann alle vom Ruß befallenen Bereiche reinigen. Die Arbeiten werde die Versicherung in einem beschleunigten Ausschreibungsverfahren in Auftrag geben. „Wir wollen so schnell wie möglich beginnen und die Herbstferien für die ersten Arbeiten nutzen“, sagte Wilfried Nestle. Die gesamten Arbeiten sollten nach Möglichkeit in einem Aufwasch durchgeführt werden, was mindestens ein halbes Jahr in Anspruch nehmen würde. „Wir ziehen deswegen in Erwägung, Container für den Schulunterricht aufzustellen“, sagte Nestle, der darauf hinwies, dass von anderen Vaihinger Schulen Angebote kamen, deren Räumlichkeiten mitzubenutzen. Die Stadtverwaltung werde diesbezüglich umgehend mit der Schulleitung der FSR eine Lösung erarbeiten.
Vielleicht gibt’s dann ja auch Toiletten-Container, denn alle Schüler und Lehrer teilen sich derzeit im Altbau sowie im Neubau je eine Mädchen- und eine Knabentoilette…
