Illingen (elf) – Die Seestraße in Illingen ist eine der meist frequentierten Verkehrsadern im Ort. Zwei Ärzte, eine Apotheke sowie eine Postagentur sorgen vor allem im vorderen Bereich der Straße für viel Belebung. Tristesse dagegen im hinteren Teil. Leer stehende und marode Häuser betteln schon lange nach Aufmerksamkeit. Die gibt es nun in Form eines Konzeptes der Firma Living Communities aus Schützingen.
Viele Gebäude in der Seestraße haben eine Jahrhunderte lange Geschichte und wurden oftmals landwirtschaftlich genutzt. Doch dies ist schon lange Vergangenheit – einige Gebäude in der Sackgasse stehen leer und lassen sich mitunter nur schwer verkaufen. Die Stadtplanungsfirma Living Communities hat sich nun den Bereich Seestraße 21 und 24 vorgenommen und unter dem Namen „Seecarré“ Maßnahmen vorgeschlagen, die in mehreren Bauabschnitten umgesetzt werden könnten. „Das ‚Seecarré‘ in Illingen soll eine in mehrfacher Hinsicht wegweisende Maßnahme zeitgemäßer Kommunalentwicklung werden“, heißt es in dem Konzept. Das Ortszentrum und der alte Kern von Illingen würden derzeit in zwei isolierte Stadtteile auseinander fallen, das Luigareal avanciere nicht zuletzt aufgrund seiner Erschließung über die Wilhelmstraße zum dritten Stadtteil. Für eine attraktive Kommunalentwicklung sei es notwendig, die drei Stadtteile zu einer „zusammenhängenden, lebenswerten Mitte“ zu verschmelzen. Das „Seecarré“ könne dabei eine Brückenfunktion übernehmen. Vorgesehen ist eine Mischung von Wohnen, Dienstleistung und Gewerbe.
Das Konzept beinhaltet eine Auflösung der Sackgasse „in ein kleines, offenes Wohn- und Genussquartier mit Übergängen zur Bachstraße. Das Gebäude Seestraße 24 soll abgebrochen und durch vier Reihenhäuser ersetzt werden. Gleichzeitig sieht das Konzept die Sanierung des gemeindeeigenen Gebäudes Seestraße 21 vor. Dieses Haus soll durch einen Neubau ergänzt werden. Beide Gebäude sollen anschließend durch einen Glasbau verbunden werden. Für die Nutzung dieses Bereichs ist ein Kreditinstitut angedacht. Dieser erste Bauabschnitt ist allerdings an die Realisierung der weiteren Bauabschnitte geknüpft. Der zweite Bauabschnitt sieht die Ergänzung der Nutzung als Bank durch einen Gebäuderiegel quer zur Seestraße mit Blick über die angrenzenden Kleingärten vor. Der dritte Bauabschnitt rückt die Scheunen am Schmiebach in den Focus. Die bestehenden Scheunen sollen abgebrochen und durch Wohn- und Geschäftsnutzung ersetzt werden. Für die Erschließung sind mehrere Übergänge über den Schmiebach notwendig
„Das Seecarré soll mit diesem Konzept ein Referenzmodell für zukünftige Maßnahmen der Stadtplanung und der innerstädtischen Lebensqualität“, heißt es in der Visionsplanung der Firma Living Communities. Ziel dieser Form der Kommunalentwicklung sei es, „mit Attraktivität und bedarfsgerechten Lösungen die Landflucht zu stoppen“. Anspruchsvoller Wohnraum soll auf kleiner Grundfläche realisiert werden und somit bezahlbar sein.
Baurechtlich betrachtet weicht das städtebauliche Konzept „Seecarré“ von den Festsetzungen des rechtskräftigen Bebauungsplans ab, der daher geändert werden müsste. In seiner Sitzung morgen Abend um 19 Uhr hat der Illinger Gemeinderat darüber zu befinden. Ringt sich das Gremium zu einer Änderung des Bebauungsplans durch, so muss es gleichzeitig entscheiden, ob sich die Änderung auf das gesamte Konzept oder lediglich einen Teilbereich beziehen soll, für den bereits eine Bauvoranfrage (Bauabschnitt eins) vorliegt. Der Beschlussvorschlag seitens der Verwaltung beinhaltet außerdem, dass die Kosten des Bebauungsplanverfahrens sowie Kosten, die der Gemeinde im Zusammenhang mit der Baumaßnahme entstehen, von Living Communities zu tragen sind.
