Sersheim (aa). Der Schultes nahm kein Blatt vor den Mund. „Ich kann sagen was mir stinkt“, meinte Jürgen Scholz, als es am Freitagabend im Gemeinderat von Sersheim um das Thema „Fortentwicklung der Hauptschule“ ging. Und es stinkt ihm vieles.
Höchst unglücklich sei das, was die Landesregierung da treibe. Gute funktionierende Strukturen würden kaputt gemacht. Und es komme nichts Besseres nach. Das Land schaffe Bildungsmoloche. Man müsse aber jetzt gezwungenermaßen eine Entscheidung treffen, wenn die Sersheimer Hauptschule (derzeit 110 Schüler) eine Zukunft habe soll.
Dabei hat man sich in Sersheim in Richtung Sachsenheim orientiert (auch mit Vaihingen hat es Gespräche gegeben), zusammen mit der Stadtverwaltung Sachsenheim einen zweigeteilten Antrag erarbeitet, einen „pädagogisch sinnvollen“ und einen „weniger sinnvollen, der jedoch gesetzeskonform wäre“. Bürgermeister Scholz sieht als einzigen Vorteil die räumliche Nähe.
Mit der Sachsenheimer Werkrealschule soll es künftig eine Kooperation geben, da in Sersheim die Kriterien für eine zweizügige Werkrealschule nicht zu bewerkstelligen wären. „Ohne eine Kooperation geht es nicht“, stellte Rektor Werner Wöhr im Gemeinderat klar. Vorstellen könnte man sich eine Werkrealschule, die die Schulen in Hohenhaslach, Sachsenheim-Stadt und Sersheim umfasst und bei der jede Schule im Prinzip eigenständig arbeitet (mit Kooperationsprojekten) und die gleiche Stellung hat – mit der Schulleitung vor Ort, „damit bei Problemfällen schnell reagiert werden kann und man den Bezug zu den Schülern hat“ (Wöhr). Da winkt jedoch das Schulamt ab. Eine Schulleitung für alle Kooperationsschulen sei das Ziel. Dennoch will man versuchen, das Modell durchzubringen und hat auch bereits einen Termin an höherer Stelle im Regierungspräsidium vereinbart. Bei Variante B gebe es eine Schulleitung für die Hauptschule mit Werkrealschule (die Grundschulen blieben eigenständig), allerdings will da Hohenhaslach nicht mitziehen. Die Hauptschüler würden statistisch zu Sachsenheim gerechnet; der Unterricht würde zumindest für die Klassen 5 bis 7 weiter in Sersheim erfolgen; nach Lage der Dinge in den überschaubaren Klassengrößen wie bisher.
„Wir brauchen den Status der Werkrealschule“, machte Rektor Wöhr deutlich, „auch wenn dabei kein Millimeter anders unterrichtet wird als in der Hauptschule.“ Und es wäre aus seiner Sicht „elend schade, wenn es in Sersheim nicht weitergehen würde“ – notfalls halt als Außenstelle von Sachsenheim.
Der Frust über die Vorstellungen der Landesregierungen war natürlich auch aus den Wortmeldungen der Gemeinderäte herauszuhören. Es sei paradox, wenn es nur um den Titel der Schule gehe, wo doch der gleiche Stoff unterrichtet werde. Man dürfte nicht kampflos aufgeben, müsse sich wehren. Letztlich wurde der Bürgermeister ermächtigt, den Vorschlag A in den Verhandlungen zu fordern – und den Hilfsantrag B nachschieben zu dürfen.