Nach Brand: Realschüler haben Zwangspause
Vaihingen (aa). Rauchentwicklung in der Realschule! Diese Meldung bringt in der Nacht zum Donnerstag die Vaihinger Feuerwehrleute in Wallung. B4-Alarm ist angesagt. Höchststufe! Auch wenn keine Schulzeit ist. Beim Feuer in der Ferdinand-Steinbeis-Schule kommt zwar niemand zu Schaden, doch die Schule bleibt wegen Reinigungsarbeiten vorläufig geschlossen.
Hausmeister Helmut Szemerits hat sich das Fußballspiel seines VfB angeschaut. Er wohnt oben im Schulgebäude und kommt gegen 21.30 Uhr heim. „Da steh' ich vor einer Rauchwand im Foyer“, schildert er. „Es gab kein Durchkommen.“ Szemerits kommt noch in den Hausmeisterraum neben dem Haupteingang, wo er Feuerwehr und Polizei alarmiert. „Es hat keine zehn Minuten gedauert, bis die Wehr da war“, lobt er.
45 Wehrleute rücken aus. Brand-4-Alarm. Alle Führungskräfte der Vaihinger Gesamtwehr werden vom Vorfall in Kenntnis gesetzt. Die Atemschutzträger machen sich fertig, kämpfen sich durch den Rauch. Es sind etliche ehemalige Realschüler darunter, die das Gebäude in- und auswendig kennen. „Wir suchen noch“, informiert Stadtbrandmeister Thomas Fais den herbeigeeilten Rektor Olaf Büscher. „Ich war noch um dreiviertel neun im Haus“, berichtet Büscher. Griechischkurs war angesagt. Und es seien weitere Lerngruppen der Volkshochschule im Haus gewesen.
Sieben Feuerwehrfahrzeuge
in Stellung
Belüfter werden aufgebaut, sieben Feuerwehrfahrzeuge werden in Stellung gefahren, das Rote Kreuz ist mit zwei Rettungsfahrzeugen vor Ort. Gespanntes Warten der Wehrleute. Was werden die Atemschutzträger melden? Nach wenigen Minuten ist die Lage klar. „Der Brandherd war in einer Damentoilette“, meldet Abteilungskommandant Thomas Korz, „alles unter Kontrolle.“ Die Wasserschläuche können wieder abgebaut werden. Eine Kübelspritze mit 20 Litern Wasser reicht aus, um die Glut zu ersticken. Wenig später können sich die Polizeibeamten, der Rektor und sein Hausmeister selbst ein Bild machen. Der Raum ist völlig schwarz. Der Halter der Handtuchrolle ist verschmolzen. Darunter hing mal ein Papierkorb.
Hat eine unachtsam weggeworfene Zigarettenkippe den Brand verursacht? Hausmeister Szemerits runzelt die Stirn: „Am Abend werden die Papierkörbe normalerweise vom Reinigungsdienst geleert.“ Und Rektor Büscher macht sich dann auch so seine Gedanken… „Wir werden den betroffenen Bereich absperren“, sinniert Büscher gegen 22.15 Uhr, „morgen ist wieder Schule.“ Auch Oberbürgermeister Gerd Maisch ist vor Ort und wird um Rat gefragt. Gemeinsam wird festgelegt: Bis zum Wochenende fällt die Schule aus. Durch das ganze Haus sind Rußflocken gezogen. „An einen Unterricht ist am Donnerstag und am Freitag nicht zu denken“, teilt Büscher noch kurz vor Mitternacht mit. „Wir müssen das Haus einer Generalreinigung unterziehen.“ Für eine Information in der Zeitung vom Donnerstag ist es aber leider schon zu spät.
So gut es geht wird noch informiert, vor allem auch über das Internet – in der Hoffnung, dass der eine oder andere noch im Netz ist. Den Schülern wird am anderen Morgen eine Betreuung im Anbau angeboten – sie verzichten dankend darauf und ziehen lieber recht frohgemut wieder heim.
Sie werden nach Auskunft von Olaf Büscher noch länger keine Schule haben. „Auch am Montag ist definitiv kein Unterricht, unter Umständen fällt er auch in der kommenden Woche ganz aus“, sagt Büscher. Das sei der dringende Rat von Experten der Württembergischen Gebäudeversicherung. Es sei davon auszugehen, dass sich die Sanierungsarbeiten bis in die Herbstferien hinziehen.
Notunterricht in zwei Räumen
im Neubau
Eine Ausnahme gibt es jedoch: Die Ganztagesklasse wird regulär im vom Brand nicht betroffenen Neubau betreut. Und für die Schüler, die daheim unbeaufsichtigt sind, wird im gleichen Komplex in zwei Räumen ein Notunterricht angeboten: klassen- und fächerübergreifend. Heute findet ein Durchgang mit einem Brandsachverständigen statt; auch ein Chemiker wird eingebunden. Bevor die Ergebnisse der Untersuchungen nicht vorliegen, soll es aus Sicherheitsgründen im betroffenen Teil keinen Schulbetrieb geben.
Wie hoch letztlich der durch das Feuer verursachte Gesamtschaden ist, kann nur schwer taxiert werden. In Unkenntnis der neuen Entwicklung hat die Polizei am Morgen noch 10000 Euro gemeldet.
Sind die Schulen sicher? Diese Frage wird nun gestellt werden. Es gibt in keiner Vaihinger Schule eine Brandmeldeanlage, der Feuerwehr ist auf jeden Fall keine bekannt. Vorhanden seien die üblichen Rauchmelder, sagt Bürgermeister Wilfried Nestle. Alle Schulen seien nach den jeweils geltenden Vorschriften gebaut worden. Und im Übrigen würden regelmäßig Brandschauen durchgeführt. Interessant sei, dass das Wirtschaftsministerium des Landes an Hinweisen für vorbeugenden Brandschutz arbeite.
Speziell in der Ferdinand-Steinbeis-Realschule wurden vor rund zehn Jahren im Treppenhaus Brandtüren mit Sensoren eingebaut. Haben sie richtig funktioniert? Die Rauchabzugsklappen haben sich auf jeden Fall geöffnet und für eine Kaminwirkung gesorgt. Rauch und Ruß konnten sich im ganzen Treppenhaus verteilen. Die Folgen sind bekannt.

