Ludwigsburg (elf) – Mit der dritten baden-württembergischen Regionalkonferenz Ehrenamt hat die Landesregierung am Dienstagabend im Ludwigsburger Kreishaus das Engagement von rund 600 Ehrenamtlichen gewürdigt. Mit der Veranstaltung sollte gleichzeitig der Dialog zwischen Politik und Ehrenamt gefördert werden.
„Ihr Engagement im kulturellen und öffentlichen Leben stärkt den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft“, sagte der Ehrenamtsbeauftragte der Landesregierung, Staatssekretär Georg Wacker. Er vertrat Ministerpräsident Günther Oettinger, der sein Kommen zwar angekündigt hatte, aufgrund der Koalitionsverhandlungen aber nach Berlin reisen musste. Baden-Württemberg sei das Land des Ehrenamts. Nirgendwo sonst in Deutschland seien die Menschen so stark engagiert. Dies sei ein Verdienst der ehrenamtlichen Struktur der Landkreise, Kommunen, Kirchen und Familien. „Das Ehrenamt hat sich gewandelt“, stellte Wacker fest. So werde freiwillige Arbeit heute nicht mehr ausschließlich innerhalb von Vereinen geleistet. Immer mehr Menschen würden sich in kurzzeitig angelegten Projekten engagieren. „Die Strukturen sind vielseitiger geworden“, so Wacker, der darauf hinwies, dass sich immer mehr Jugendliche ehrenamtlich engagieren. Sein Appell daher an die geladenen Gäste: „Schaffen Sie Zugänge durch attraktive Angebote.“ Auch die Politik leiste ihren Beitrag, den Menschen das Ehrenamt schmackhaft zu machen, indem sie bürokratische Hemmnisse abbaut. Als Beispiele nannte der Staatssekretär den Versicherungsschutz sowie Jugend-Bildungsmaßnahmen.
„Was würden wir tun ohne die Ehrenamtlichen, die die Kommunen lebendig halten“, fragte Landrat Dr. Rainer Haas. Gemeinden ohne Vereinsstruktur wären Schlafgemeinden ohne Wohlfühlcharakter. Der Landrat hob hervor, dass der Landkreis viele Aufgaben im sozialen und kulturellen Bereich wahrnehmen würde und dabei auch auf das ehrenamtliche Engagement angewiesen sei. „Wenn wir die ehrenamtlich Tätigen nicht hätten, wäre das ein Verlust für die Gemeinden und ihre Bürger“, wies Haas auf den „marktwirtschaftlichen Wert“ des Ehrenamts hin. Ohne die freiwillig geleistete Arbeit müssten diese Aufgaben von Steuergeldern finanziert werden. Der Landrat wandte sich mit dem Wunsch an die Gäste, als Multiplikatoren zu wirken, „dass wir noch mehr solche Menschen haben wie Sie“.
Insgesamt 4000 Ehrenamtliche aus allen Bereichen waren zu der Regionalkonferenz eingeladen worden. Auch Gesichter aus Vaihingen und Umgebung waren unter den Gästen zu erkennen. Unter anderem Kreisrat Albrecht Fischer aus Gündelbach, Effi Münchinger aus Vaihingen (Vorsitzende des Musikvereins). Bettina Marx aus Vaihingen (Naturerlebnisraum am Bächle), Ingrid Göbgen (stellvertretende Abteilungsleiterin Handball im TV Vaihingen), Manfred Schmalzried aus Vaihingen (Vorsitzender des Männergesangvereins), Franz Josef Hönekop aus Vaihingen (Vorsitzender des Bezirksfischervereins) und Wolfgang Fessler aus Sersheim nahmen an der Regionalkonferenz teil.
Sie war die dritte ihrer Art in Baden-Württemberg. Neben dem Dank der Landesregierung und der Gelegenheit zum Gedankenaustausch wurden drei Projekte vorgestellt, die beispielhaft für besonderes bürgerschaftliches Engagement sind. So wie das Bürgerengagement für Lebensqualität im Alter (Bela III), über das Heike Dierbach vom Landratsamt Ludwigsburg referierte. Bei Bela III handelt es sich um ein Qualitätsnetzwerk, das die Zukunft der stationären Altenhilfe mitgestalten will. Bela ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Einrichtungen der stationären Altenhilfe in Baden-Württemberg mit fast 100 Mitgliedern aus über 40 Trägern. Der Qualitätsverbund strebt einen Wandel an von rein professionellen Betreuungskonzepten hin zu neuen Formen mit Freiwilligen und Angehörigen. Bürger eignen sich in Fortbildungen Qualitäten an und bringen ihre Potenziale ein.
Matthias Müller, Präsident des Sportkreises Ludwigsburg, stellte „50 Jahre Zeltlager Untersteinbach“ vor. Seit 1959 treffen sich jedes Jahr sportbegeisterte Kinder und Jugendliche, um im Untersteinbacher Zeltlager ihre Ferien zu genießen und Gemeinschaft zu genießen. 60 Teilnehmer waren es damals, die an der Freizeit teilnahmen. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich das Zeltlager kontinuierlich weiterentwickelt und sich dabei an die Bedürfnisse der jeweiligen Jugend-Generationen angepasst. Bis heute haben über 19000 Kinder einen Teil ihrer Ferien in Untersteinbach verbracht, was den Einsatz zahlreicher ehrenamtlichen Stunden erforderte.
„Gute Geschäfte – Marktplatz für Unternehmen und Gemeinnützige“ lautet das Projekt, das Dr. Heinz Schäfer und Eberhard Daferner vom Freiwilligen Forum Ludwigsburg vorstellten. Die Marktplatz-Idee lebt vom Handel mit freiwilligem Engagement. Gemeinnützige und Unternehmen machen sich hier gegenseitig attraktive Angebote, wobei es nicht um Geld geht. Unternehmen können sich bei „Gute Geschäfte – Marktplatz für Unternehmen und Gemeinnützige Ludwigsburg“ in vielen Bereichen engagieren. Im Gespräch mit gemeinnützigen Organisationen erfahren sie, wo welches Engagement benötigt wird und wer welche Sach- und Dienstleistungen nachfragt. Die Gemeinnützigen bieten ihrerseits Gegenleistungen an, die für Unternehmen interessant sind.
Kein Wunder, dass sich Staatssekretär Wacker stolz zeigte: „Die Ehrenamtlichen sind die Leistungsträger des Staates.“
