Immer mehr Solarstrom vom Schuldach
Ludwigsburg (rkü). Der Landkreis Ludwigsburg hat bei seinen öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kreishaus eine erhebliche Einsparung des CO2-Ausstoßes erreicht. Der Ausschuss für Umwelt und Technik stimmte jetzt zu, Betreibern von Fotovoltaikanlagen weitere große Flächen auf Schuldächern zu überlassen.
Den Energieverbrauch zu minimieren, vor allem aber den Ausstoß an CO2 zu verringern, war schon 2002 Ziel des Landkreises Ludwigsburg. Damals wurde ein langfristiges Energiekonzept entwickelt. Bis zum Jahr 2020 sollte der CO2-Ausstoß gegenüber dem Jahr 1990 um 65 Prozent verringert werden. Das entspräche einer Einsparung von 5200 Tonnen des Treibhausgases pro Jahr. „Schon jetzt ist ein Rückgang um 56 Prozent erreicht worden“, verkündete Finanzdezernent Albert Walter. Darum wird mittlerweile infrage gestellt, ob man an dem ursprünglichen Ziel noch festhalten soll.
Das Konzept des Landkreises stützt sich auf drei Säulen. Einerseits sollte durch bauliche Maßnahmen grundsätzlich der Energiebedarf verringert werden. Die benötigte Energie sollte möglichst nicht mehr aus fossilen Energieträgern gewonnen werden, sondern es sollte erneuerbare Energie genutzt werden. Obendrein sollte die Energieeffizienz möglichst gesteigert werden, was durch die Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung als dritter Säule gelang.
Die Umstellung von konventionellen Energieträgern auf erneuerbare Energien gilt hierbei als zentraler Bestandteil der Strategie, um die CO2-Bilanz aufzubessern. Da lag es nahe, dass das kreiseigene Biomassematerial energetisch genutzt wird – das Häckselgut, das aus dem Material der Häckselplätze gewonnen wird. Unter dem Motto „Grüne Wärme“ wurde ein Vertrag zwischen der AVL und dem Holzheizkraftwerk der Stadtwerke Ludwigsburg geschlossen. Die Anlieferung von Häckselgut soll über einen Fernwärmeanschluss für die Heizung des Kreishauses und einiger Nebengebäude ausreichen.
Als aktuellste Maßnahme stimmte der Ausschuss für Umwelt und Technik jetzt dem Vorhaben zu, weitere Schuldächer für die Gewinnung von Solarstrom zur Verfügung zu stellen. Als Partner kommen hierbei Betriebe zum Zug, mit denen der Landkreis bereits jahrelang in Geschäftsbeziehung steht. Auf den Dächern des beruflichen Schulzentrums Ludwigsburg/Kornwestheim sollen die Stadtwerke Ludwigsburg und die KWA Contracting AG zwei Anlagen mit Leistungen von 30 bis 60 Kilowatt und 85 bis 100 Kilowatt errichten. Im kommenden Jahr sollen die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen auf dem dortigen beruflichen Schulzentrum eine Anlage von 100 Kilowatt Leistung installieren. Allein durch diese drei Fotovoltaikanlagen soll sich eine zusätzliche CO2-Einsparung in Höhe von rund 120 Tonnen pro Jahr ergeben.
Die Heizungen für die kreiseigenen Schulen werden mittlerweile zu einem großen Teil (41 Prozent) durch erneuerbare Energien wie Biogas, Holzhackschnitzel oder Pellets befeuert. Außerdem wird die Abwärme mehrerer Blockheizkraftwerke genutzt, die aus Erdgas gleichzeitig Wärme und Strom gewinnen. In Verbindung mit den Fotovoltaikanlagen spricht Finanzdezernent Albert Walter von einem „Kraftwerkpark der kreiseigenen Schulen“. Dieser sorge dafür, dass der Strom im Vergleich zum „BRD-Strommix“ wesentlich umweltfreundlicher sei. Dieser ist ein bundesweit berechneter Durchschnittswert, der einen CO2-Ausstoß von 0,6 Tonnen pro Megawattstunde ausweist. Der Strom aus den Anlagen des Kreises verursacht nur Emissionen von 0,3 Tonnen CO2 pro Megawattstunde.
Im Kreishaus ist eine zusätzliche Maßnahme geplant, die in den Jahren 2010/2011 umgesetzt werden soll: Der Austausch der Flurbeleuchtung. Das Einsparpotenzial wurde auf etwa 80 Prozent der bisher benötigten 320 Megawattstunden pro Jahr berechnet. Das bedeutet eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 205 Tonnen jährlich, wenn der „BRD-Strommix“ zugrunde gelegt wird.
Im Ausschuss für Umwelt und Technik wurde von einer „beeindruckenden Zwischenbilanz“ gesprochen. Man sei auf einem guten Weg, müsse aber auch die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten. Die Grünen sahen ihre alten Forderungen und Wünsche voll bestätigt. Nur fehle noch die Komponente Wind. Dazu meinte CDU-Kreisrat Albrecht Fischer (Gündelbach): „Ich hatte die erste Windanlage im Landkreis; die steht seit 15 Jahren und arbeitet immer noch nicht wirtschaftlich.“
