Donnerstag, 24. Mai 2012

Vollbremsung und toter Winkel




Unterricht zum Schulbustraining: Karin Trostel (rechts) macht den Fünftklässlern aus der Sicht der Polizei klar, was beim Busfahren zu beachten ist. Foto: Küppers
Unterricht zum Schulbustraining: Karin Trostel (rechts) macht den Fünftklässlern aus der Sicht der Polizei klar, was beim Busfahren zu beachten ist. Foto: Küppers

Vaihingen (rkü). Zierliche Kinder mit riesigen Schulranzen drängen sich vor dem Eingang zum Linienbus. An den Ranzen baumeln zusätzlich noch Trinkflaschen und Stofftiere, die ins Gesicht des Nachbarn gedrückt werden. Ziel des gestrigen Schulbustrainings ist, das Gedränge am Bus zu entschärfen.

Die Schulen aus dem Stadtgebiet und Eberdingen, die Polizei und die Familienbildung haben sich zusammengetan, um Fünftklässler fit für den Schulweg zu machen. Für die meisten ist es eine Umstellung, seit Schuljahresbeginn mit dem Bus fahren zu müssen. Das traditionelle Gedränge kennen sie schon. Doch wie würde eine Busfahrt ohne den Ansturm auf die Bustüren aussehen?

Gestern, heute und morgen wird der Unterricht für mehr als 500 Schüler in die Schulbusse verlegt. Geübt wird vorzugsweise am Vaihinger Bahnhof und an der Haltestelle des Stromberg-Gymnasiums, weil dort am wenigsten Verkehr herrscht. Es geht aber nicht nur um das große Gedränge beim Einstieg. Auch während der Fahrt im Bus gibt es einiges zu beachten. Eindrucksvoll ist besonders die Vollbremsung, die den Kindern zeigt, wie sehr sie schon bei geringen Geschwindigkeiten wie 15 oder 30 Kilometer pro Stunde durchgeschüttelt werden. Eine Schultasche, die in der Mitte des Gangs liegt, wird weit durch den Bus nach vorne geschleudert. Wie wäre es wohl, wenn der Busfahrer bei Tempo 50 eine Vollbremsung macht oder, noch schlimmer, auf ein Hindernis kracht?
Karin Trostel, die beim Polizeirevier Vaihingen für das Schulbustraining zuständig ist, macht den Kindern klar, dass sie ihre Ranzen während der Fahrt am besten absetzen und zwischen den Beinen aufbewahren. „Wenn ihr ihn am Rücken behaltet und es zu einem Unfall kommt, dann wird euer Hals so überstreckt, dass ihr eine Halskrause braucht.“

Derweil veranstaltet Friedrich Sift, langjähriger Busfahrer und Disponent der WEG, in einem anderen Bus ein munteres Frage-Antwort-Spiel mit den Schülern. Es geht um die technischen Daten von Bussen wie Länge und Gewicht. Nach mehreren Schätzungen wissen die Schüler, dass ein normaler Bus ungefähr acht Tonnen, ein Gelenkbus aber mindestens zwölf Tonnen wiegt – ohne Schüler. „Es ist auf jeden Fall schmerzhaft, wenn einem so einer übers Bein fährt“, unterstreicht der Busfahrer. Als die Schüler ihm erklären, dass sie langsam und geordnet einsteigen, damit es am besten geht, fragt er gleich dagegen: „Macht ihr das jeden Tag so oder ist das nur ein guter Vorsatz?“

Um die Gefahren an der Haltestelle zu verdeutlichen, fahren die Busse mehrmals los, drehen eine kleine Runde und fahren wieder in die Haltestelle ein. Dabei lernen die Kinder immer besser einzuschätzen, wie weit Schnauze und Heck ausschwenken, wenn ein Bus nicht genau parallel zur Bordsteinkante fährt. Dass der Busfahrer nicht jedes Kind sehen kann, das an der Haltestelle wartet, weil sein Spiegel einen toten Winkel hat, erfahren die Kinder im Selbstversuch. Einige dürfen kurzzeitig auf dem Fahrersitz Platz nehmen, während andere an der Türe ein paar Schritte vor oder zurück laufen und dabei plötzlich aus dem Sichtfeld verschwinden oder wieder auftauchen.

Schließlich probieren die Kinder noch aus, dass die Bustüren normalerweise keinem weh tun, auch wenn er kurzzeitig dazwischen eingeklemmt wird.




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