Vaihingen (elf) – Hagelschäden im Stromberg, Pilzbefall im Enztal: Das Weinjahr 2009 war für die hiesigen Weingärtner von extremen Wetterverhältnissen und erheblichen Ausfällen geprägt. Was den Wengertern Sorge und viel Arbeit bescherte, kommt dem Verbraucher zugute. Der 2009er scheint sich, ähnlich wie der 2003er, als ein wahrer Spitzenjahrgang zu entpuppen.
Mostgewichte, die durch die Bank zwischen 85 und 100 Grad Oechsle liegen, bei den Burgundersorten über 90 Grad – kein Wunder, dass die Weingärtner nach der Ernte der Frühsorten ins Schwärmen geraten: „Das ist sensationell“, sagte Ulrich Eißler vom Weingut Steinbachhof in Gündelbach am Freitagabend, als der Arbeitskreis Vaihinger Weinbaubetriebe im Horrheimer Weinmuseum über Qualität und Menge des neuen Jahrgangs informierte. Die Weine würden samt und sonders im Spät- und Auslesebereich liegen. Das zwinge die Wengerter sogar dazu, die Weine abzustufen und als Qualitätswein abzufüllen. Wer also einen 2009er Q.b.A. (Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete) kaufen wird, kann davon ausgehen, einen Prädikatswein in der Flasche zu haben.
„Schuld“ daran ist vor allem das Wetter. Ein trockener August mit viel Sonne, ebenso der September – damit steigt der Zuckergehalt in der Traube. Die Konsequenz: Auch das Mostgewicht geht in die Höhe. Doch die hervorragende Qualität des 2009er Jahrgangs hat auch noch andere Gründe. So greifen mittlerweile auch die Qualitätsmaßnahmen durch, die von immer mehr Wengertern angewandt werden: Mengenreduzierung, um die Qualität zu steigern. Mit den Weinen der 70iger und 80iger Jahre hätten die heutigen Weine qualitativ nicht mehr viel gemeinsam. Die Steigerung sei enorm, sind sich die Mitglieder des Arbeitskreises einig.
Was für die Weingärtner indes weniger erfreulich ist: Der feuchte Juli mit starken Niederschlägen und warmer Witterung hat für starken Pilzbefall in den Weinbergen gesorgt. Vor allem das Enztal war stark davon betroffen. Hier hat der Falsche Mehltau (Peronospora) bei manchen Weingärtnern und Lagen zum Teil für 100 Prozent Schaden gesorgt. Normal und gesetzlich erlaubt ist eine Ausbeute von 110 Liter pro Ar. Im aktuellen Jahrgang liegt der Ertrag gerade noch bei 30 bis 70 Prozent. Doch auch im Stromberg machte sich der Pilz breit. „Ich habe noch nie einen solchen Pilzdruck erlebt“, sagte Albrecht Fischer vom Weingut Sonnenhof.
Trockenheit, Pilz und Qualitätsmanagement haben also für geringe Erträge und gleichzeitig gute Qualität gesorgt – und Hagel. Ein Unwetter im Juli mit Hagel war vor allem im Stromberg für Ausfälle von bis zu 70 Prozent verantwortlich. „Übermenge ist bei uns kein Thema“, sagte Willi Faigle vom gleichnamigen Weingut in Horrheim. Diese wetterbedingte Ertragsreduzierung wirkte sich am Ende ebenfalls auf die gute Qualität des Weines aus.
Wirtschaftskrise, jahrzehntelange weltweite Überproduktion, eine hohe Importquote in Deutschland – solche Dinge gehen auch am württembergischen Weinmarkt nicht vorüber. „Große Genossenschaften melden sogar Absatzrückgänge“, berichtete Arbeitskreissprecher Bernd Essig. Das sei allerdings von Region zu Region verschieden. So vermeldete Ulrich Allmendinger von der Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen zum Abschluss des Geschäftsjahres am 31. August einen Zuwachs von vier Prozent. Dies liege vor allem am stabilen Privatkundenbereich. Insgesamt sei der Markt – vor allem im Fachhandelbereich – schwieriger geworden. Ähnlich sah dies auch Martin Fischer vom Gündelbacher Weingut Sonnenhof. „Die Wirtschaftskrise spüren wir weniger bei den Privatkunden als in der Gastronomie und im Handel“, so Fischer. Weniger Gesellschaften und Feiern in der Gastronomie führe in diesem Bereich automatisch zu einem Absatzrückgang. So würden die Weinkonsumenten ihren Wein eher daheim trinken, was sich positiv auf den Privatkundenbereich auswirke.
Auch in den Besenwirtschaften sei ein Absatzrückgang zu verzeichnen, sagte Willi Faigle. Hätten die Besenbesucher früher pro Kopf vier Viertele getrunken, so seien es heutzutage nur noch anderthalb. Doch auch diesem Phänomen kann man noch etwas Gutes abgewinnen, wie Martin Fischer feststellte: Wenn der einzelne weniger trinke, sei das nicht so tragisch. „Wir suchen ja den Genießertyp.“ Und der darf sich auf den aktuellen Jahrgang freuen.
