Vaihingen (aa). Wie ist die Gefühlslage der abgestraften Kandidaten bei der Wahl der Ortsvorsteher im Vaihinger Gemeinderat? „Das muss ich erst verdauen“, sagt Kurt Erhardt aus Enzweihingen. Sieglinde Kühnle, die nur mit einer Stimme Mehrheit gewählt wurde, gibt vor, nicht deprimiert zu sein; dass es aber so eng werden würde, hatte sie nie und nimmer erwartet.
„Ich will zu diesem Ergebnis eigentlich nichts sagen“, meint Kurt Erhardt. Er müsse sich erst noch mit dem beschäftigen, was sich da am Mittwoch abgespielt habe. Doch dann redet er doch. Er habe durchaus mit Gegenstimmen gerechnet, sagt der pensionierte Lehrer, sei aber auch davon ausgegangen, dass er gewählt würde. „Ich hab' doch nichts angestellt, die kennen mich doch gar nicht“, sagt der enttäuschte Kandidat, der sich schlichtweg abgestraft fühlt. Er habe halt in der Frage der Ortsentlastung eine andere Position und könne damit auf einen Rückhalt der Wähler setzen (Erhardt wurde für die „Bürgerinitiative B10 Umgehung“ in den Gemeinderat gewählt und hat bei den Wahlen zum Ortschaftsrat mit Abstand die meisten Stimmen bekommen, 1253). Das Ergebnis bei der Kommunalwahl stuft er als Basiswillen ein. Daraus habe er seinen Anspruch auf die Position des Ortsvorstehers abgeleitet.
Woher kamen die Nichtwähler? Es muss nicht groß darüber spekuliert werden, dass die Stadträte, die sich gegen eine Zersiedelung des Enztales durch eine Umgehungsstraße wehren, nicht für den Trassen-Vorsitzenden Erhardt gestimmt haben. Und der seitherige Ortsvorsteher darf mit einem gewissen Umfeld sicherlich nicht zu den Freunden des abgeblitzten Kandidaten gezählt werden.
Wahlergebnis wird als
Verpflichtung gesehen
Fast noch überraschender ist das Ergebnis für die Kleinglattbacher Ortsvorsteherin Sieglinde Kühnle. „Die 16 Gegenstimmen hake ich ab“, sagt sie. Doch die sind ihr am Mittwochabend durchaus in die Glieder gefahren. „Zehn, zwölf Gegenstimmen habe ich schon erwartet“, gibt Kühnle zu; sie habe immer mehr Nein-Stimmen erhalten als andere, „weil ich halt auch mal ein offenes Wort wage, das nicht jedem passt und es nicht allen recht machen will“. Bei Grünen und SPD habe sich wenig Sympathisanten, weiß sie. Doch es habe sicher auch Gegenstimmen aus der eigenen Fraktion gegeben. Ihr Wechsel von der CDU zu den Freien Wählern in der letzten Legislaturperiode spielt in ihren Überlegungen über das Ergebnis nur eine untergeordnete Rolle. „Meine über 5322 Stimmen von der Gemeinderatswahl und die 1625 von der Ortschaftsratswahl sind für mich eine Verpflichtung“, unterstreicht die alte und neue Ortsvorsteherin. Sie habe bei ihrer Wahl im Ortschaftsrat versprochen, für die Gemeinde zu schaffen, das gelte nach wie vor – vielleicht aber mit der Einschränkung, „dass ich mich nicht unbedingt um jedes Schlagloch mehr kümmern werde“.
Und was sagt Oberbürgermeister Gerd Maisch, der am Mittwoch auch abstimmte, zu den Ergebnissen der Wahlen? Dass es Kurt Erhardt schwer haben würde, gewählt zu werden, habe man im Vorfeld immer wieder gehört. Er komme halt aus einer Gruppierung, „die außer dem Thema Umgehung im Prinzip nicht mehr viel zu bieten hat“. Maisch geht davon aus, dass auch im Oktober der Vorschlag für den Ortsvorsteher Kurt Erhardt heißen wird. Es seien sicherlich noch einige Gespräche nötig. Dass Sieglinde Kühnle so viele Gegenstimmen erhalten hat, hat auch Maisch etwas überrascht. „Aber sie ist halt manchmal sehr direkt, was machen aufstößt.“ Wer austeile, müsse aber auch einstecken können.
In Enzweihingen werden die Geschäfte des Ortsvorstehers kommissarisch vom bisherigen Amtsinhaber weitergeführt.