Donnerstag, 24. Mai 2012

Karlstraße: Illingen gibt Erschließung auf




Weil eine Erbengemeinschaft blockiert, kann hier an der Karlstraße in Illingen auch künftig nicht gebaut werden. Foto: Elsässer
Weil eine Erbengemeinschaft blockiert, kann hier an der Karlstraße in Illingen auch künftig nicht gebaut werden. Foto: Elsässer

Illingen (elf) – Nachverdichtung im Ort vor Flächenversiegelung im Außenbereich: Nach dieser Prämisse verfahren die Kommunen vorwiegend, wenn es um die Ausweisung neuer Wohngebiete geht. In Illingen ist dieser Wille auch zu erkennen – allein bei Grundstücksbesitzern stößt das Vorhaben nicht allenthalben auf Gegenliebe, wie die Beispiele Karlstraße und Lerchenstraße zeigen.
Harald Eiberger ist bereits der vierte Bürgermeister, der sich an dem Thema „Erschließung des Nachverdichtungsgebietes Karlstraße“ die Zähne ausbeißt. Schon zu Amtszeiten Ewald Veigels bestand in Illingen das Bestreben, in einem idyllischen Grünbereich im Wohngebiet nördlich der Ensinger Straße Wohnbebauung zu realisieren. Die Stadtentwicklung GmbH Steg in Stuttgart hatte es sich zuletzt zur Aufgabe gemacht, die Erschließung des rund 1,7 Hektar großen Gebiets voranzutreiben. Doch nicht alle Grundstückseigentümer wollten am Erschließungsverfahren teilnehmen. Nur ein Teil der Besitzer hat seine Zustimmung zum Verfahren gegeben. „Leider war es auch nach intensiven Bemühungen der Steg nicht möglich, die weiteren Beteiligten zur Unterschrift zu bekommen“, heißt es von Seiten des Illinger Bauamts. Offenbar handelt es sich um eine Erbengemeinschaft, die das Verfahren blockiert. Das Problem: Ein freiwilliges Umlegeverfahren ist nur mit Zustimmung aller Beteiligten möglich. Da inzwischen die Steg keine Perspektive mehr für die Erschließung sieht, möchte sie ihr Engagement beenden und benötigt hierfür den Segen des Gemeinderats. Diesen gab es auch in der Sitzung am Mittwochabend.
In der Aussprache kam das Bedauern darüber zum Ausdruck. „Es ist schade, dass hier die Erbengemeinschaft nicht zusammenkommt“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Eric Schach. Es sei alles versucht worden, um das Einvernehmen zu bekommen. „Jetzt sind unsere Mittel ausgeschöpft.“ Sein Fraktionskollege Winfried Scheuermann kritisierte, dass Bauwillige von anderen blockiert werden können und regte ein amtliches Umlegeverfahren an. „Das hätte man ja schon viel früher machen können“, konterte Bürgermeister Eiberger, der nun keine Lust mehr hat, „über das getroffene Maß hinauszugehen“. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Gebiet durch viel Entgegenkommen „schon vergoldet worden“. Es sei schade für die anderen Grundstücksbesitzer, dass es sich bei den Blockierern um eine einzige Erbengemeinschaft handelt. „Manchen Leuten kann man nicht helfen“, sagte Eiberger.
Mittlerweile gibt es ein weiteres Gebiet in Illingen, auf dem die Stadtentwicklung Stuttgart tätig werden will. Es handelt sich dabei um das 4,5 Hektar Bebauungsplangebiet Lerchenstraße nahe der Bundesstraße 10. Bevor die Steg allerdings ihre Unterschrift unter den städtebaulichen Erschließungsvertrag setzt, ist sie jetzt vorsichtiger geworden und möchte das Interesse bei den Grundstücksbesitzern abklopfen. So soll im Rahmen einer so genannten Erörterungsrunde mit den Grundstückseigentümern gesprochen werden, ob sie die Erschließung mittragen wollen.
Eric Schach (CDU) sprach das Kostenrisiko wegen den hohen Erschließungskosten an: „Es ist deshalb klar, dass die Leute, die dort Besitz haben, nicht mitmachen wollen.“ Armin Pauli (Grüne) warf die Frage in den Raum, ob dort überhaupt jemand bauen will. Winfried Scheuermann von der CDU schimpfte: „Es kann doch nicht wahr sein, dass wir schon wieder zurückziehen.“ Es müsse immer noch der Grundsatz Innenentwicklung vor Außenentwicklung gelten. Peter Pförsich (Grüne) entgegnete, dass es keinen Sinn mache, etwas voranzutreiben, wo man nur auf Widerstand stößt. Er sei dennoch für die Erörterungsrunde. „Das können wir uns noch antun“, stimmte UBL-Fraktionsvorsitzende Ingeborg Beller zu.
Bürgermeister Eiberger wies darauf hin, dass es bereits erste Gespräche mit den Eigentümern gegeben habe. Dabei sei deutlich geworden, dass es eventuell Probleme mit Nachbarn geben könnte und wohl auch ein Lärmschutz notwendig würde. „Reichtümer wird man in dem Gebiet nicht scheffeln können“, sagte Eiberger. Am Ende votierte der Gemeinderat mehrheitlich für die Einberufung einer Erörterungsrunde, in der die Grundstückseigentümern nochmals ihren Willen äußern können.




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