Vaihingen (ub) – Das Publikum klatschte dankbar nach den zwei Vorträgen im Löwensaal der Stadthalle Vaihingen. Für die 150 Zuhörer, die zum Vortrag der Vaihinger Kreiszeitung „Die Finanzkrise trifft uns alle“ gekommen waren, hatte Referent Frank Hertfelder eine beruhigende Formel parat: „Ruhe und Verstand behalten.“
Und noch einen wichtigen Ratschlag hatte Hertfelder, seit 2007 Vorstandsvorsitzender der Bluecon AG, nach eigenen Angaben die erste unabhängige „Finanzmanufaktur“ in Deutschland mit Sitz in Stuttgart, für die VKZ-Leser in petto: „Kaufen Sie Ihr Heizöl jetzt!“ Denn eines sei klar: Der Heizölpreis steige auf jeden Fall wieder.
Der gebürtige Vaihinger Hertfelder betrieb im Löwensaal keine pauschale Bankenschelte, sondern der Finanzwirt und Judo-Trainer, der selbst in seiner Karriere bei verschiedenen Banken arbeitete, machte sich auf Ursachenforschung für die Finanzkrise und wollte den Zuhörern von neutraler Seite Tipps geben. Schließlich gehören nach seinen Angaben die Sparkassen und Volksbanken ebenso zum Kundenkreis der Bluecon AG. „Wir beraten diese, damit sie die Kunden besser beraten können.“
Hertfelder (48) redete von der Immobilienblase (67 Prozent Eigentumsquote) in den USA und der Gier der deutschen institutionellen Anleger auf eine höhere Rendite, schlug den Bogen auf die Auswirkungen am deutschen Markt. Fragen und Antworten – Soll ich alles Geld von meiner Bank abheben? „Lassen Sie das Geld auf der Bank. Vorausgesetzt das Institut gehört der gesetzlichen Einlagensicherung und zusätzlich dem Feuerwehrfonds der deutschen Banken beziehungsweise dem Verbund von Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken an. Im internationalen Vergleich ist die deutsche Einlagensicherung herausragend.“ Sind festverzinsliche Wertpapiere interessant? „Hier muss stark unterschieden werden: Der Anleger vertraut darauf, dass am Ende der Laufzeit der Gläubiger in der Lage ist, das Geld zurückzuzahlen. Staatsanleihen wie Anleihen der Bundesrepublik Deutschland weisen eine sehr gute Bonität auf, mit einer Rendite von aktuell 4,3 Prozent. Unternehmensanleihen haben meist eine höhere Rendite, aber das Risiko eines Verlustes der Anlage.“ Soll ich jetzt Gold kaufen? „Eine Goldanlage macht vor allem dann Sinn, wenn es eine starke Geldentwertung gibt. Das ist aber in nächster Zeit nicht zu erwarten. Im Gegenteil, die Inflationsraten werden wieder fallen. Der Goldpreis unterliegt sehr starken Schwankungen und Gold bringt keine Zinsen.“ Muss ich jetzt alles Geld in Festgeld anlegen? „Anleger verdanken den Zinssprung ausgerechnet der Finanzkrise. Um ihr Kerngeschäft – Kredite vergeben – gewinnbringend betreiben zu können, müssen sich Banken fortlaufend am Geldmarkt refinanzieren, also mit frischem Kapital versorgen. Normalerweise verleihen sie sich gegenseitig Geld und verleihen es teurer an ihre Kunden weiter. Seit Ausbruch der Finanzkrise sind die Kosten für die Refinanzierung deutlich gestiegen. So ist es für die Banken oft günstiger, sich frisches Geld bei Privatkunden zu holen. Für geplante Anschaffungen im Jahr 2009 oder 2010 ein idealer Zeitpunkt.“ Was passiert mit meinem Riester- oder Rürup-Vertrag? „Riester ist Pflicht. Für Riester-Produkte schreibt das Gesetz eine Kapitalgarantie vor. Riester-Sparer sind also vor nominalen Verlusten geschützt.“ Soll ich alle Aktien verkaufen? „Hier steht der persönliche Anlagehorizont an erster Stelle. Aktien mit ordentlicher Dividendenrendite auf dem gedrückten Kursniveau zu verkaufen, macht jedenfalls für Langfristanleger keinen Sinn. Vor einem Einstieg in Einzelaktien sollte der Anleger auf Investmentfonds zurückgreifen.“ Sind Zertifikate riskant? „Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen. Sie sollten ausschließlich von Kunden gekauft werden, die exakt verstehen, wie ein solches Zertifikat funktioniert. Für den beratungsbedürftigen Anleger eher ungeeignet.“ Was geschieht mit meinen Investmentfonds? „Fonds sind bei einer Bankenpleite zu 100 Prozent sicher, den Fonds sind ein sogenanntes Sondervermögen. Für den Privatkunden ist die Umsetzung seiner individuellen Anlagestrategie mit Fonds ausgezeichnet möglich.“
In dem rund 80-minütigen Vortrag plädierte Diplom-Kaufmann Frank Hertfelder bei den monetären Entscheidungen immer „Herz und Verstand“ einzusetzen. Wichtig seien ein Vermögens-Checkup und eine fundierte Beratung. „Wir von Bluecon AG verkaufen keine Produkte, sondern bieten nur Beratungen an. Und alle unsere Kunden haben von der Krise profitiert.“
