Gündelbach – Die Auswirkungen des Klimawandels machen vor den Weinbergen nicht Halt: In den vergangenen 30 Jahren hat die Hauptlese wegen der hohen Temperaturen immer wieder im September statt im Oktober begonnen. Zudem begünstigt die Klimaveränderung den Anbau neuer Rebsorten.
In den württembergischen Weinbergen ändert sich vieles. Es wird früher gelesen, als noch vor zwei Jahrzehnten. Exotische Rebsorten wie der Cabernet Sauvignon, Syrah, Cabernet Franc und Merlot wachsen neben den bewährten Sorten Trollinger, Lemberger und Riesling. Und zunehmend müssen die Winzer gegen Pflanzenkrankheiten ankämpfen, die bisher nur in mediterranen Gefilden auftraten.
Als Ursache dafür wird vom Weinbauinstitut in Weinsberg der Klimawandel genannt. Auch Albrecht Fischer vom Weingut Sonnenhof kommt zu diesem Ergebnis: Er hat mit seinen Söhnen die Aufzeichnungen der vergangenen 30 Jahre analysiert.
Im Jahr 1984 haben die Gündelbacher noch am 18. Oktober mit der Lese begonnen. „Im vergangenen Jahr waren wir um diese Zeit bereits fertig“, sagt Fischer. Das liege daran, dass die Jahresdurchschnittstemperatur immer schneller ansteige. Vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu den 70er Jahren betrug der Anstieg etwa 0,2 Grad. Zwischen 1990 und dem Jahr 2000 waren es 0,5 Grad und bis 2010 wird ein weiterer Anstieg um ein Grad prognostiziert. „Das führt dazu, dass die Trauben schneller reif werden.“
Neben den mediterranen Pflanzenkrankheiten – wie zum Beispiel der Pilzinfektion Esca, die die Rebstöcke innerhalb kürzester Zeit absterben lässt – bringt der Klimawandel aber auch Vorteile mit sich. Weniger Trauben würden durch Frost in Winter und Frühjahr beschädigt, sagt Fischer. Und: Rebsorten aus Südfrankreich, Australien und Kanada könnten jetzt auch in Württemberg gepflanzt werden. „Diese Sorten bieten Alternativen zu den heimischen Weinen“, sagt Fischer. Cabernet Sauvignon, Syrah, Cabernet Franc und andere Trauben seien würziger im Geschmack.
Probleme gibt es aber bei der Lese: „Die Trauben haben oft eine zu hohe Temperatur, wenn sie in der Kelter ankommen“, sagt Fischer. Das bringe mit sich, dass sie gekühlt werden müssen. Sonst florieren zu viele Mikroorganismen. Zudem bestehe die Gefahr, dass der Ertrag geringer werde, wenn es in den Wachstumsphasen weniger regne und wenn durch die Sonneneinstrahlung mehr Trauben verbrennen. Deshalb müssten die Weinberge zum Beispiel bewässert und reife Trauben früher abgenommen werden. „Dann bekommen die kleinen Trauben die Sonne ab und die vertragen die Temperaturen besser“, erläutert Albrecht Fischer.
Trotz der neuen Rebsorten sollen bei den Gündelbachern die traditionellen Weine jedoch nicht an Bedeutung verlieren. Sie eignen sich noch immer gut für den Anbau, heißt es vom Sonnenhof. Es sei jedoch zu erwarten, dass die Tropfen langsam einen anderen Charakter bekommen. „Das konnte man schon im 2003er Jahrgang erkennen.“
Einem Produkt wird der Klimawandel in Zukunft immer mehr an den Kragen gehen: dem Eiswein. Die Produktion werde immer teurer. Und Frost gibt es immer seltener. „Ich glaube dennoch, dass der Weinbau in Württemberg von dem Wandel profitieren wird“, meint Fischer.
Philipp-Marc Schmid
