50 Jahre Stephanuskirche in Sersheim
Sersheim (ub) – 50 Jahre Pfarrkirche St. Stephanus in Sersheim: Dieses Jubiläum wird am Sonntag (2. November) mit einem Festgottesdienst um 9 Uhr gefeiert, an dem der Musikverein Sersheim Schuberts „Deutsche Messe“ spielen wird. Gastprediger ist Monsignore Rudi Hagmann aus Rottenburg, der zuständige Gebietsreferent der Diözese.
Doch der Festgottesdienst, der auf den Tag genau 50 Jahre nach der Einweihung der Kirche durch Weihbischof Wilhelm Sedlmaier gefeiert wird, ist nicht die einzige Veranstaltung im Jubiläumsreigen. Am 16. November heißt es um 9 Uhr in der Stephanus-Kirche „Ein Impuls von außen“, am 23. November ist das Thema „Wir sind Teil eines größeren Ganzen“. Am 7. Dezember feiert der Kindergarten im Gottesdienst mit, am Abend ist ein Konzert des Kirchenchores geplant. Am 24. Dezember wird um 16 Uhr ein musikalisches Krippenspiel aufgeführt, am 26. Dezember bildet den Abschluss der Feierlichkeiten der festliche Gottesdienst zum Patrozinium. St. Stephanus, der Patron, war Diakon der Urkirche und der erste Märtyrer der christlichen Glaubensgemeinschaft.
Drei Jahre nach der 230000 Euro teuren Innenrenovierung der katholischen Kirche in Sersheim steht so wieder ein großes Fest an. „Das ist für uns schon eine Freude“, sagt Pastoralreferent Edmund Zwaygardt. Zu dem Seelsorgebezirk Sersheim, Oberriexingen, Horrheim und Gündelbach gehören rund 2200 Katholiken, zusammen mit Sachsenheim wird eine Seelsorgeeinheit gebildet. Pfarrer ist Sunny Muckumkal.
Ein Blick auf die Anfänge der Stephanuskirche in Sersheim: Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörten die Sersheimer Katholiken zur Pfarrei nach Mühlacker. In Sersheim gab es im Mai 1939 unter 1343 Einwohnern nur 13 Katholiken. Die furchtbaren Folgen des Zweiten Weltkrieges für Millionen von Menschen veränderten auch in Sersheim das Zahlenverhältnis.
Stadtpfarrer Braun aus Mühlacker schrieb über das kirchliche Leben der Nachkriegsjahre im früheren Kreis Vaihingen: „In 38 der 42 Gemeinden des Kreises wird nun katholischer Gottesdienst abgehalten. Dazu war viel Organisationsarbeit nötig. Es brauchte aber auch viel guten Willen von seiten der Bürgermeisterämter und der evangelischen Kirchengemeinden. Was früher niemand für möglich gehalten hätte, wurde nun Wirklichkeit. Es wurden Schulsäle, Kindergärten, Wirtschaftsräume, Turnhallen, Gemeindesäle, Friedhofskirchen und sogar evangelische Pfarrkirchen für den katholischen Gottesdienst zur Verfügung gestellt. Mochten zunächst manche Hemmungen zu überwinden gewesen sein, das gegenseitige Verhältnis hat sich doch überraschenderweise gut gestaltet, vielleicht eine Frucht gemeinsam überstandener Bedrückung, die das Zusammenrücken gelehrt hatte. Dankbar soll all diese Hilfe in Vergangenheit und Gegenwart anerkannt werden.“
Die Seelsorgestelle Sersheim, wozu die Orte Sersheim, Horrheim, Ensingen, Hohenhaslach, Kleinglattbach, Gündelbach und Schützingen gehörten, hatte am 1. November 1946 insgesamt 1425 Katholiken – davon 362 in Sersheim.
In den Nachkriegsjahren wuchs mit der Anzahl der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge auch besonders die Anzahl der Katholiken. Der Wunsch, wenigstens in Sersheim eine Kirche zu bauen, wurde immer stärker. Vor allem die fehlenden finanziellen Mittel – unter anderem auch durch die Währungsreform – waren schon damals das größte Problem. Dennoch gelang es dem damaligen Kuraten, Pfarrer Zink, eine Wiese an der Schießmauer als Kirchbauplatz zu erwerben. Der Bauplatz lag fast inmitten des Neubaugebietes, in dem ein großer Teil der katholischen Neubürger wohnte.
Ein Gemeindemitglied erinnert sich noch an eine Begebenheit aus der damaligen Zeit: „Bei einem Spaziergang sagte jemand über den Bauplatz der Kirche: Was, in dieses Loch hinein soll unsere Kirche kommen?“ Anscheinend fiel das Gelände an dieser Stelle etwas ab – wie man heute noch am Innenhof der Stephanuskirche sehen kann.
1955 wurde Kurat Härle neuer Seelsorger in Sersheim. Architekt Helmut Huber aus Mühlacker entwarf die Pläne für die Kirche und das Pfarrhaus. Nachdem diese vom Bischöflichen Ordinariat genehmigt wurde, konnte am 8. November 1957 mit den Bauarbeiten begonnen werden. An Palmsonntag, dem 30. März 1958 nahm Dekan Zörlein aus Ludwigsburg die Weihe des Grundsteines vor. In der Urkunde heißt es: „Dem Hl. Stephanus, dem ersten der Märtyrer, übergeben wir dieses Gotteshaus zum Schutz. Möge Christus, der Herr, wie ihn so auch in dieser Gemeinde Menschen voll des Glaubens und des Hl. Geistes (Apg. 6, 5) erwecken, die in dieser, von der gottlosen Lehre des sogenannten Dialektischen Materialismus bedrohten Welt, voll Gnade und Kraft (Apg. 6, 8) am Apostolat der Kirche mitwirken und Zeugnis ablegen für unseren zur Rechten Gottes erhöhten Herrn Jesus Christus und die Herrlichkeit seines Reiches.“
Am 1. und 2. November 1958, nach einjähriger Bauzeit, konnte die Stephanuskirche durch Weihbischof Sedlmeier eingeweiht werden.
Inzwischen hatte sich auch die Struktur des Seelsorgebezirks verändert. Nun gehörten zu Sersheim die Orte Schützingen (bis zum 1. März 1976), Horrheim und Gündelbach sowie die Stadt Oberriexingen. In den folgenden Jahren wurden die Andreaskirche in Oberriexingen gebaut (Weihe am 9. Juni 1963) und die Martinuskirche in Horrheim (Weihe am 21. November 1965). In der Stephanuskirche wurden am 22. März 1964 die Glocken geweiht und am 28. November 1965 die Orgel.
Am 31. Mai 1962 trat Kurat Karl Blum die Nachfolge von Kurat Härle an. Am 3. Mai 1968 wurde der erste Kirchengemeinderat gewählt. Zweiter Vorsitzender wurde Berthold Pfeiffer. Nachfolger von Pfarrer Blum wurde im März 1970 Pfarrer Adalbert Bartsch, der mit der Gemeinde am 28./29. Oktober 1978 das 20-jährige Kirchenjubiläum feiern konnte.
