Hochdorf (aa) - „Sie waren toll!“ Professor Dr. Horst Luley gab sich begeistert. Bei der Bürgerversammlung in Hochdorf galt das Lob am Freitagabend den rund 70 Gästen, die sich in das Projekt Leitbild für die Gemeindeentwicklung Eberdingen eingebracht haben.
Bürgerversammlungen der alten Art sind out. Da steht nicht mehr der Herr Bürgermeister am Mikrofon, erzählt über die Dinge, die im Gemeinderat behandelt werden und lädt dann zur Fragerunde ein. Im aktuellen Eberdinger Fall sind die Bürger aufgefordert, sich aktiv an der Erstellung eines Leitbildes mit einem Zielhorizont bis ins Jahr 2020 zu beteiligen. Leitbild? Das soll ein Wegweiser für die Zukunft sein, eine Richtschnur, die immer wieder überprüft werden kann. Ein vitales Gebilde. „Wie ein Maurer beim Hausbau eine Schnur braucht, so sollte es auch für eine Gemeinde gelten.“ So drückte sich Bürgermeister Peter Schäfer aus. Bewusst sollten in der Versammlung keine tagesaktuellen Themen behandelt werden.
Schon am Eingang zur Halle mussten die Besucher – es waren vorwiegend die reiferen Semester - Flagge zeigen. Woher kommen Sie? Die Gäste konnten rote Punkte setzen. Es waren am Ende 31 für Hochdorf, 11 für Nussdorf und 13 für Eberdingen. Ein knappes Dutzend Nachzügler kam nicht in die „Wertung“.
Seit einem Jahr wird am Eberdinger Leitbild gearbeitet. Als „Bauleiter“ fungiert für ein ordentliches Honorar Dr. Horst Luley, ein Diplom-Soziologe mit einer Professur in Eberswalde. Er formulierte am Freitag die Zielsetzung. Ein Konsens soll formuliert werden, es soll Orientierung für Daueraufgaben erreicht werden, man will Kräfte bündeln und eine wirksame Außendarstellung erreichen. Dafür müsse die Gemeinde aktiv mitarbeiten. Unter Regeln formulierte er es so: „Stärken nennen, nicht Wunschdenken vermitteln. Auf Zielgruppen abstellen, nach innen und außen glaubwürdig und an konkreten Maßnahmen erkennbar sein.“
Sechs Themenfelder waren im Gemeinderat und mit einem Ausschuss erarbeitet worden: Gewachsene Identität und funktionierende Gemeinschaft; attraktiver Wohnstandort Eberdingen, starker Wirtschaftsstandort; Flächennutzung, Natur- und Umweltschutz: Nutzung regenerativer Energien; Kinder- und Jugendliche, Angebote für ältere Menschen. Dazu konnten die Gäste querbeet ihre Meinung äußern – nicht per Wortmeldung, sondern mit Karten auf den jeweiligen Stellwänden. Zielrichtung war: fehlt was? Sechs Gemeinderäte standen dafür als Moderatoren zur Verfügung.
Wie wird sich die Sache entwickeln? Man konnte es regelrecht spüren, dass es den Bürgern zuerst nicht ganz geheuer war. Doch innerhalb weniger Minuten hatte sich die Scheu gelegt. Die Stellwände wurden mit Karten und Meinungen bestückt. Und zwischendrin gab's belegte Brötchen (die am Ende alle verdrückt waren) und was zu trinken. Da wurden Städtepartnerschaften angeregt und Schandflecke in Eberdingen und Hochdorf angeprangert. Man wünschte sich ein Heimatmuseum und einen Seniorentreff, Ferienbetreuung für Schulkinder oder Windkraft, Tempo-30-Zonen und eine bessere Anbindung an die B10, Willkommensschilder an den Ortseingängen und eine Identifikation mit dem Keltenmuseum, den Ausbau der Busverkehre und Volkshochschulkurse. Was auffiel: Die Tafeln „Fehlt was?“ blieben leer. Da wurde im Vorfeld offensichtlich ein breites Spektrum abgedeckt. Prof. Luley und seine Kollegin Gerda Peuling vom Plenum Heckengäu werden die Anregungen aus der Bevölkerung jetzt in die Zielebenen einformulieren.
Der neue Entwurf des Leitbildes wird auf den Webseiten der Gemeinde Eberdingen (www.eberdingen.de) veröffentlicht. Bürger, die nicht an der Versammlung in Hochdorf teilgenommen haben, können bis zum 24. November Änderungsvorschläge per E-Mail oder als Brief an die Gemeindeverwaltung senden.
Die neue Version des Entwurfes wird am 4. Dezember im Mitteilungsblatt veröffentlicht. Der Gemeinderat will das Leitbild am 11. Dezember verabschieden. Es soll am 12. Dezember im Rahmen einer weiteren Bürgerversammlung in Nussdorf vorgestellt werden.
Ziele für Eberdingen
Eberdingen (aa/p) – Sechs Themenbereiche sind im Leitbild formuliert worden. Bei der Bürgerversammlung wurden sie angereichert. Auszüge aus dem Leitbild.
Gewachsene Identität und funktionierende Gemeinschaft: Die gewachsene Identität der Eberdinger soll bewahrt und auch in Zukunft gepflegt werden: Die Menschen leben gerne in Eberdingen. Sie sind stark in der heimatlichen schwäbischen Kultur verwurzelt und schätzen die funktionierende Gemeinschaft in den Ortsteilen. Neue Bürger werden gerne aufgenommen. Eberdinger Bürger üben Toleranz und fördern die Integration in- und ausländischer Mitbürger. Zusammenwachsen der drei Ortsteile und Daseinsvorsorge vor Ort: Die drei Ortsteile Eberdingen, Hochdorf und Nussdorf wachsen weiter zusammen. Das Zusammenwachsen schließt die Pflege der eigenen Geschichte und Traditionen ein. Es wird angestrebt, dass es in allen Ortsteilen eine lebendige Ortsmitte gibt.Attraktiver Wohnstandort Eberdingen: Die hohe Attraktivität von Eberdingen als Wohnstandort soll erhalten und gesteigert werden. Die dörfliche, aber nicht einengende Gemeinschaft, das soziale Miteinander und die Geborgenheit in einer ländlichen Gemeinde stellen hohe und zu erhaltende Werte dar. Ein Zuzug von Neubürgern ist erwünscht. Die hohe Lebensqualität für die Bewohner von Eberdingen soll weiter gepflegt und ausgebaut werden. Eberdingen versteht sich als Wohnstandort mit hoher Lebensqualität für junge Familien mit Kindern. Starker Wirtschaftsstandort Eberdingen: Die Wirtschaftsunternehmen werden dabei unterstützt, Arbeits- und Ausbildungsplätze für die Bewohner Eberdingens anzubieten. Insbesondere werden Unternehmensgründer unterstützt. Auf diese Weise soll ein Beitrag zur Verringerung des Verkehrsaufkommens und zur Verbesserung der Lebensqualität in der Gemeinde geleistet werden. Der Mix verschiedener Branchen und Wirtschaftssektoren soll erhalten und ausgebaut werden. Flächennutzung, Natur- und Umweltschutz: Die Gemeinde strebt den Erhalt der Kulturlandschaft in ihrer Gemarkung an. Dafür werden folgende Leitsätze formuliert: Die Nutzung der natürlichen Ressourcen erfolgt nachhaltig. Land- und Forstwirtschaft arbeiten mit umweltschonenden Produktionsverfahren. Prägende historische Landschaftselemente und traditionelle Bewirtschaftungsformen werden erhalten und gepflegt.Nutzung regenerativer Energien: Die Gemeinde Eberdingen nimmt sich vor: Die Energienutzung in öffentlichen und privaten Gebäuden sowie Einrichtungen und Betrieben erfolgt klimafreundlich und mit hoher Effizienz bei den eingesetzten Energieträgern. Regenerative und wohnortnahe Energieerzeugung zum Beispiel über Biogaserzeugung, Holzhackschnitzel stellen ein besonderes Anliegen der Gemeinde dar. Als Ziel wird ein Energiemix angestrebt, der die Abhängigkeit von wenigen Anbietern verhindert.Kinder und Jugendliche in Eberdingen, Angebote für ältere Menschen: Die Gemeinde Eberdingen ist kinder- und familienfreundlich. Die guten Voraussetzungen für junge Familien mit Kindern, für Kinder in verschiedensten Altersstufen und für Jugendliche sollen gepflegt und weiterentwickelt werden. Die sehr gute Zusammenarbeit zwischen den Kindergärten und Schulen wird weiter gestärkt. Eberdingen reagiert zeitnah auf den wachsenden Bedarf an Betreuung von Kindern mit geeigneten Angeboten. Angebote und Einrichtungen, die in den Ortsteilen bereits vorhanden sind, werden weiterentwickelt: · Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren, Kindergärten mit ganztägiger Betreuung, Schulen mit ganztägiger Betreuung und Schulsozialarbeit, Offene Jugendarbeit. Ältere Menschen sollen in Eberdingen die Möglichkeiten und Angebote vorfinden, um den Lebensabend in der Gemeinde verbringen zu können. Die Gemeinde trägt dazu bei, das Leben der Generationen miteinander zu fördern und unterstützt Möglichkeiten der Begegnung und der Integration.
