Donnerstag, 24. Mai 2012

„Wir kommen bestimmt schon im Radio“


Polizeikontrolle nach schwerem Unfall – Messung mit Laserpistole zeigt: Kaum gravierende Verstöße
„Wir kommen bestimmt schon im Radio“

Roßwag (rkü) – Ein junger Mann ist zwischen Roßwag und Vaihingen mit seinem Auto gegen einen Lastwagen gerast und dabei schwer verletzt worden. Er fuhr offenbar mit stark überhöhter Geschwindigkeit, erlaubt war in diesem Bereich nur Tempo 60. Gut zwei Wochen nach dem Unfall hat die Polizei in diesem Bereich jetzt eine Geschwindigkeitskontrolle mit der Laserpistole vorgenommen.

Wer kennt ihn nicht, den roten Blitz vom Straßenrand, der die Stimmung des Autofahrers sofort auf den Nullpunkt sinken lässt? Dieses Verfahren ist jahrzehntelang erprobt. Inzwischen wurden neue, sehr flexibel zu nutzende Techniken entwickelt. Wenn die Polizei Geschwindigkeitsmessungen mit der Laserpistole vornimmt, werden Temposünder nicht geblitzt. Vielmehr wartet kurz nach dem Kontrollpunkt ein Polizeibeamter und bittet zum Gespräch. Das ist der Stimmung der Ertappten ebenso wenig förderlich und prägt sich darum umso besser ein.

Bei einer abendlichen Kontrolle zwischen Roßwag und Vaihingen wurden am Mittwoch nur sehr wenige Tempoverstöße festgestellt. Ein ums andere Mal nimmt Dirk Maisenbacher die vorbeifahrenden Autos ins Visier, fast immer sind sie innerhalb der Toleranz. „Das ist positiv für die Autofahrer“, lacht Maisenbacher. Er ist Laserbeauftragter des Polizeireviers Vaihingen. Sein Kollege mit dem Protokollblock in der Hand frotzelt: „Wir kommen bestimmt schon im Radio.“ Ob es eine Radiodurchsage war oder ob die Autofahrer vom entgegenkommenden Verkehr mit der Lichthupe gewarnt wurden – die Messungen liegen fast durchweg im erlaubten Bereich. „Wir sind nicht hier, um die Leute abzukassieren“, stellt Maisenbacher fest. „Wir wollen Präsenz zeigen und den Autofahrern klar machen, dass sie aufpassen müssen.“ Ob sie aus Rücksicht auf ihren Geldbeutel langsam fahren oder aus Überzeugung, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Hauptsache ist, dass nicht gerast wird.

Darum wird bei der abendlichen Kontrolle auch nicht jeder angehalten, der 63 oder 65 statt der erlaubten 60 Kilometer pro Stunde fährt. Erst bei Tempo 70 ist für die Polizeibeamten die Schmerzgrenze erreicht. „Unser Gerät ist sehr genau und wird jedes Jahr geeicht. Unterhalb von Tempo 100 ziehen wir von der Messung drei als Toleranz ab“, erläutert der Laserbeauftragte zur Vorgehensweise. Also bleiben von gemessenen 70 Stundenkilometer noch 67 übrig, für die eine Verwarnung ausgesprochen wird. Zwei Autofahrer bringen es auf 76 Sachen, schneller fährt während der eineinhalb Stunden dauernden Kontrolle niemand.

Messungen mit der Laserpistole sind bei der Polizei ein sehr beliebtes Mittel der Verkehrsüberwachung. Im Bereich der Polizeidirektion Ludwigsburg gibt es mehrere solche Geräte, eines teilen sich die Reviere Vaihingen und Bietigheim im monatlichen Wechsel. Die Handhabung ist nach einer Einweisung recht einfach und sicher. Ein Fahrzeug lässt sich am einfachsten anvisieren, wenn der Laserstrahl auf das Kennzeichen gerichtet wird. Durch die sechsfache Vergrößerung, mit der die Beamten das Fahrzeug auf sich zufahren sehen, können sie mit einem kurzen Seitenblick auch erfassen, ob der Fahrer gerade das Handy am Ohr hat und ob die Insassen angeschnallt sind.

An der Kontrollstelle bei Roßwag tauchen die Autos in etwa 150 Metern Entfernung aus einer Kurve auf, werden ins Visier genommen, gemessen – und dürfen zumeist weiterfahren. Wird aber die Toleranzgrenze von Tempo 70 erreicht, macht das Gerät durch einen Piepton auf sich aufmerksam. Sofort wird es im Messfahrzeug lebendig: Einer der Beamten greift zum Funkgerät und verständigt die Kollegen am Anhalteposten über den Verkehrssünder. Um die Messung amtlich korrekt zu protokollieren, gilt das Vier-Augen-Prinzip: Einer liest die Anzeige in der Laserpistole ab, einer vergleicht die Angaben mit der Anzeige auf dem Display, das außen auf dem Messgerät angebracht ist. Die Werte werden in ein Protokollblatt eingetragen und über Funk auch mit den Polizeibeamten abgeglichen, die das Fahrzeug herausgewunken haben und den Fahrer über sein Fehlverhalten aufklären. Das dauert etwa eine Minute, dann sind die Männer mit der Laserpistole wieder startklar. „Wir sind nicht verpflichtet, dem Autofahrer die Anzeige des Geräts zu zeigen“, stellt Maisenbacher klar. Das Protokoll in Verbindung mit der Aussage der zwei Beamten genügt in diesem Fall.

 Allerdings muss der Posten auf Zack sein, der für das Anhalten der Temposünder verantwortlich ist. „Weil wir kein Foto haben, lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen, wer der Fahrer war. Darum können wir Verstöße nur verfolgen, wenn wir die Autos sofort anhalten.“

Dabei suchen sich die Verkehrsexperten am liebsten Stellen aus, die objektiv ein besonderes Gefahrenpotenzial haben: Unfallschwerpunkte, Zebrastreifen, Kindergärten oder, wie in diesem Fall, Stellen, an denen ein schwerer Unfall aus jüngster Vergangenheit den meisten Fahrern noch im Gedächtnis ist. „Dann haben wir gute Argumente, wenn wir mit einem Fahrer sprechen, der zu schnell war. Die meisten sind dann auch einsichtig.“ Ginge es dagegen ums schnelle Geld, wären ganz andere Standorte angesagt.

 „Auf der Bundesstraße, da gibt es Stellen, da ist fast jeder Zweite zu schnell.“ Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, sind der Polizei die Kontrollen an Gefahrenstellen aber wichtiger. Dass sie sich auf diese Weise weniger Beschimpfungen anhören müssen, ist ein positiver Nebeneffekt.


Seitenanfang