Vaihingen – Die Kriminalpolizei sucht nach den Steinewerfern von Vaihingen. Innerhalb weniger Tage wurden zwei Mal Steine auf die Bundesstraße 10 geworfen. Vor einer Woche wurde dabei ein Lastwagenfahrer verletzt, am Samstag kamen die Insassen eines Autos mit einem Schrecken davon. Eine heiße Spur hat die Polizei noch nicht.
Dass ein Stein während der Fahrt die Windschutzscheibe beschädigt oder gar durchschlägt, dürfte die Horrorvorstellung eines jeden Auto- und Lastwagenfahrers sein. Auf der Bundesstraße 10 bei Vaihingen wurde genau dieses Szenario innerhalb weniger Tage zwei Mal zur Realität. Die Opfer kamen bisher entweder mit dem Schrecken oder mit leichten Verletzungen davon. Die Polizei hat angekündigt, ihre Kontrollen in dem Bereich zu verstärken, damit nichts Schlimmeres passiert.
Zuletzt kam es am Samstagnachmittag zu einem Zwischenfall auf der Bundesstraße. Unbekannte warfen einen drei bis vier Zentimeter großen Stein auf einen vorbeifahrenden BMW, der nach Informationen unserer Zeitung auf eine Adresse in der Kernstadt zugelassen ist. Die Windschutzscheibe wurde auf der Beifahrerseite beschädigt. Die drei Insassen im Alter von 20 bis 30 Jahren blieben unverletzt.
Am vorletzten Wochenende durchbrach ein Stein die Frontscheibe eines Lastwagens. Dabei wurde der Fahrer verletzt. In diesem Fall setzte ein Privatmann eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für den entscheidenden Hinweis, der zum Täter führt, aus.
Wer die Steinewerfer sind, weiß die Kriminalpolizei noch nicht. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass es kein Alleintäter ist. „Es ist auch nicht auszuschließen, dass Trittbrettfahrer für die zweite Tat verantwortlich sind“, sagt Polizei-Pressesprecher Joachim Geier. Seit dem Steinwurf am Samstag kann die Polizei endlich gezielter nach den Tätern fahnden. Einer der BMW-Insassen sagte aus, dass er am Straßenrand einen korpulenten, etwa 1,80 Meter großen jungen Mann mit kurzem, fülligem Haar gesehen habe.
Ob diese Beschreibung zum Fahndungserfolg führt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. „Es ist gut möglich, dass sich der Zeuge irrt“, sagt der Leiter des Vaihinger Polizeireviers, Gerd Esenwein. Schließlich sei das Auto mit gut 100 Kilometern pro Stunde auf der Bundesstraße gefahren. „Den jungen Mann kann er also nur für wenige Sekunden gesehen haben.“
Dass es sich bei den beiden Taten um schwere Verbrechen handelt, zeigt auch der Aufwand, den die Kriminalpolizei zur Lösung der Fälle betreibt: Sie ermittelt in Sachen Steinewerfer mit einer sechsköpfigen Gruppe und sucht mit Hilfe des Landeskriminalamts Baden-Württemberg nach DNA-Spuren auf dem Stein vom ersten Tatort. „So eine Suche nach Erbgut dauert normalerweise ein gutes halbes Jahr“, sagt Günther Jungmann, Chef der Kriminalpolizei in Vaihingen. „Wir haben das komplizierte Verfahren jedoch beschleunigen lassen.“
Sobald den Ermittlern ein genetischer Fingerabdruck vorliegt, wird er mit den Datenbanken der Polizei abgeglichen. Und selbst wenn dieser Vorgang nicht zum Erfolg führt, war die Mühe nicht vergebens: „Die Informationen werden gespeichert und auch in Zukunft mit neuem Genmaterial abgeglichen. Wir können den Täter so also auch noch nach Jahren finden.“
Mit einer milden Strafe können die Täter in keinem Fall rechnen, wenn sie gefasst werden. „Vom gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr bis zum versuchten Mord kann man ihnen eigentlich alles vorwerfen“, sagt Gerd Esenwein. Eine Geldstrafe komme also nicht in Betracht. Schließlich werfe niemand aus Jux und Tollerei Steine auf fahrende Autos. „Man muss sich dabei bewusst sein, dass man damit Menschen töten kann.“
Verdächtige Personen der Polizei melden
Schützen kann sich vor Steinewerfern kein Autofahrer. „In Panik sollte man dennoch nicht verfallen“, rät Polizei-Pressesprecher Geier. Wer auf Nummer sicher gehen wolle, müsse zuhause bleiben. Im Ernstfall sei es wichtig, dass man sein Fahrzeug unter Kontrolle halte. „Wenn man ruckartig lenkt und von der Fahrbahn abkommt, kann das noch schlimmer sein.“
Außerdem rät die Polizei, verdächtige Personen am Straßenrand unbedingt zu melden. „In den meisten Fällen ist das dann zwar ein Fehlalarm, aber das ist egal“, sagt Geier. Wenn es um die Verkehrssicherheit geht, sollte man die Polizei lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig rufen.
Die Ermittlungsgruppe „Stein“ der Kriminalpolizei beschäftigt sich übrigens nicht nur mit den beiden Taten bei Vaihingen. „Wir überprüfen auch, ob es einen Zusammenhang mit dem Vorfall bei Schwieberdingen gibt“, erläutert Günther Jungmann. Im September hatten dort Unbekannte Steine von einer Brücke auf die B10 geworfen. Zwei Lastwagenfahrer kamen damals mit einem Schrecken davon.
Philipp-Marc Schmid
