Donnerstag, 24. Mai 2012

Renaturierung der Metter


Entenrennen zum Abschluss der Metter-Renaturierung. Foto: Bögel
Entenrennen zum Abschluss der Metter-Renaturierung. Foto: Bögel

Gündelbach (ub) – Für  die Kinder der Gündelbacher Grundschule war es gestern Morgen ein Riesenspaß: Auf der renaturierten Metter durften sie ein Entenrennen veranstalten. Angefeuert wurden die Kleinen von Vaihingens Oberbürgermeister Gerd Maisch, Bürgermeister Wilfried Nestle sowie Gemeinde- und Ortschaftsräten.
Mit einer kleinen Feier wurde am Freitag der Abschluss der Renaturierung der Metter auf einer Strecke von einem Kilometer gefeiert – Kosten rund 200000 Euro. Im September 2006 wurde nach einem umfangreichen Planungs- und Genehmigungsverfahren damit begonnen, den Bachlauf der Metter in Gündelbach nach ökologischen Kriterien umzugestalten. Dabei wurde das Bachbett aufgeweitet und die Uferböschungen abgeflacht. Steinschüttungen, Sandbänke, die Bepflanzung mit typischen, gewässerbegleitenden Gehölzen und ein mäandrierender Wasserlauf sorgen nun für eine abwechslungsreiche Struktur sowie für eine gute Vernetzung zwischen Gewässer, Uferbereich und angrenzender Landnutzung. Durch den Abriss des Stauwehres im Bereich unterhalb der Deponie wurde auch die Durchgängigkeit des Bachlaufes wieder hergestellt.
„Das war schon eine lange Geschichte“, sagte Oberbürgermeister Gerd Maisch. Vom Beginn der Planungen im Jahr 1997 bis zum Beginn der Umsetzung vergingen „unglaubliche“ neun Jahre. Und der ökologisch aufgepeppte Bach habe bereits durch starke Niederschläge seine ersten Bewährungsproben überstanden. Und: Man habe die Renaturierung umgesetzt, ohne dass die Stadt dazu verpflichtet gewesen sei. Maisch: „Durch die Uferabbrüche ist aber eine Notwendigkeit entstanden und wir haben die Maßnahme auch auf dem Ökokonto gut geschrieben.“
Gündelbachs Ortsvorsteher Thomas Fritzlar beschrieb das Projekt aus Sicht der Metter: „Jahrzehntelang hat sich niemand, auch nicht der Naturschutz, dem mein Wohlergehen eigentlich am Herzen liegen müsste, um mich gekümmert. Deshalb war ich im Jahr 1997 sehr erstaunt, dass man sich – von ganz anderer Seite – um mich Gedanken machte. Die Stadt Vaihingen nahm sich meiner an. Vor allem der damalige Ortsvorsteher Jakob Menauer war es, der die Sache vor Ort vorantrieb. Um so erstaunter war ich, als ich hörte, dass gerade der Naturschutz die ganze Maßnahme als Spaß bezeichnete, den man besser bleiben lassen sollte.“
Es habe viele Gespräche und harte Verhandlungen gegeben, bevor dann die „Stunde der Experten“ geschlagen habe. Eineinhalb Jahre habe man begutachtet, bis die Dauer der Expertisen eine neues Problem schaffte: Es gab keine Fördermittel mehr. Schließlich wurde die Metteraufweitung mit Geldern aus dem Ausgleichstopf finanziert.
In den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Metter bei Gündelbach aus ihrem natürlichen Bachbett in der Talaue nach Norden verlegt, um zusätzliches Ackerland zu gewinnen. Die Auswirkungen der Maßnahme: Verschlechterung der Hochwassersituation für die unterhalb gelegene Gemeinde Horrheim, Tiefenerosion im neuen Bachbett der Metter mit Uferabbrüchen, Verarmung der Tier- und Pflanzenwelt in und am Gewässer. 1998 wurde in Abstimmung mit den Landwirten und der Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung beschlossen, im Rahmen des laufenden Flurbereinigungsverfahrens einen 20 Meter breiten Streifen rechts der Metter für deren Aufweitung zur Verfügung zu stellen.
Die Renaturierung umfasste den Bereich zwischen der Metterbrücke am Ortseingang Gündelbach bis zum Stauwehr – das Wehr wurde einen Meter tief abgetragen und zur Rauen Rampe umgebaut. Nach Angaben der Landschaftsarchitektin Ursula Müller aus Untereisesheim, die die Planung und Bauleitung inne hatte, wurden die neu entstandenen Ufer der Metter mit standorttypischen Baum- und Straucharten (Schwarzerle, Esche, Schneeball, Holunder) bepflanzt. „Die dadurch entstehende Beschattung hält das Gewässer kühl und sauerstoffreich, lebenswichtige Voraussetzung für die meisten Bachorganismen. Außerdem wird so das Verkrauten der Sohle verhindert, das zur Verschlammung führt.“ Der entstandene Gehölzbestand am Ufer bietet außerdem Fischen Unterstände und sichert die Ufer vor Erosion.
Müller: „Schon jetzt kann man beobachten, dass zahlreiche Pflanzen- und Tierarten in den neuen Lebensraum zurückgekehrt sind.“
Und wer hat eigentlich das Entenrennen gewonnen? Die schnellste Ente war die von Tim Ulrich, Platz zwei für Johanna Maute und auf den dritten Rang kam Jule Götz.


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