Donnerstag, 24. Mai 2012

Amok-Alarm in Vaihingen


Polizisten sichern die Alte Poststraße in Vaihingen. Foto: Bögel
Polizisten sichern die Alte Poststraße in Vaihingen. Foto: Bögel

Vaihingen (ub) – Polizisten mit Maschinenpistolen im Anschlag in der Sporthalle am Alten Postweg, draußen sichern Kollegen mit Pistolen in der Hand, das Gelände rund um das Friedrich-Abel-Gymnasium in Vaihingen ist weiträumig von Polizeikräften abgesperrt. Eine Amoklage hat sich gestern Nachmittag zum Glück nicht bewahrheitet.
Die Spezialkräfte der Sondereinsatzkommandos und ein Hubschrauber waren bereits in Richtung Vaihingen unterwegs, als die Entwarnung kam. Nichts war an den Meldungen dran, die seit 12.45 Uhr die Polizei auf Trab hielten.
Kurz vor 13 Uhr meldete sich beim Polizeirevier Vaihingen ein Lehrer der Ferdinand-Steinbeis-Realschule mit der Beobachtung, dass der Vater eines Schülers in das Klassenzimmer gekommen sei, den zehnjährigen Sohn vor der Klasse umarmt habe und dabei erklärte, dass man sich nie mehr wiedersehe. Danach hättender 36-jährige Vater und sein Sohn das Schulgebäude verlassen.
Parallel dazu kam eine weitere Meldung bei der Polizei an: Ein Schüler hätte im Bereich der Grabenstraße und zur Schloßbergstraße hoch einen schwarzbekleideten Mann mit einer Pistole gesehen. Und dann noch die dritte Meldung: Eine Gruppe Schüler der Grund- und Hauptschule in Vaihingen teilten ihrer Lehrerin mit, sie hätten im Bereich der Sporthalle am Alten Postweg eine Leiche liegen sehen.
„Dann ist bei uns natürlich das große Programm angelaufen“, sagt der stellvertretende Revierleiter Diethelm Beier zur VKZ. Weitere Polizeikräfte aus dem Bereich der Polizeidirektion Ludwigsburg wurden gen Vaihingen in Marsch gesetzt, Spezialeinsatzkräfte aus Stuttgart und Göppingen wurden alarmiert, die DRK-Rettungsleitstelle schickte zwei Krankenwagen und einen Notarzt in die Schloßbergstraße. Parallel dazu wurden das Gymnasium, die Realschule und die Grund- und Hauptschule informiert, Streifenwagen fuhren vor.
Hans-Joachim Sinnl, Schulleiter des Friedrich-Abel-Gymnasiums: „Als die Meldung der Polizei kam, haben wir das Schulgebäude und die Klassenzimmer verschlossen und entsprechende Durchsagen gemacht.“ Schüler, die von der Stadt in Richtung Schule liefen, wurden in die Realschule geschickt. Die Kinder und die Lehrer hätten souverän reagiert und die meisten seien ruhig gewesen.
Währenddessen durchsuchten schwer bewaffnete Polizisten die verlassene Sporthalle, in der sich angeblich eine Person mit einer Waffe aufhalten sollte. Zu diesem Zeitpunkt wurde von Passanten ein Schuss gemeldet. Andreas Gruber, Einsatzleiter vor Ort: „Da war aber nichts. Das kam nur vom lauten Schlagen der Türen, als wir zweimal die Halle durchkämmten.“ Nach Angaben der Polizei waren keine Schüler mehr in dem Gebäude: „Wahrscheinlich haben alle die Halle panikartig verlassen.“
In der Zwischenzeit hatten andere Polizeibeamte recherchiert, dass der Vater mit seinem Sohn wohl behalten in seinem Wohnort in einer Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Vaihingen angekommen war.
Beier: „Nach und nach hat sich nach 14 Uhr die Lage beruhigt.“ Alle drei Meldungen, die wahrscheinlich nichts miteinander zu tun haben, hatten sich nicht bewahrheitet. Auch die Durchsuchung der Schulen verlief negativ. „Fakt ist auf jeden Fall, dass nichts war.“
Am Anfang ging die Polizei aber von einer Amokhandlung aus. Die Ermittlungs- und Dienstgruppen des Polizeireviers Vaihingen haben diese Situation in mehrtägigen Lehrgängen geübt. Einsatzleiter Gruber: „Das war schon ein Nervenkitzel. Jetzt sind wir erst einmal platt.“
Am FAG ging der Nachmittagsunterricht gestern planmäßig weiter. Nur die Sportstunden fielen aus.


Seitenanfang