Donnerstag, 24. Mai 2012

Kabarett und Kapital in der Stadthalle


Kabarettist Gunzi Heil in der Vaihinger Stadthalle. Foto: Bögel
Kabarettist Gunzi Heil in der Vaihinger Stadthalle. Foto: Bögel

Die Veranstaltung in der Vaihinger Stadthalle ist ein Balanceakt. Ist es klug, dass mitten in der Finanz- und Bankenkrise und einer drohenden Rezession ein Luxemburger Investmentspezialist Tipps für die Anleger gibt? Wieso nicht, sagt Michael Irsfeld. Wenn die Märkte schwierig sind, habe es sich immer gelohnt zu investieren. Antizyklisches Handeln sei wichtig. Aber ist es auch klug, einen Kabarettisten einzuladen, der an diesem Abend natürlich die Banker auf die Schippe nimmt? Aber: Wer in schweren Zeiten Humor beweist, strahlt auch Selbstsicherheit aus.
Rund 400 Kunden der Kreissparkasse Ludwigsburg kommen am Dienstagabend auf Einladung von Filialdirektor Stefan Heffner in die Stadthalle. „Kapital und Kabarett“ heißt das Thema der Informationsveranstaltung. Auf den Stühlen liegen Bonbons und Kugelschreiber, am Eingang gibt es Sekt, nach der Veranstaltung noch eine Kleinigkeit zum Essen. Als der Termin vor Monaten festgezurrt wurde, gab es noch keine Staatsgarantie für Spareinlagen und kein Schutzpaket zur Stabilisierung der Banken. Heute müssen sich die Banker schräge Witze über ihren Berufsstand anhören. Im Publikum machen die neuesten Zoten die Runde, auf der Bühne legt der Karlsruher Kabarettist, Künstler und Musiker Gunzi Heil, der auf Biegen und Brechen seinen richtigen Vornamen nicht nennen will, noch einen nach: Das „Äffle“ und das „Pferdle“ unterhalten sich über die Besucher in der Vaihinger Stadthalle. Gibt es auch unzufriedene Kunden der Sparkasse? Und wenn ja, wo sind die? Nicht eingeladen! Und wieso nicht? Gunzi Heils Antwort: Die hätten auch nicht alle in die Stadthalle reingepasst.
Das Publikum klatscht, die Mitarbeiter der Kreissparkasse Ludwigsburg lachen an diesem Abend herzhaft mit. Sie lassen sich bewusst auf die Schippe nehmen, denn sie werden von einer Gewissheit getragen: Die Sparkasse punktet mit Sicherheit. „Ihr Geld ist sicher. Punkt. Aus“, sagt der Vaihinger Filialdirektor Heffner. Die geladenen Kunden zweifeln nicht daran, sonst wären sie vermutlich an diesem Abend auch nicht gekommen.
Und dass man auch in der Krise sein Geld nicht unterm Kopfkissen bunkern soll, dafür wirbt Michael Irsfeld, Abteilungsdirektor Vermögensmanagement der Deka-Bank in Luxemburg. Er ahnt, dass die 400 Besucher kaum wegen ihm in die Stadthalle kommen, aber letztendlich beinhalte eine Krise auch Chancen. Und die Zeit drängt: Ab dem 1. Januar 2009 ordnet der Staat die Besteuerung der Kapitaleinkünfte neu. Die 25 Prozent Abgeltungsteuer lassen sich nur durch dauerhaft steuerfreie Altbestände vermeiden. Diese müssen aber bis 31. Dezember 2008 unter Dach und Fach, sprich auf dem Depot, sein. Und wieso soll es kein breit gestreuter Investmentfonds sein, „denn langfristig werden Aktien immer steigen“. Zwar sieht Irsfeld das Jahr 2009 als ein „Jahr der Bodenbildung“, sowohl bei den US-Hauspreisen, als auch bei der Konjunktur und den Märkten, doch versprechen Dachfondsvarianten langfristig beachtliche Renditen. Kurzfristig seien die Aktienmärkte weiter sehr volatil, „aber die Tiefstkurse werden wir wohl vergangenen Freitag gesehen haben“.
Die Entwicklung der Kapitalmärkte ist für den hellblonden Gunzi Heil, der im Jahr 2000 seinen Abschluss an der Uni Karlsruhe in Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte machte, das Thema für seine Parodien. Schließlich wird er an diesem Abend auch vom Kapital bezahlt. Deshalb: Man muss auch in der Vaihinger Stadthalle global denken – zumindest bis nach Gündelbach. Für Gunzi Heil ist auch klar, dass die Vermögensberatung viel mit Märchen erzählen zu tun hat und meist sei ja das Geld nicht verloren, sondern es gehöre nur jemanden anders. Seine kabarettistische Weisheit für eine langfristige Geldanlage: „Das Geld, das Sie jetzt nicht brauchen, können Sie ruhig langfristig anlegen. Denn wenn es weg ist, ist es egal, denn Sie haben es ja sowieso nicht gebraucht.“Uwe Bögel


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