Donnerstag, 24. Mai 2012

Jahr 2009 wird zum Jahr des Trollingers


Die Traubenernte fällt in diesem Jahr um zehn Prozent geringer aus als im Jahr zuvor. Foto: VKZ-Archiv

Möglingen – Die württembergischen Weingärtner rufen das kommende Jahr zum Jahr des Trollingers aus. Das Profil der wichtigsten württembergischen Weinsorte soll gestärkt werden. Dafür will die Weingärtner-Zentralgenossenschaft mehr Geld in die Vermarktung stecken.

„Der Trend geht weg von mächtigen, gerbstoff- und tanninbetonten Tropfen“, sagt Erwin Kuhn vom Württembergischen Genossenschaftsverband (Geno), dem auch die organisierten Weingärtner im Ländle angehören. Das sei ein Grund dafür, dass die württembergische Stammsorte Trollinger immer mehr nachgefragt werde. „Die Sorte bietet fruchtigen, leichten und unkomplizierten Genuss“, fasst Kuhn zusammen. Doch das Trollinger-Profil bietet noch mehr: Es gibt auch feinherbe Tropfen, die „einen Hauch von Mandeln im Aroma“ haben.

Die Weinsorte sei eine „regelrechte Kernkompetenz“ der Weingärtner in Württemberg. Und rund ein Viertel der Rebflächen im Ländle sei mit Trollingertrauben bestockt. Deshalb hat die Möglinger Weingärtner-Zentralgenossenschaft das Jahr 2009 zum Jahr des Trollingers ernannt. „Wir wollen die Märkte im kommenden Jahr mit der württembergischen Leitsorte noch offensiver als bisher bearbeiten“, sagt Geno-Präsident Kuhn. Der Wein gilt als Alleinstellungsmerkmal von Württemberg: „Württemberg ist Trollinger und umgekehrt.“ Das habe auch der Konsument erkannt. Beim Lemberger sei der Profilausbau bereits geglückt.

„Im neuen Jahr stellen wir die Sorte noch stärker heraus und kommunizieren unseren Kernkompetenz-Wein unter Federführung von Werbechef Ulrich Breutner beispielsweise mit Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften“, kündigt Erwin Kuhn an. Der Trollinger erhält dafür ein eigenes Kampagnen-Motiv. Für die Realisierung dieses Vorhabens wurde das Werbebudget erhöht: Die genossenschaftliche Weinwerbung in Württemberg könne mittlerweile mit dem höchsten Etat aller Gebietsweinwerbungen einschließlich des Deutschen Weininstituts aufwarten.

Damit die Konsumenten die Weine der Genossenschaftswengerter in Zukunft noch einfacher von den Weinen der Mitbewerber unterscheiden können, soll auch der „Kenner-Kopf“ weiter zur Marke ausgebaut werden. Der Slogan „Kenner trinken Württemberger“ müsse den Kunden stärker verdeutlicht werden.

Dass die Sorte Trollinger gestärkt wird, hat nicht nur mit einer geplanten Absatzsteigerung zu tun. Der Trollinger verbinde Moderne und Tradition. Steillagen werden häufig mit den Trauben bestockt. Genau diese Lagen gelte es zu erhalten: Sie seien prägend für die Kulturlandschaft und ein wesentlicher Bestandteil der Zukunftsfähigkeit des hiesigen Tourismus. „Außerdem sind sie ein wichtiger Lebensraum für Flora und Fauna“, sagt Kuhn.

Eine Sache bereitet den Weinbauern indes Kopfzerbrechen. Pro Hektar müsse man in Steillagen mit einem Arbeitsaufwand von 2500 Stunden rechnen. In Normallagen seien es etwa 300 Stunden. Die Europäische Union plant, im Jahr 2015 die Rebpflanzrechte frei zu geben. Das bedeutet, dass noch mehr Normallagen bewirtschaftet werden dürfen. „Die Bewirtschaftung der Terrassen-Steillagen wäre dann in Gefahr“, warnt der Geno-Präsident. Er hofft auf ein Einlenken der Politik.

Weniger Ernteerträge, dafür gute Qualität

Die gesamte Produktion aller württembergischen Weingenossenschaften wird zum Jahresende voraussichtlich um zehn Prozent geringer ausfallen als im Jahr 2008. „Wir gehen davon aus, dass rund 87 Millionen Liter Wein hergestellt werden“, sagt Kuhnle. Die geringere Ausbeute wird mit Hagelschäden im Frühsommer in Verbindung gebracht. Die Quantität sei jedoch nur zweitrangig. „Was zählt, ist Qualität.“ Und die ist nach Angaben der Weingärtner-Zentralgenossenschaft, die ihren Sitz in Möglingen hat, zufriedenstellend Das Mostgewicht der Trauben lasse auf gute Tropfen hoffen.

Mehr als die Hälfte der Trauben ist bereits in den Kellern. Die Weinlese hat in Württemberg Mitte September mit den frühen Sorten Acolon (durchschnittlich 84 Grad Öchsle), Müller-Thurgau (77) und Dornfelder (77) begonnen. Schwarzriesling (84) , Samtrot (90) und Kerner (87) schlossen sich nahtlos an. Die Lese der spätreifen Sorten hat Anfang Oktober begonnen. Zu den späten Sorten gehören unter anderem der Trollinger (73), der Lemberger (85) und der Riesling (80). Wegen der hohen Öchslegrade ist zu erwarten, dass es im aktuellen Jahrgang viele Kabinettweine geben wird. Laut Erwin Kuhn dauert die Traubenlese noch etwa 14 Tage.

Philipp-Marc Schmid


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