- Zehntes Revival-Konzert der FSR. Foto: Arning
"Türe zu da hinten. One, two...“ Die Party kann beginnen. Das „Finale“ der Revival-Konzert-Reihe der Vaihinger Ferdinand-Steinbeis-Realschule ist angesagt. Die zehnte Auflage am 10. 10.. So ganz will man es nicht glauben, dass nach diesem fantastischen Musikabend wirklich Schluss sein soll. „Ein Konzert mit Kultstatus“ haben wir 2004 geschrieben. Jetzt droht der Kult zur Legende zu werden. „Man wird nicht jünger“, sagt der Initiator Gunter Lepp an der Schwelle zum 60. Lebensjahr. Und das Ganze sei schon ein heftiger Stress.
Revival steht im Englischen für Wiederbelebung, Erneuerung oder Erweckung. Seine sangesbegeisterten Schüler aus früheren Jahrgängen wollte Gunter Lepp, der seit 1972 an der Ferdinand-Steinbeis-Realschule schwerpunktmäßig für den Musikunterricht verantwortlich zeichnet, 1985 wieder zusammenführen. Das hat damals geklappt. Und es funktioniert auch heute noch. Es gibt Chormitglieder, die mit Begeisterung in allen zehn Konzerten mit von der Partie waren und deren Kinder inzwischen auch auf der Bühne stehen. Eine kleine Anzeige in der Zeitung ist in der Regel das Signal. Leute, es ist wieder so weit. Monatelang trifft man sich dann montags in der Realschule. Um die 70 Köpfe umfasst der Chor. Die Frauen dominieren und verleiten Lepp durchaus auch mal zu Aussprüchen wie „Hausfrauen-Musik“. Doch was seine Hausfrauen in Verbindung mit dem aktuellen Schulchor und der bewährten Musikerformation (Rhythmusgruppe, Bläser mit „Ochsenbacher Mafia“) dann auf die Bühne bringen, ist von den meisten normalen Chören kaum zu toppen. Einige Akteure kommen extra zum Konzert, etwa Schlagzeuger Hanns-Christioan Gerth, der in Hamburg wohnt. Der Musikwissenschaftler hat’s auch ohne Üben drauf.
Seit Wochen ist die Stadthalle restlos ausverkauft. Rektor Olaf Büscher gibt zu, diesmal vor Hochspannung Flugzeugträger im Bauch zu haben. Sogar Ministerpräsident Oettinger lasse zum Konzert grüßen, verkündet er und verrät auch noch, dass Schulsekretärin Elfriede Lanik Geburtstag hat. Das „Happy Birthday“ des ganzen Saales ist ihr sicher.
Englisch ist die Sprache des Abends. Halt, einmal legt Gunter Lepp in Wolle-Kriwanek-Manier beim FSR-Song ein Bekenntnis zu seiner badischen Heimat ab und gibt zu, dass ihn „die Schwoba in Vaihinga ganz schee g'schafft hen“.
Es sind musikalische Blockbuster, die beim Revival-Konzert auf dem Programm stehen. Lepp lässt „seine“ Musik zelebrieren, Musik, mit der er als Bandmusiker groß geworden ist und die ihn in seinem Musikerleben nie mehr losgelassen hat. Es sind zum Beispiel Songs von Stevie Wonder, Eric Clapton, Paul Simon, John Lennon, Paul McCartney, Ian Anderson.
„Best of the best“ ist angesagt. Etliche Titel waren schon in früheren Konzerten zu hören. Wen stört’s? „Tears in Heaven“ wird zum Andenken an den verstorbenen Rainer Arleth gesungen; er stand in vielen Konzerten mit dem Saxofon auf der Bühne (Sabine Knoll, Christine Schwaderer, Ekkehard Kugler, Bernd Petersen).
Die Solisten haben sich in 23 Jahren bewährt. Sabine Knoll ist natürlich mit ihrer warmen Altstimme dabei. „Hello“ (Lionell Ritchie) singt sie mit viel Gefühl. Martin Wanner kommt nicht zu den Proben, das ist logistisch nicht möglich, denn er ist Gesangslehrer mit einer klassischen Ausbildung und seit 2006 als Musiklehrer an einem Privatgymnasium tätig. Wanner setzt immer wieder Glanzlichter. „Monday, Monday“, den Mamas-and-Papas-Hit, hat er ebenso drauf wie Paul Simons „Bridge over troubled water“. Und natürlich „Music“, das im Zugabenblock kommt. Vor vier Jahren tauchte mit Slagjana Stefanovska ein neuer Name in der Solisten-Abteilung auf. Die junge Frau ist auch diesmal wieder dabei. Und wie! „Summertime“ (George Gershwin) im Duett mit Gunter Lepp verbreitet Gänsehautstimmung. Die Brüder Marcel und Marco Lücke werden bejubelt. Sie stehen da vor fast 1000 Leuten und singen „Slip slidin' away“, als ob sie nie was anderes machen würden. Dass Tontechniker Walter Max während des Vortrags auch noch ein aus Versehen ausgeschaltetes Mikro anknipsen muss, bringt sie nicht groß aus der Ruhe. Nur Meister Lepp ist vom Publikum irritiert. „Es ist toll, wie ihr mitgeht, aber verklatscht net alles. Hört den Chor an, er ist so toll.“
Hair-Songs wehen durch die Halle, die Beatles kommen zu Ehren. Sabine Knoll, Denis Scherer und Jörg Schweizer haben Billy Joels „Leningrad“ im Angebot. „Lock the door“ ist ein Titel von Gunter Lepp, den er mit Christine Schwaderer und Martin Wanner präsentiert. Bernd Petersen wird bei „Locomotive breath“ zusammen mit Stephanie Lepp (Querflöte) gefeiert. Auch Agnes Lepp ist wieder dabei, singt unter anderem zusammen mit Martin Wanner „One hand one heart“. Das „Late in the evening“ (Solist Ekkehard Kugler) ist sicher nicht ohne Grund als letztes Lied ausgedruckt. Es ist ja auch schon dreiviertel elf. Und der Beifall will kein Ende nehmen.
Doch so einfach Schluss machen, das geht natürlich nicht. Rektor Büscher spricht von einem ganz großen Finale und überreicht einen Siegerkranz („Es soll kein Beerdigungskranz sein“) samt einer Urkunde für „40 Jahre Treue im Staatsdienst“ an Lepp (werden da die Studienjahre mitgezählt?). Dass es das letzte Revival-Konzert war, will Büscher erst glauben, wenn er „The final countdown“ gehört hat. Und die Sänger versprechen schon mal in Gedichtform, „dass wir allzeit bereit sind“.
„Ihr wart so super heute!“, lobt Lepp den Chor und die Musiker. Dass er und seine Frau Christel einen Strandkorb geschenkt bekommen, bringt in fast noch aus der Fassung. Drei Zugaben sind noch eingeplant. Der Taktstock wird an den Kollegen Jörg Schweizer übergeben. Dann ist wirklich Schluss. Für diesmal. (Albert Arning)